Fabian Vettel geht Motorsport-Karriere trotz berühmtem Bruder bodenständig an

Motorsport  Großer Name, kleine Schritte: Profifahrer will sich Fabian Vettel nicht nennen.Trotzdem steuert der kleine Bruder von Sebastian Vettel ambitionierte Ziele an - immer mit der nötigen Bodenhaftung.

Von Dominik Knobloch
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Unverkennbare Ähnlichkeit: Sebastian Vettel (links) vor eineinhalb Jahren mit seinem Bruder Fabian auf dem Hockenheimring.

Foto: imago images/Thomas Pakusch

Wieder wird die Familie vorab im Wohnmobil nach Monaco fahren. "Das hat Priorität. Ist aber auch nicht schlimm, weil wir das seit zehn Jahren so machen", sagt Fabian Vettel. Immer, wenn sein großer Bruder Sebastian mit der Formel 1 im Fürstentum unterwegs ist, sind die Vettels schon einige Tage vorher da "und machen ein bisschen Urlaub".

Doch in diesem Jahr werden sich die Eltern ohne ihren Jüngsten auf die Reise begeben. Denn der hat mittlerweile sein eigenes Wohnmobil. Und fährt damit in die andere Richtung. Most statt Monaco, heißt es für den 20-Jährigen. Den großen Familiennamen wird er dort aber auch ganz alleine im Gepäck haben.

Direkt aus dem Krankenhaus ins Wohnmobil

"Den Namen habe ich, ich konnte ihn mir nicht aussuchen. Das ist für mich aber nichts Schlimmes. Ich bin damit aufgewachsen", sagt Fabian Vettel. Und das war immer direkt neben der Rennstrecke. "Geboren bin ich zum Glück nicht im Wohnmobil, aber wahrscheinlich bin ich aus dem Krankenhaus direkt dort rein. Ich war immer mit dabei. Habe mich gefreut, was mein Bruder alles erreicht hat."

Klar, dass die Begeisterung für den Motorsport da auch das jüngste Familienmitglied nicht umkurvt. Trotzdem setzt sich Fabian Vettel erst sehr spät mit eigenen Ambitionen hinter das Lenkrad. Warum? "Das ist eigentlich eine gute Frage. Irgendwie war es nie so das Thema, nie so die Option." Außerdem müsse er auch seinem Vater, "ein bisschen eine in den Fuß treten", erklärt Vettel schmunzelnd: "Er hatte nicht so viel Lust, das Ganze nochmal zu machen." Mittlerweile begleitet er den Junior gerne auf dem wohlbekannten Weg. Ist gemeinsam mit der Mutter fast bei allen Rennen dabei.

Fabian Vettel verkneift sich forsche Töne

Die lange Strecke hin zum Ziel Profifahrer will Fabian Vettel dennoch Schritt für Schritt nehmen. Forsche Töne? Dafür ist er viel zu überlegt. Mit sympathischem hessischem Zungeschlag spricht er lieber davon, wie viel er im ADAC GT Masters lernen kann und noch lernen muss. Mit dem Start in der umkämpften Serie biegt Vettel erstmals auf den Beschleunigungsstreifen. Ausgerechnet im Mercedes. Der Marke, mit der sich sein großer Bruder erbittert in der Königsklasse duelliert.

Auch für Fabian Vettel war Mercedes in der Vergangenheit "eigentlich immer der Feind", verrät er lachend. Jetzt ist er Teil des Erfolgsteams. Allerdings auf ganz anderer Ebene, wie Fabian Vettel betont.

Architekturstudium als zweites Standbein

"Im Moment kann ich mich noch nicht Profi nennen. Es ist viel Stress, aber sicher noch kein Fulltimejob." Deshalb studiert er im zweiten Semester Architektur in Heidelberg. Auch das ist in gewisser Weise ein Stück Familiengeschichte. Schließlich ist der Papa gelernter Zimmermann. Trotzdem will Fabian Vettel vor allem an einem Fundament für eine Zukunft im Motorsport bauen: "Ich sehe mich künftig schon im Auto und nicht mit einem Stift vor einem Block."

Was nach seinem ersten beiden GT-Masters-Läufen in Oschersleben auf dem Ergebnisblatt stand, war allerdings recht ernüchternd. Platz 24 und 23 beim Debüt waren "ein bisschen holprig und ein ziemlich harter Einstieg", weiß der Youngster. Trotzdem hält er die Entscheidung mit dem starken Mann-Filter Team HTP zu starten weiter für "riskant, aber gut - ich möchte mir meinen Weg nach oben erkämpfen". Geringer werden die Erwartungen im tschechischen Most nicht. Hier hat HTP beim Strecken-Debüt in der Vorsaison immerhin gewonnen. Hier ist Mercedes schnell.

Nun muss auch Fabian Vettel beweisen, dass er schnell ist. Die nötige Bodenhaftung, um in die Spur zu finden, hat der 20-Jährige. Und warmfahren kann er sich, wenn er allein im Wohnmobil Richtung Most unterwegs ist.


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