Red-Bull-Pilot Verstappen als WM-Herausforderer

Baku (dpa)  Max Verstappen tritt in Baku als erster WM-Verfolger von Mercedes an. Der junge Niederländer glaubt genau wie sein Red-Bull-Rennstall, dass in diesem Formel-1-Jahr noch viel möglich ist.

Von Thomas Wolfer, dpa

Max Verstappen
Hat viel vor dieses Jahr: Red-Bull-Pilot Max Verstappen.

Auf ein erneutes Chaos in Baku würde Max Verstappen zu gerne verzichten. «Am liebsten wäre mir ein stinklangweiliges Rennen, und ich liege eine Minute in Führung», sagte der Niederländer.

Nachdem ihm sein damaliger Teamkollege Daniel Ricciardo 2018 heftig ins Heck gefahren war und in Aserbaidschan unsanft von der Strecke schoss, soll es am Sonntag (14.10 Uhr/RTL und Sky) wieder für einen Top-Platz reichen. Das große Ziel für Red Bull in der Formel 1 hat Verstappen dabei immer im Blick: «Wir wollen Ferrari und Mercedes einholen.»

Als Dritter ist der 21-Jährige aktuell sogar erster WM-Verfolger des Silberpfeil-Duos Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. Dass Ferrari mit Sebastian Vettel und Charles Leclerc knapp hinter Verstappen liegt, überrascht durchaus. Denn Red Bulls Honda-Motor funktioniert noch längst nicht so gut, wie er sollte. «Wir brauchen Updates, damit wir das ganze Potenzial des Autos ausschöpfen können», sagte Verstappen.

Deswegen wird der Antrieb in Baku gewechselt. Es ist die erste von vier Ausbaustufen, die zunächst etwa 20 PS mehr bringen soll. Auf dem Stadtkurs am Kaspischen Meer hilft das, um auf der mehr als zwei Kilometer langen Geraden nicht zu viel Zeit gegen den überlegenen Ferrari-Motor zu verlieren. Die Italiener hätten einen «sehr guten Job gemacht», musste Verstappen zugeben. «Wir haben viele Teile auf Lager, die uns in den kommenden Wochen und Monaten hoffentlich der Spitze näher bringen», sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Das Team will an die goldenen Jahre von 2010 bis 2013 anknüpfen, als Sebastian Vettel viermal Weltmeister wurde. Doch mit dem Start der Hybrid-Ära 2014 häuften sich die Probleme und auch viele Querelen mit Ex-Motorenpartner Renault. Vom Wechsel zum japanischen Hersteller Honda in diesem Jahr verspricht sich nicht nur Verstappen in seiner fünften Saison in der Königsklasse viel. «Ich bin sehr froh, weil sie immer Neuerungen bringen und Verbesserungen forcieren», sagte er.

Das Supertalent konnte, seit er 2015 als jüngster Fahrer der Geschichte mit nur 17 Jahren in die Formel 1 einstieg, zwar fünf Rennen gewinnen, im WM-Kampf ist er jedoch (noch) kein dauerhafter Rivale für Titelverteidiger Hamilton und Co. «Man lernt mit jedem Rennen und bekommt mehr Erfahrung in allen Rennsituationen. Für mich läuft es sehr gut», sagte Verstappen im Fahrerlager von Baku.

Im Winter musste er noch Motorsport-Sozialstunden ableisten, nachdem er in der Vergangenheit auch als kompromissloser Rüpel auffiel. Mittlerweile scheint er sich jedoch immer mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren. Seinem zwei Jahre älterer französischen Teamkollegen Pierre Gasly dient Verstappen sogar als Lehrmeister. «Er fährt wirklich stark. Er ist eine gute Hilfe für das Team, aber auch für mich, um zu sehen, was ich anders machen kann», sagte Gasly, der im Gegensatz zu Verstappen bislang hinter den Erwartungen zurückblieb.

Red Bulls stärke war es in der Vergangenheit, im Saisonverlauf aus Fehlern zu lernen. «Sie werden noch besser», sagte Ferrari-Star Vettel, der im Titelrennen fest mit seinem Ex-Arbeitgeber rechnet: «Wir haben schon vorher erwartet, dass es ein Dreikampf wird.»

Dass Verstappen nach einem dritten und zwei vierten Plätzen zum Auftakt nun in Baku seinen ersten Saisonsieg einfährt, sei zwar durchaus möglich, allerdings erwartet er auf dem unfallgefährdeten Kurs einen harten Kampf: «Wir müssen da konservativ herangehen, dann ist alles möglich. Wir wollen einfach ein gutes Wochenende haben.»


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