Antipathie im deutschen WM-Duell
Die Profi-Boxer Felix Sturm und Sebastian Sylvester mögen sich nicht. Hass, beteuert Sylvester, sei zwar nicht im Spiel, wenn sich beide in Oberhausen beim Kampf um den WM-Gürtel der World Boxing Association (WBA) im Mittelgewicht gegenüberstehen.
«Freunde werden wir aber nicht. Dass steht fest», schwört der aus Greifswald in Vorpommern stammende Herausforderer Sylvester. Der in Leverkusen lebende Titelverteidiger Sturm beteuert: «Ich hab nichts gegen ihn.» Er verhehlt aber nicht, dass ihm Sylvester und dessen Getreue (Trainer Hartmut Schröder, Manager Winfried Spiering) gestohlen bleiben können. «Verstand und Niveau sind bei denen nicht vorhanden», behauptet Sturm. Gemeinsame Fotos mit seinem Rivalen lehnt ebenso wie einen Händedruck ab.
Das erste deutsche WM-Duell seit dem Kampf von Graciano Rocchigiani gegen Dariusz Michalczewski vor acht Jahren wird mit markigen Sprüchen beworben. Sylvester werde Sturm «rammen und versenken», verkündet Manager Spiering, Chef des Berliner Wiking- Stalls, der sich auch privat als Anhänger der martialischen Wikinger outet. Trainer Schröder rät Sturm, eine warme Jacke mit in den Ring zu nehmen - denn er werde lange liegen.
«Ein paar Sprüche müssen schon sein. Das gehört einfach dazu», meint Sylvester, der den Kampfnamen Hurrikane trägt. «Ein Hurrikane ist nun mal stärker als ein Sturm», sagt der 28-Jährige. In der Tat verfügt der Greifswalder über das größere K.o.-Potenzial; der bessere, weil technisch versiertere Boxer ist jedoch Weltmeister Sturm. Sylvester gesteht seinem Rivalen zumindest mehr Talent zu. «Die Chancen stehen 70:30 für Sturm», glaubt Jean Marcel Nartz, Technischer Leiter im Universum Box-Stall.
Sturm, der als Sohn bosnischer Einwanderer in Leverkusen zur Welt kam, wird vom Wiking-Team hartnäckig nur mit seinem Geburtsnamen Adnan Catic gerufen. «Ich kenne ihn schon aus Amateur-Zeiten unter diesem Namen. Warum soll ich ihn bei seinem Künstlernamen nennen. Er sagt ja auch nicht Herr Hurrikane zu mir», erklärt Sylvester, der bei seinem Gegenüber Arroganz ausgemacht hat. Sturm kontert: «Ein großer Champion braucht keine große Klappe.»
Für den 29-jährigen Sturm (33 Kämpfe, 30 Siege) ist es bereits der elfte WM-Kampf, dreimal hat er den WM-Gürtel bereits erobert. «Ich kann es kaum erwarten, in den Ring zu steigen», meint der Titelverteidiger. Der an bei der WBA an Nummer eins gesetzte Sylvester (31 Kämpfe, 29 Siege) hat acht EM-Kämpfe bestritten, davon sieben erfolgreich. «Diese WM-Chance muss ich nutzen», sagt der 28- Jährige. 540 000 Euro erhält der Greifswalder bei seiner WM-Premiere, Sturm darf sich als Champion auf 1,681 Millionen Euro freuen.
Im Schatten des deutschen Duells steht ein weiterer WM-Kampf. Der für Universum kämpfende Sergej Dsinsiruk aus der Ukraine verteidigt seinen WBO-Titel im Superweltergewicht gegen Joel Julio (Kolumbien).
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