Wer wird denn anderswo Geister-Meister?

Fussball  Von wegen Sommerpause: In England, Italien und Spanien rollt noch der Ball: So ist die Situation in den Ligen Europas.

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Als erste der Top-Ligen hat die Bundesliga ihre Saison sportlich beendet. Wie ist die Situation in anderen europäischen Ligen? Ein Überblick:

England

Auf der Stadionleinwand von Tottenham Hotspur werden während der Partie gegen Everton Fans eingeblendet, wie sie die Partie verfolgen.

Foto: imago images/PA Images

Die Meisterfrage ist durch den FC Liverpool längst entschieden. Spannend ist noch das Rennen um die zwei offenen Champions-League-Plätze. Leicester City, FC Chelsea, Manchester United und Wolverhampton Wanderers heißen die Kandidaten. Sollte Manchester City tatsächlich mit seiner Berufung gegen die Sperre (Financial Fairplay) für die Königsklasse scheitern, dürfen sich am Saisonende drei der vier freuen.

Diese Woche rollt außer am Freitag jeden Tag der Ball. "Ähnlich wie in der Bundesliga hat die Corona-Pause den Spielen rein sportlich kaum an Qualität gekostet", sagte Ex-England-Legionär Dietmar Hamann dem "Kicker". Die Premier-League-Aufsteiger, die gerade noch ermittelt werden, müssen jeweils auf acht Millionen Pfund an TV-Geldern verzichten. Denn die TV-Stationen zahlen für die Geisterspiele deutlich weniger TV-Geld als ursprünglich vereinbart. Das Minus beträgt für die teuerste Fußball-Liga der Welt 330 Millionen Pfund.

Italien

Viele Italiener kommen derzeit morgens nur sehr schwer aus dem Bett. Der Grund: die späten Anstoßzeiten in der Serie A. Unter der Woche beginnen die Partien fast ausnahmslos erst um 21.45 Uhr. Vor Mitternacht bekommt da kaum ein Tifosi die Augen zu. Viele Fans protestieren dagegen - ohne Aussicht auf viel Erfolg. Die Fußballergewerkschaft AIC sprach sich wegen der Sommerhitze ausdrücklich gegen frühere Spiele aus.

Ansonsten läuft alles wie geplant. "Das Hygiene-Konzept orientiert sich stark an dem der Bundesliga. Ich kann kaum Unterschiede feststellen - wir tragen Masken auf der Tribüne, halten Abstand und haben nur sehr wenige Menschen im Stadion", sagte Robin Gosens von Atalanta Bergamo der "Bild". Der Titeltraum von Lazio Rom scheint ausgeträumt, denn Juventus Turin hat nach dem Re-Start sieben Punkte Vorsprung.

Spanien

Wer wird denn anderswo Geister-Meister?

Abstand halten, das gilt auch für die Superstars von Real Madrid, die in der Tabelle den FC Barcelona aktuell distanzieren.

Foto: dpa

Alles wie vor Corona. In Spanien sorgt der VAR, der Videoschiedsrichter, für Schlagzeilen. Real Madrid gewann zuletzt zwei Mal 1:0, jeweils nach umstrittenen Elfmeterentscheidungen für die Mannschaft um Toni Kroos. Nicht nur Corona führt zu Verschwörungstheorien. "Begünstigt wird immer derselbe", klagte Barcelona-Boss Josep Bartomeu nach dem 1:0-Sieg von Madrid am Sonntag bei Athletic Bilbao. Real führt vier Spieltage vor Saisonultimo mit vier Zählern vor Titelverteidiger FC Barcelona.

Österreich

Wer wird denn anderswo Geister-Meister?

Salzburgs Zlatko Junuzovic und seine Teamkollegen jubeln nicht nur über das Tor zum 6:1 gegen Rapid Wien, sondern auch über den Titel.

Foto: dpa

Weil Vor-Corona-Tabellenführer Linzer ASK verbotenerweise bereits im Mai Mannschaftstraining durchführte (per Videobeweis ertappt), wurden dem Team sechs Punkte abgezogen (später auf vier reduziert). Linz bekam daraufhin zum Re-Start kein Bein mehr vors andere und rutschte am finalen Spieltag am vergangenen Wochenende noch auf Rang vier ab. Serienmeister RB Salzburg sicherte sich souverän den Titel. Wie in der deutschen Bundesliga ist der Anteil der Heimsiege rapide gesunken.

Den Geisterspielen in Deutschland und Österreich widmete sich eine Studie der Uni Graz. "Wir glauben, dass die Gastmannschaften mit größerem Selbstbewusstsein zu den Auswärtsspielen angetreten sind, da sie um den fehlenden Heimvorteil der gegnerischen Teams wussten", schreibt Co-Autorin Sigrid Thaller.

Schweiz

Mit Englischen Wochen bis Anfang August beenden die Schweizer ihre Super League. "Wer Bundesliga geschaut hat, hat sich an Geisterspiele bereits gewöhnt. Es war nicht mehr speziell", sagte Andres Gerber, Sportchef des FC Thun, nach dem Geisterspielstart.

In der Schweiz dürfen die Kantone jetzt wieder bis zu 1000 Zuschauer zulassen. Die Young Boys Bern hoffen, im Juli 5000 Zuschauer in ihr Wankdorfstadion zu lassen. So könnte jeder der 20 000 Dauerkarteninhaber in den Genuss eines Heimspiels kommen. Tabellenführer ist überraschenderweise immer noch Außenseiter FC St. Gallen, der vom ehemaligen Hoffenheimer Co-Trainer Peter Zeidler verantwortet wird.

 

Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik. 

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