KSC-Trainer Eichner im Interview: Es fühlt sich komisch an

Fußball  Christian Eichner, der Trainer des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC, spricht über Ersatzbeschäftigungen während der Corona-Krise, die Steuerung der Profis während der Pandemie und seine Gier auf den sportlichen Klassenerhalt.

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KSC-Trainer Christian Eichner gibt am Spielfeldrand engagiert die Richtung vor − aber das war einmal. Eichners Leben ist im Fußball-Stillstand ein anderes geworden. "Es fühlt sich komisch an", sagt er.

Foto: dpa

Anfang Februar ist Christian Eichner beim Karlsruher SC vom Co-Trainer zum Interims-Cheftrainer aufgestiegen. Aus der Doppelbelastung durch die Fußballlehrer-Ausbildung in Hennef und den Zweitliga-Abstiegskampf ist durch die Coronavirus-Krise plötzlich eine Nullbelastung geworden.

 

Herr Eichner, wie ist das Leben als Trainer im Fußball-Stillstand?

Christian Eichner: Es fühlt sich komisch an. Meine Frau Monja vermisst ja sonst den gemeinsamen Sonntagmorgen, an dem keiner aus dem Haus muss, man gemeinsam frühstückt. Das gibt es bei uns normalerweise nicht während der Saison. Jetzt ertappst du dich dabei festzustellen: Mensch, das war heute gefühlt schon der zehnte Sonntag in Folge. Jetzt könnten mal wieder ein paar gewohnte Sonntage kommen.

 

Sonst sind Sie für 22 KSC-Profis verantwortlich. Jetzt unterrichten Sie Ihre Tochter Smilla, eine Zweitklässlerin.

Eichner: Mit ihrer Mama klappt das Zusammenspiel nicht so gut. Ich muss da mitunter beruhigend eingreifen (lacht) und bleibe tiefenentspannt. Nein, im Ernst: Zwei, drei Stunden am Vormittag sind somit schon mal abgedeckt und sinnvoll gefüllt. Jeden Tag machen wir Mathe, Deutsch und Sachunterricht.

 

Wie sieht denn Ihr sonstiger Tagesablauf gerade aus?

Eichner: Die Gattin hat sich leider daran erinnert, dass es Sachen gibt, von denen man immer gesagt hat, dass man sie irgendwann machen sollte. Frauen vergessen halt nix (lacht): Jetzt ist irgendwann. Ich habe daheim den einen oder anderen Raum frisch gestrichen. Dafür bin ich zwar kein Experte, aber ich habe es ganz ordentlich hingekriegt, finde ich.

 

In KSC-Blau?

Eichner: Polarweiß. Ganz neutral.

 

Gestrichen wurden auch Ihre Prüfungen zum Fußballlehrer.

Eichner: In den vergangenen beiden Wochen wären die schriftlichen Tests gewesen, Anfang April dann die mündlichen. Ich hätte gerne einen Haken dran gemacht, bleibe aber entspannt, weil ich es nicht beeinflussen kann.

 

Wie sieht die Arbeit mit der Mannschaft derzeit aus?

Eichner: Die Spieler laufen viel. Ich stehe mit allen Spielern im Austausch, habe mit jedem telefoniert. Den Kontakt zu halten, ist wichtig. Gerade, da wir das Thema Online-Training als kleiner Verein natürlich noch nicht vollumfänglich abdecken können. Wir haben die Jungs zudem gebeten, daheim zu bleiben. Für Alleinstehende ist das jetzt schwieriger. Man darf das in der aktuellen Situation nicht unterschätzen.

 

Wie gestalten Sie die Trainingssteuerung der Spieler, ohne zu wissen, wann es weiter geht in der 2. Liga?

Eichner: Das ist in der Tat schwierig. Menschen brauchen immer ein Ziel. Das ist im Sport noch bedeutsamer und fehlt den Jungs. Das ist in der Saison-Vorbereitung anders. Da hat man einen Termin, auf den alles ausgerichtet ist.

 

Andere Vereine in der Bundesliga haben schon wieder trainiert.

Eichner: Das kriegen unsere Jungs ja auch mit. Die sehnen sich danach, ihrem Beruf nachzugehen, ohne zu vergessen, dass die Gesundheit für die Gesellschaft über allem steht. Ich kann ja trotzdem sagen: Ich würde gerne meinem Beruf ausüben. Allerdings müssen wir aufpassen, dass es nicht heißt, der Fußball will eine Sonderwurst. Einen Mittelweg zu finden, ist wichtig und richtig.

 

Der KSC ist Vorletzter und steht auf einem Zweitliga-Abstiegsplatz.

Eichner: Die Planung der neuen Saison wäre schon ohne Corona schwierig, weil du niemandem garantieren kannst, dass wir künftig 2. Liga spielen. Jetzt kommt diese Geschichte erschwerend hinzu.

 

Könnten Sie sich über einen Klassenerhalt bei einen Saisonabbruch und der Annullierung der bisherigen Spiele freuen?

Eichner: Wir sind ja alle Sportler. Deswegen würden wir den Klassenerhalt natürlich sehr gerne auch sportlich erreichen. Die Freude und Gier, dass man weiter in der Liga spielen dürfte, ist, was uns antreibt.

 

Wie sehr beschäftigen Sie sich mit Fußball in dieser Zwangspause?

Eichner: Man tauscht sich mit Kollegen aus, schaut sich vergangene Spiele an. Hat Spieler im Blick, die vielleicht als Neuzugang infrage kommen könnten. Aber sind wir mal ehrlich: Ich weiß ja gar nicht, auf was ich mich vorbereiten soll. Auf welchen Gegner? Geht es an Tag x weiter, wie im Spielplan vorgesehen? In welchem Modus? Es sind einfach momentan viele Fragen offen.

 

Eine weg davon lautet: Wird sich der Fußball durch die Corona-Pandemie nachhaltig verändern?

Eichner: 2009 hat sich Robert Enke das Leben genommen. Hat sich dadurch etwas wirklich verändert im Umgang im Fußball, im Miteinander? Ich glaube eher nicht. Vielleicht bringt es wirklich was, zum Beispiel, dass die Vereine noch nachhaltiger wirtschaften werden. Aber ob sich etwas auf Strecke ändert? Ich weiß es nicht. Man ahnt schon, dass das nicht nur in unserem Bereich nicht ganz einfach ist.

 

Ihre Mannschaft hat als eine der ersten im Profifußball beschlossen, freiwillig auf Gehalt zu verzichten.

Eichner: Das macht mich stolz. Das ist eine Mannschaft, die auch im normalen Leben abseits des Platzes weiß, was los ist.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik. 

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