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Saisonhalbzeit in der Formel 1: Ferraris Traum, Vettels Frust

Beim Rennen in Le Castellet startet der Formel-1-Zirkus in die zweite Saisonhälfte. Weltmeister Max Verstappen hat die komfortabelste Ausgangsposition, doch bei Ferrari ist der Optimismus so groß wie lange nicht mehr. Ein Rück- und Ausblick.

Nils Buchmann
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Lesezeit 3 Min
Saisonhalbzeit in der Formel 1: Ferraris Traum, Vettels Frust
Der Gejagte und die Jäger: Nach elf von 22 Rennen führt Max Verstappen (vorne) die Fahrerwertung an, doch das Ferrari-Team um Charles Leclerc und Carlos Sainz (rechts) möchte noch in den Titelkampf eingreifen.  Foto: Matthias Schrader

Mit dem Großen Preis von Frankreich (Sonntag, 15 Uhr/Sky) startet die Formel 1 am Wochenende in die zweite Saisonhälfte. Nach elf von 22 Rennen steht Weltmeister Max Verstappen (Red Bull) in der Fahrerwertung an der Spitze, hat in Ferrari-Pilot Charles Leclerc allerdings einen ambitionierten Herausforderer. Auch das grundlegend überarbeitete technische Reglement hat zu Spannung und Abwechslung in der Motorsport-Königsklasse beigetragen. Ein Rück- und Ausblick.

Was erwartet Fans und Fahrer in der zweiten Saisonhälfte?

Neben dem Rennen in Le Castellet stehen vier weitere Läufe in Europa im Kalender. Während die Tribünen bei Max Verstappens Heim-Grand-Prix in Zandvoort in orange getaucht sein werden, freuen sich die Ferraristi auf das Rennen in Monza. Außerdem warten mit Spa-Francorchamps und dem Hungaroring zwei Klassiker. Anschließend geht es nach Asien und Amerika (unter anderem mit einem Sprint-Rennen in São Paulo), ehe die Saison am 20. November in Abu Dhabi endet.

Wer hat bisher positiv überrascht?

Ganz klar Valtteri Bottas. Nach seinem Wechsel von Mercedes zu Alfa Romeo hätten dem Finnen nur die wenigsten zugetraut, regelmäßig in die Punkte zu fahren. Doch Bottas fuhr sieben Mal in die Top Ten und wurde unter anderem in Imola Fünfter − 46 Punkte können sich sehen lassen. Zum Vergleich: Teamkollege und F1-Debütant Zhou Guanyu sammelte gerade einmal fünf Zähler.

Wer fährt seinen Ansprüchen zurzeit noch hinterher?

Hier ist die Liste schon deutlich länger. Ganz vorne: Daniel Ricciardo (McLaren) und Pierre Gasly (Alpha Tauri). Während Ricciardo (WM-Rang zwölf) seinem Teamkollegen Lando Norris klar unterlegen ist und meist im hinteren Mittelfeld fährt, fehlt es dem Alpha Tauri von Pierre Gasly (13), der im Vorjahr noch regelmäßig in die Punkte fuhr, ganz offensichtlich an Grundschnelligkeit.

Auch Veteran Fernando Alonso (Alpine) kann mit seiner bisherigen Saison nicht wirklich zufrieden sein. Der Doppelweltmeister punktete zuletzt zwar eifrig und startete in Kanada mal wieder aus der ersten Startreihe, doch der Spanier ist so etwas wie der Pechvogel der Saison: Schlechte Boxenstopps, Pech mit Safety-Car-Phasen und zuletzt in Österreich das peinliche Malheur, als ihn sein Team aufgebockt und mit Heizdecken auf den Reifen in der Startaufstellung stehen ließ.


Was ist mit Mercedes?

Der Konstrukteurs-Weltmeister hatte mit dem neuen Reglement, das eine Komplettüberarbeitung der Fahrzeuge erforderte, mehr Probleme als andere Teams. Vor allem das Porpoising, das Hoppeln bei hohen Geschwindigkeiten auf den Geraden, machte Mercedes gehörig zu schaffen. Mit fortschreitendem Saisonverlauf wurden die Ergebnisse jedoch konstanter. Für Siege reichte es zwar noch nicht, doch durch Fehler und Ausfälle bei Ferrari und Red Bull stand ein Silberpfeil immer mal wieder mit auf dem Podest. Für Rekordweltmeister Lewis Hamilton wird es in den restlichen Rennen darum gehen, seinen Teamkollegen George Russell in die Schranken zu weisen, denn der 24-Jährige hat bislang 19 Punkte mehr gesammelt.

Kann Ferrari endlich einen der beiden WM-Titel gewinnen?

Die Chancen standen für das Team aus Maranello zumindest lange nicht so gut wie in diesem Jahr. Das Auto ist mehr als konkurrenzfähig und die Fahrer sind beide schnell. Allerdings steht sich die Scuderia zu häufig selbst im Weg, der Erwartungsdruck ist enorm: Falsche Strategien, schlechte Absprachen bei Boxenstopps und nach einem vielversprechenden Saisonstart auch Probleme mit dem Motor oder der Hydraulik. Zudem: Carlos Sainz gibt sich nicht kampflos mit der Rolle als Nummer zwei hinter Charles Leclerc zufrieden. Das birgt Konflikte.

 

Saisonhalbzeit in der Formel 1: Ferraris Traum, Vettels Frust
Für den viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel ist es im Aston Martin erneut eine enttäuschende Saison. Seine Zukunft im Team und in der Serie ist noch ungeklärt.  Foto: Erwin Scheriau

Und wie steht es um die beiden deutschen Fahrer?

Mick Schumacher erlöste sich in Großbritannien mit seinen ersten WM-Punkten. Der Haas des 23-Jährigen kann im vorderen Mittelfeld mithalten und ist zuverlässiger als in den Vorjahren. Mit Kevin Magnussen hat Schumacher zudem einen guten Teamkollegen, an dem er sich messen lassen muss. Sebastian Vettels Saison ist dagegen einmal mehr enttäuschend. Sein Aston Martin ist zwar optisch ein Hingucker, jedoch viel zu langsam. Mickrige 15 Zähler hat der Ex-Weltmeister bisher gesammelt, acht davon durch einen sechsten Platz in Baku. Die Enttäuschung ist dem Heppenheimer anzumerken. Schumacher und Vettel fahren in den nächsten Monaten auch um ihre Zukunft: Bei beiden Piloten endet der Vertrag am Saisonende.

 
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