Müde WM-Heldinnen sehnen Pause herbei
Volendam/Niederlande (dpa) - Kerstin Stegemann musste früh einer Verletzung Tribut zollen, Sandra Minnert humpelte kurz vor Abpfiff gezeichnet mit

Am Ende des erfolgreichsten Jahres der deutschen Frauenfußball-Geschichte sind die Protagonistinnen in einem fast bedauernswerten körperlichen und mentalen Zustand. «Ich bin völlig leer. Ich kann nicht mehr», stammelte Spielführerin Prinz nach dem glücklichen 1:0-Sieg in der EM-Qualifikation in den Niederlanden und nahm mit zitternden Händen einen Schluck aus der Wasserflasche.
Die WM-Heldinnen sind nach den Strapazen der vergangenen Monate mit ihrer Kraft am Ende und sehnen die dringend benötigte Winterpause herbei. «Bei allen ist der Akku leer. Und ich muss sagen, auch bei mir», gestand Cheftrainerin Silvia Neid. Heilfroh war sie, dass die Spielerinnen ihren inneren Schweinehund nochmal überwinden konnten und gegen die «nickeligen» Niederländerinnen in Volendam weitere drei Punkte einfuhren. «Jetzt können alle mit einem sehr guten Gefühl nach Hause fahren. Das zeichnet ein großes Team aus, in dieser Drucksituation nochmal zu bestehen», lobte die 43-Jährige.
Trotz der wenig weltmeisterlichen Darbietung nötigt die Kraftanstrengung und die Einstellung großen Respekt ab. Neids Bilanz der vergangenen 12 Monate fiel daher uneingeschränkt positiv aus: «Es war ein tolles Jahr mit dem WM-Titel in China als Highlight. Dann noch die Vergabe der Weltmeisterschaft 2011 nach Deutschland. Gibt es eigentlich eine Steigerung für i-Tüpfelchen?»
Noch in der Kabine nahmen Trainerinnen und Spielerinnen bis auf weiteres Abschied voneinander. Das nächste Treffen mit dem DFB-Tross steht erst im Januar 2008 an. Für Minnert aber war es ein Abschied für immer. «Als ich heute zum letzten Mal als Spielerin die Hymne hörte, musste ich schon schlucken», sagte die 34-Jährige. Sie beendete ihre große Karriere wegen anhaltender Knieprobleme nach 146 Länderspielen.
«Als wir uns nach der WM in Lübeck wiedersahen, habe ich mich echt gefreut. Jetzt aber bin ich froh, dass ich wieder andere Gesichter sehen kann», räumte Nadine Angerer ein. Die DFB-Torhüterin meinte es nicht böse, aber nach Länderturnier im Januar, Algarve-Cup, EM- Qualifikation, unzähligen Lehrgängen und der vierwöchigen WM ist der Wunsch verständlich. Die Spielerinnen haben sich untereinander bei insgesamt 21 DFB-Partien öfter gesehen als ihre Familien und Freunde.
Angerer hatte vor 4016 Fans das Glück der Tüchtigen, dass ihre Zu- Null-Serie auch im achten Spiel hielt. Mal parierte sie Schüsse gewohnt sicher, mal halfen die Abschlussschwäche des Gegners oder ein deutsches Abwehrbein. Letztlich war es Annike Krahn, neben der verletzt fehlenden Simone Laudehr, Melanie Behringer und Angerer eine der großen WM-Gewinnerinnen, zu verdanken, dass der 13. Sieg des Jahres heraussprang. Der Kopfball der 22-Jährigen in der 36. Minute genügte am Ende zum fünften Sieg in der EM-Qualifikation. Die Teilnahme des Titelverteidigers an der EM 2009 in Finnland ist so gut wie sicher.
Doch noch können sich die müden Heldinnen nicht ausruhen, an Urlaub ist noch nicht zu denken. Die Bundesliga steht auf dem Programm. «Wir müssen bis zum 22. Dezember noch im Pokal, in der Liga und im UEFA-Cup spielen. Ich weiß, ehrlich gesagt, im Moment nicht, wie ich das schaffen soll», klagte Prinz. Aufgrund der Verletztenlage muss die auch beim 1. FFC Frankfurt unentbehrliche Rekordnationalspielerin bis Weihnachten durchhalten. Eine Tortur, doch sie will auch das schaffen, irgendwie: «Da muss ich durch.»
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