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Das Spiel der TSG Hoffenheim gegen Freiburg ist das Abbild der Saison

Das Hoffenheimer 3:4 gegen die Südbadener ist zu wenig für die Top sieben. Vor allem eine Frage beschäftigt Alexander Rosen.

Florian Huber
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Lesezeit 3 Min
Das Spiel der TSG Hoffenheim gegen Freiburg ist das Abbild der Saison
Zum Haareraufen: Georginio Rutter brachte in der Schlussphase viel Schwung ins Hoffenheimer Angriffsspiel, das späte 4:4 blieb dem Angreifer verwehrt. Fotos: dpa  Foto: Uwe Anspach

Andrej Kramaric ist ein bemerkenswert ehrlicher Zeitgenosse, keiner für Durchhalteparolen: "Wir haben fast keine Chance mehr auf Europa", sprach Hoffenheims Stürmerstar nach der 3:4-Niederlage der TSG Hoffenheim gegen den SC Freiburg: "Ich bin sauer, es tut weh", sagte er nach dem siebten sieglosen Spiel in Serie.

Als emotionaler Gegenpol diente am Samstagabend Minuten später nur wenige Meter entfernt bei der Pressekonferenz Trainer Sebastian Hoeneß, der dem tabellarischen Realismus auf Rang acht verbal trotzte und versuchte, Zuversicht auszustrahlen: "Wir haben fünf Punkte Rückstand, und es sind noch sechs Zähler zu verteilen." Lediglich zwei eigene Siege und zwei Patzer der Konkurrenz aus Köln und von Union Berlin können mehr als nur Rang acht ermöglichen.

Im Hoffenheimer Bundesliga-Geschichtsbuch wird als Eintrag für die Spielzeit 2021/22, die 14. der Vereinsgeschichte, ein Foto vom 3:4 gegen Freiburg prangen. Denn: "Das war ein Abbild unserer Saison", bemerkte Andrej Kramaric.

Es mangelt nicht an Leidenschaft, Sturm und Drang

Das Spiel des Kraichgauclubs ist über weite Strecken der Saison schön anzuschauen, das wirkt erfolgversprechend wie am Samstagabend nach der zwischenzeitlichen 2:1-Führung der TSG. Es mangelt nicht an Leidenschaft, Sturm, Drang. Aber dann überwiegen Patzer, viel zu viele Gegentore, die bei allem Engagement eben nicht für einen Platz unter den Top sechs, Top sieben genügen. Dabei hätte man Minimum genau das doch verdient, sprach Kramaric und formulierte das TSG-Problem: "Wir können richtig geilen Fußball spielen, aber du musst das auch in den kleineren Spielen gegen Bochum und Fürth zeigen."

Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß versuchte im Duell der letzten Chance alles. Er überraschte Kollege Christian Streich mit einer Viererkette (was auch dem akuten Verteidigermangel geschuldet war). Er setzte Zeichen nach innen wie außen, in dem Andrej Kramaric statt Oliver Baumann die Kapitänsbinde trug. Die große, weiße Oberarmbinde erinnerte eher an die Manschette eines Blutdruckmessgeräts, aber sie erfüllte ihren Zweck.

Wie Hoeneß Torschütze Kramaric angestachelt hat

Sie wiederbelebte die Treffgenauigkeit des Kroaten, der in der Vorsaison noch 20 Mal ins Tor traf, nun erst zum fünften Mal jubelte. "Ich habe versucht, einen Impuls zu setzen. Ich habe ihn gesehen", sagte Hoeneß über Kramaric, der nach dem 0:1-Rückstand durch Roland Sallai seine lange Serie der Torlosigkeit mit dem 1:1 (32.) beendete und in der 49. Minute den 2:1-Führungstreffer von Angelo Stiller auflegte.

Es folgte der Knackpunkt im Hoffenheimer Spiel. Normalerweise müsse man daraus Energie ziehen, klagte Hoeneß. Stattdessen war die Aufmerksamkeit weg, der Ausgleich von Christian Günter (50.) nur Sekunden nach dem 2:1 wirkte wie ein Energieriegel für die Gäste und ihre rund 6000 Fans unter den 23 627 Zuschauern. Die Erfahrensten im TSG-Kader sahen in den entscheidenden Szenen schlecht aus: Sebastian Rudy sprang vor dem Freiburger 3:2 - wie so oft ein Standard-Gegentor - durch Lukas Höler (70.) nicht hoch, Kevin Vogt ließ sich beim vierten SC-Treffer von Woo-Yeong Jeong zum 4:2 (73.) all zu leicht ausspielen. Die Schlussoffensive des Spektakels brachte nur noch das 3:4 durch Rudy (84.) ein.

Hinten fehlen viele Leistungsträger, vorne passt es nicht

Es ist eben von allem ein bisschen zu wenig. Hinten fehlen zu viele Leistungsträger, vorne passt es nicht ganz. Bei Startelf-einsätzen wirkte Georginio Rutter zuletzt längst nicht wie der gefährlichste Hoffenheimer Angreifer im Kader, der er als Einwechselspieler ist. SC-Trainer Christian Streich war nach der Pressekonferenz in kleiner Runde sichtlich froh, dass der 20-Jährige nur in den finalen 25 Minuten auf dem Platz stand. In denen er für mehr Wirbel als Ihlas Bebou in 90 und Munas Dabbur in 65 Minuten zusammen sorgte. "Wenn du den Rutter siehst, das ist der Wahnsinn, den kannst du nicht verteidigen", sagte Streich. Beinahe wäre Rutter in der Nachspielzeit noch zum Hoffenheimer 4:4-Retter worden.

So geht der Blick schon voraus in die nächste Saison, hinaus über die zwei Partien am Samstag daheim gegen Bayer Leverkusen und die Woche darauf bei Borussia Mönchengladbach. "Wir müssen uns die Frage stellen: Warum brechen uns in den entscheidenden Momenten wichtige Spieler raus?", sagt Sportdirektor Alexander Rosen. Was davon ist Pech? Was durch eigenes Verhalten verschuldet? Fehlende Cleverness, unnötige Gelbsperren, zu viele Verletzungspausen.

Mahnender Oliver Baumann

Führungsspieler Oliver Baumann hatte im Interview mit dieser Zeitung zuletzt bereits mehr Professionalität angemahnt. Man werde die Diskussion intern führen, sagte Sebastian Hoeneß. "Es gilt für uns als Club das Thema anzugehen: Es ist ein guter Kader, aber er muss zur Verfügung stehen", sagt der 39-Jährige.

Das Spiel der TSG Hoffenheim gegen Freiburg ist das Abbild der Saison
Mit der Binde am Oberarm ist die Treffsicherheit zurück bei Andrej Kramaric.  Foto: Uwe Anspach
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Es gab viel zu fotografieren für TSG-Mäzen Dietmar Hopp.  Foto: Uwe Anspach
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