Das Neckarsulmer Eigengewächs startet durch

Schwimmen  Brustschwimmerin Bente Fischer hat sich für die Europameistershaften in Budapest qualifiziert und freut sich über ihren ersten internationalen Einsatz. Die 23-Jährige von der Neckarsulmer Sport-Union ist eine Spätstarterin, einst hat sie Triathlon gemacht.

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Die Neckarsulmerin Bente Fischer hat in diesem Jahr ihre Bestzeit über 200 Meter Brust aus 2019 von 2:28,64 Minuten auf 2:26,51 und dann nochmals auf 2:25,90 Minuten gesteigert − und das trotz der Corona-Pandemie.

Foto: dpa

Die Schwimm-Abteilung der Neckarsulmer Sport-Union hat in den vergangenen Jahren sportliche Ausrufezeichen gesetzt - national wie international. Spätestens seit 2019 lässt in Bente Fischer aber auch erstmals eine gebürtige Neckarsulmerin, die im längst abgerissenen alten Hallenbad groß geworden ist, national aufhorchen. Die 23-Jährige ist bei den Europameisterschaften in Budapest, wo am Montag die Beckenwettbewerbe beginnen, am Start - und für die Strecken über 100 und 200 Meter Brust gemeldet. "Die EM-Qualifikation ist mein bisher größter sportlicher Erfolg. Davor waren es die nationale Vizemeisterschaft über 200 Brust wie die DM-Titel mit der Lagenstaffel auf der kurzen und der langen Bahn 2019", sagt Bente Fischer. Vergangenes Jahr gab es wegen Corona keine Wettbewerbe - nicht nur für Bente Fischer ein reines Trainingsjahr."

Strukturierter Tag trotz Corona

2020 war nicht einfach. Dafür recht einseitig. "Schlimm war die Phase, als im April das Bad geschlossen war", sagt Bente Fischer, "da ging ich jeden Morgen um sieben Uhr laufen, um den Tag strukturiert zu bekommen. Schwimmen fehlt, man hat morgens keinen Grund früh aufzustehen. Es gab Momente, in denen einem schon die Decke auf den Kopf gefallen ist."

Sie trotzte allen Widrigkeiten und sorgt nun für eine Leistungsexplosion. Auf ihrer Paradestrecke 200 Meter Brust steigerte sie ihre Bestzeit von 2:28,64 Minuten auf 2:26,51 und 2:25,90 Minuten. Und das, obwohl Bente Fischer wegen einer Erkältung zwischendurch zwei Wochen aus dem Training war. Dass sie ohne diese Zwangspause vielleicht gar die Olympia-Norm geschwommen wäre, blendet sie aus. "Ich war einfach froh, bei der Qualifikation in Berlin starten zu dürfen", sagt das NSU-Eigengewächs und freut sich auf Budapest. "Mein erster Auftritt auf internationaler Ebene, mein erster Auftritt in der Nationalmannschaft, das werden schon besondere Momente."

Papa als beruhigender Faktor

Die sportlichen Erfolge der Lehramtsstudentin sind umso bemerkenswerter, da sie als Leistungsschwimmerin eine Spätstarterin ist. Ihre Anfänge verbrachte sie als Triathletin. "Als Fünf- oder Sechsjährige habe ich an einem Schnuppertriathlon teilgenommen. Ich war so nervös, wollte nicht starten und heulte. Mein Vater hat mich beruhigt. Soweit ich weiß, habe ich dann gewonnen", erinnert sich Fischer an ein paar Meter schwimmen, mit dem Rad einmal um den Block fahren und einen kurzen Lauf. "Ich bin beim Triathlon geblieben, der Wechsel zwischen den Disziplinen hat Spaß gemacht."

Die einzelnen Strecken wurden aber länger, der Spaßfaktor geringer. "Vor allem das Laufen war nicht so mein Ding. Da kommst du als Erste aus dem Wasser und wirst danach durchgereicht, das war nicht wirklich motivierend", sagt Fischer, die sich mit 16 zum Schwimmen orientierte. Schnell stellten sich die ersten positive Ergebnisse ein. "Ich bin eine Spätberufene, aber kein Naturtalent", sagt Fischer. Es folgte harte Trainingsarbeit, aber nicht die Frage, wo sie heute stehen könnte, wäre der Fokus einige Jahre früher im Becken gewesen. "Ich hätte es nicht besser machen können. Es ist gut, so wie es gelaufen ist", sagt Fischer.

Frühaufsteherin Fischer

Und so trainiert sie weiter mit großer Motivation - neun Einheiten in der Woche von je zwei Stunden im Becken. "Je nach Phase kommen noch zwei bis drei Mal eineinhalb Stunden Krafttraining hinzu", sagt Fischer. Schwimmer sind Frühaufsteher, die tägliche Schinderei beginnt um 6.30 Uhr. Die Quälerei soll sich lohnen, das Fernziel lautet Olympia 2024 in Paris. "Hätte man mich vergangenes Jahr gefragt, ob es für mich realistisch sei, wäre meine Antwort ´nein" gewesen", sagt Bente Fischer. "Dass ich jetzt nah dran war an der Norm für Tokio, hat mich überrascht und gibt mir Motivation, den Anspruch zu stellen 2024 dabei zu sein."

 

Nadine Laemmler feiert bei der EM Geburtstag

Am Mittwoch feiert Nadine Laemmler ihren 27. Geburtstag. Eine große Party wird es nicht geben, denn auch die Schwimmerin der Neckarsulmer Sport-Union verbringt ihren Ehrentag bei der EM in Budapest - tags darauf steht für die Rückenspezialistin zudem der Start über die 100 Meter an. Ihre Karriere hat Nadine Laemmler im Januar 2018 beendet. Gesundheitliche Probleme (Rücken) hatten sie zu diesem Schritt bewegt. Doch ihr Körper hat sich gut regeneriert, so dass die studierte Journalistin zurückgekommen ist und national sofort wieder zur Spitze gehört hat. 2019 verpasst Nadine Laemmler krankheitsbedingt die Kurzbahn-EM in Glasgow. An der Olympia-Norm für Tokio scheitert die Lebensgefährtin von Fabian Schwingenschlögl. Zu den Gerüchten, bei der EM gäbe es eventuell noch die Möglichkeit sich für Japan zu empfehlen, sagt sie: "Der offizielle Qualifikationszeitraum für Tokio ist abgelaufen, das Thema habe ich abgehakt." swa


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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