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Oliver Baumann: "Wir müssen uns noch mehr wie Vollprofis verhalten"

Hoffenheims Torwart Oliver Baumann spricht über die Gründe, warum es zuletzt nicht mehr läuft bei der TSG. Europa League steht auf der Kippe.

Florian Huber
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Lesezeit 3 Min
"Wir müssen uns noch mehr wie Vollprofis verhalten"
Der Frust muss raus, mit den nur drei Punkten in den vergangenen sechs Hoffenheimer Spielen ist Torwart Oliver Baumann nicht zufrieden. Foto: Archiv/dpa  Foto: Uwe Anspach

Seit Anfang März wartet Oliver Baumann auf den 100. Pflichtspielsieg mit Hoffenheim. Klappt es für den Torwart am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen den Ex-Club SC Freiburg? Im Kampf um Europa hat sich die Ausgangslage massiv verschlechtert. "Da müssen wir uns an der eigenen Nase packen", sagt Baumann.

Herr Baumann, Sie haben mit der TSG Hoffenheim Champions und Europa League gespielt. Ist nun Rang sieben und die mögliche Conference-League-Qualifikation für die TSG das Ziel für das Saisonfinale?

Baumann: Im Moment geht es für mich vor allem darum, dass wir besser spielen, um unsere Ziele noch zu erreichen. Ich möchte aber gar nicht zu viel über Europa sprechen, weil unsere Punktausbeute aktuell nicht stimmt. Wir haben zuletzt sicher acht, neun Punkte liegen lassen, die in den letzten sechs Spielen möglich waren. Gegen Bochum hatten wir viele hochkarätige Chancen, für mindestens vier Tore. Bei Hertha BSC waren zu viele nicht auf ihrem Leistungsniveau, gegen Fürth hatten wir keine hundertprozentige Torchance, so kannst du am Ende nicht als Sieger vom Platz gehen.

Der Vorsprung auf die Nicht-Europa-Plätze betrug vor sechs Wochen noch sechs Punkte, jetzt hat die TSG drei Zähler Rückstand auf Rang sieben.

Baumann: Da müssen wir uns an der eigenen Nase packen. Wir hatten es zwischenzeitlich in der eigenen Hand, und vielleicht hat es uns auch zu viel beschäftigt.

 

Was ist in den vergangenen Wochen schiefgelaufen?

Baumann: Es stimmt im Team. Wir sind eine charakterlich gute Truppe. Es gibt keine Grüppchen-Bildung. Vielleicht müssen wir uns insgesamt noch mehr wie Vollprofis verhalten.

Was heißt denn Vollprofi-Verhalten?

Baumann: Es muss ja Gründe haben, warum wir so selten mit derselben Elf spielen. Wenn du viele Verletzte hast und dann noch über Wochen immer wieder Gelbsperren dazukommen, dann ist das zu viel. Gute Einzelspieler sind noch keine eingespielte Elf, das zieht sich bei uns durch die ganze Saison. Wir sind regelmäßig zur Rotation gezwungen, um Ausfälle zu kompensieren. Wir müssen noch mehr an jedem Stellschräubchen drehen, um das zu verbessern. Denn das macht dann am Ende den Unterschied zwischen Rang fünf und acht aus.

 

Haben die vielen Vertragsverlängerungen im TSG-Kader vielleicht eine Rolle gespielt, dass der eine oder andere unbewusst nachgelassen hat?

Baumann: Da muss ich vehement widersprechen. Ich kann es mir absolut nicht vorstellen, dass sich da auch nur einer von uns zurückgelehnt hat und ein paar Prozent weniger gibt.

 

Was hilft in so einer Situation wie der aktuellen? Ein Teamabend?

Baumann: Das gab und gibt es immer wieder, zuletzt in der Woche vor dem Frankfurt-Spiel. Da haben wir mittags gegrillt, sind länger sitzengeblieben, haben länger gequatscht.

 

Die Mannschaft spielt um Europa - und trotzdem ist das Stadion zuletzt nur halbleer gewesen.

Baumann: Das ist für mich unverständlich. Ich dachte, die Leute kommen wieder. Bei uns wird es dir doch als Fan nicht langweilig. Ich finde es extrem schade und kann nicht sagen, woran es liegt. Ich hoffe, dass es wieder mehr werden, denn es fehlt dann natürlich an Unterstützung von draußen. Vergangene Woche in Frankfurt vor voller Hütte war das so geil, auch wenn da alle gegen uns waren.

 

Was macht Hoffnung, dass es noch klappt mit Europa für Hoffenheim?

Baumann: Der Zusammenhalt, dass wir nicht auseinandergebrochen sind. Wir haben gute Jungs, das macht mir Hoffnung. Und meist war es so, dass wir uns gegen Topteams wie nun Freiburg und dann Leverkusen leichter getan haben.

 

Gegen Ihren Ex-Club SC Freiburg setzte es allerdings zuletzt im Januar ein 1:4 im DFB-Pokal-Achtelfinale.

Baumann: Über das Pokalspiel habe ich mich lange geärgert. Jetzt freue ich mich natürlich für meine ehemaligen Kollegen, aber auch besonders für alle drumherum: für die Physios, für den Zeugwart in seiner letzten Saison, dass sie das Finale in Berlin (gegen RB Leipzig, Anmerkung der Redaktion) erleben dürfen. Eine gewisse Verbundenheit ist ja noch da, weil der SC ein Teil meines Lebens ist.

 

Zurück zur TSG: Wäre Rang acht nach 34 Spieltagen denn eine unterm Strich verkorkste Saison?

Baumann: Wenn du nach drei Vierteln der Saison Dritter, Vierter bist, dann könnte man das vielleicht so sehen.

 

Zur Person

Oliver Baumann ist seit Sommer 2014 die unumstrittene Nummer eins im Tor der TSG Hoffenheim. Der 31-Jährige ist eine treue Seele. Die zwölf Jahre zuvor durchlief er erfolgreich die Freiburger Fußballschule, die ihn bis in die Bundesliga führte. Im September 2020 wurde Baumann vom damaligen Bundestrainer Joachim Löw erstmals für zwei Spiele in der Nations League in den Kader der DFB-Auswahl berufen, er blieb jedoch ohne Einsatz. fhu

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