Sven Schlüsselburg ist fassungslos vor Glück

Springreiten  Der Ilsfelder Springreiter Sven Schlüsselburg und sein Schimmel Bud Spencer belegen beim CHIO in Aachen, dem berühmtesten Reitturnier der Welt, ohne Abwurf Platz acht.

Von Lars Müller-Appenzeller

Schlüsselburg ist fassungslos vor Glück
Haben sich beim prestigeträchtigen CHIO sichtlich wohlgefühlt: Der Ilsfelder Sven Schlüsselburg im Sattel von Bud Spencer beim Großen Preis von Aachen. Foto: dpa

Ein Traum? Ein Märchen? Eine Sensation? Alles, alles auf einmal. Und das beim berühmtesten Reitturnier der Welt, beim CHIO in Aachen. Erst warf Sven Schlüsselburg Jubelfäuste in die Luft, dann beklatschte der Springreiter aus Ilsfeld den Hals seines Bud Spencer: Das Paar vom PLZ Engelsberg hat beim Großen Preis, dem Höhepunkt des CHIO Aachen am Sonntagnachmittag, tatsächlich nach zwei Runden ohne Abwurf Platz acht belegt, Schlüsselburg ist mit seinem Schimmel drittbester von sieben gestarteten Deutschen.

Sonderehrenpreis für guten Stil gewonnen

"Und dann habe ich noch den Stilpreis gewonnen, den Sonderehrenpreis unter den besten Reitern der Welt", sagte Sven Schlüsselburg Stunden nach dem letzten Sprung und einem Medienmarathon. "Ich bin ganz hin und weg." Wie es nun weitergeht? Der 37-Jährige lachte und sagte: "Ganz ehrlich: keine Ahnung. Alles war bis Aachen geplant." Jetzt ist alles anders.

Während des Telefonats wird Sven Schlüsselburg immer wieder von Gratulanten unterbrochen. Wer alles dabei war? "Beispielsweise Ursula von der Leyen, Simone Blum und Ludger Beerbaum", sprudelte es aus dem Senkrechtstarter der Saison heraus. "Simone und Ludger haben mir das Gefühl gegeben, dass das ein gemeinschaftlicher Erfolg gewesen ist."

20.000 Euro Preisgeld 

Für den es übrigens 20 000 Euro Preisgeld gab. Aber das sei jetzt nicht der Zeitpunkt, um über Geld zu sprechen. "Wer hätte vor einem halben Jahr gedacht, dass ich im Großen Preis von Aachen doppelnull gehe?" Stimmt. Im Springreiten gibt es nichts geschenkt. "Sowas kommt nicht aus dem Nichts - das ist schon jahrelange Arbeit. Dennoch habe ich mich in der letzten Zeit enorm gesteigert", sagte Schlüsselburg am Donnerstag dem "Reiterjournal" in einem großen Interview. Die "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" brachten am selben Tag eine große Geschichte über den CHIO-Neuling und zitierten Bundestrainer Otto Becker mit den Worten: "Sven reitet sehr stark, er hat ein tolles Pferd. Hier in Aachen muss er auf diesem Niveau Erfahrungen sammeln." Das hat er. Und wie.

Im ersten Umlauf hatten Schlüsselburg und Buddy, wie der Reiter seinen zehnjährigen Partner nennt, zwar keinen Abwurf, aber zwei Zeitstrafpunkte kassiert. "Im ersten Umlauf ist er überragend geritten", lobte Otto Becker in der ARD. "Er hat nicht so die Erfahrung auf diesem Niveau, umso beeindruckender ist seine Leistung." Denn nach Platz zehn folgte eine Steigerung.

Kleine Schritte gehen

"Auf diesem Level sind wir noch grün, Buddy und ich", gab Sven Schlüsselburg zu. "Deshalb muss man kleine Schritte gehen. Du versuchst null zu reiten, bist kontrolliert und vorsichtig." Und nicht schnell genug - das war die gesamte Woche über zu sehen. Nach Schlüsselburgs Eröffnungsspringen mit zwei Zeitfehlern am Dienstag sagte beispielsweise Co-Bundestrainer Heiner Engemann: "Beim nächsten Parcours musst du mutiger vorwärtsreiten, um innerhalb der Zeit zu bleiben." Genau das haben die Zwei aus dem Unterland im zweiten Umlauf des Großen Preises versucht (Schlüsselburg: "Das ist ein ganz schmaler Grat"). Und das gelang mit Bravour: Nullrunde in der Zeit. Verbesserung auf Platz acht.

Fassungslosigkeit vor Glück. In der ARD sagte Schlüsselburg: "Ich kann es noch nicht glauben, was passiert ist." Und Christian Ahlmann ergänzte: "Das war eine unglaubliche Runde, Bud Spencer besitzt ein unglaubliches Vermögen, er hat sich sichtlich wohl gefühlt, ein toller Tag für die beiden." Die wollen trotz lukrativer Angebote zusammenbleiben. Dass den Schlüsselburgs Angebote im siebenstelligen Bereich für den zehnjährigen Schimmelwallach gemacht worden sein sollen, ist keine Fantasterei.

Dankeschön an die Familie und das Team

"Ich habe ein super Team hinter mir", sagte Sven Schlüsselburg und meinte seine Eltern Vroni und Manfred, seine Frau Romina, seine Tochter und sein Sohn, seine Pflegerin Fabienne Fröller und Bundestrainer Otto Becker, mit dem er die Planungen der vergangenen Monate gemacht hatte. Mit diesem Team wird Sven Schlüsselburg nun die Zukunft planen. Wenn sich alles ein bisschen gesetzt hat.

 


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