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Vorab-Verzicht: Keine Zuschauer beim TSB Horkheim

Der Vorstand des Handball-Drittligisten TSB Horkheim greift den Politik-Beschlüssen vor und organisiert für Samstagabend ein Geisterspiel.

Andreas Öhlschläger
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Vorab-Verzicht: Keine Zuschauer beim TSB Horkheim
Rico Reichert in Aktion. Auf der Tribüne der Stauwehrhalle gucken die Fans zu, mit Maske im Gesicht. So war es gegen Zweibrücken, so bleibt es nicht. Foto: Berger

Warten auf die Politik, auf eindeutige Vorgaben, auf einen klaren Rahmen? Das ist in vielen Fällen wieder zum Normalzustand geworden, seit sich die Corona-Krise extrem verschärft hat. Beileibe nicht nur bei den Sportvereinen ist es so, dass das Handeln von gesetzlichen Vorgaben und Verordnungen abhängt, aber auch sie brauchen Leitplanken zur Ausgestaltung des Spielbetriebs.

Die Verantwortlichen beim Heilbronner Handball-Drittligisten TSB Horkheim haben am frühen Donnerstagvormittag beschlossen, auf bindende Beschlüsse der Politik nicht länger zu warten, sondern gleich zu sagen: "Wir werden am Samstag auf jeden Fall ohne Zuschauer spielen." So hat es Michael Roll im Namen seiner Vorstandskollegen der Heilbronner Stimme berichtet.

 

Weit kleinere Dimensionen

Es geht für den TSB Horkheim ja nicht so sehr um die ganz großen Linien der Politik, die beispielsweise in zahlreichen Statements von deutschen Länderchefs zu möglichen Geisterspielen im Betrieb der Fußball-Bundesliga dokumentiert sind. Es geht für den Drittligisten, der zuletzt unter 2Gplus-Bedingungen 180 Besucher in der Horkheimer Stauwehrhalle begrüßen konnte, um weit kleinere Dimensionen.

Aber auch diese müssen eben rechtzeitig geplant werden. Also sagt TSB-Boss Michael Roll: "Die neue Corona-Verordnung für Baden-Württemberg ist ja erst für den Samstag angekündigt worden. Wir spielen am Samstagabend um 20 Uhr. Wir können nicht warten, bis wir vollständige Klarheit haben, wir müssen jetzt handeln. Es ist ja auch sehr schwammig, sich in das hineinzuversetzen, was in der Verordnung bei uns im Bundesland möglicherweise drinstehen wird.

Fehlbetrag im niedrigen bis vielleicht mittleren fünfstelligen Bereich droht

Da wird zum Beispiel ein mögliches Alkoholverbot kolportiert. Auf dieser Basis würden wir aber nicht genügend Umsatz machen, um die Kosten an diesem Abend zu decken. So ließe sich ein Betrieb mit Zuschauern einfach nicht refinanzieren. Am vergangenen Samstag hatten wir zusätzlich zu unseren Ordnern noch Security-Leute im Einsatz, die uns dabei geholfen haben, den Zugang unter den 2Gplus-Voraussetzungen für die Geimpften und Genesenen zu kontrollieren. Das kostet natürlich Geld."

Die Konsequenz für den TSB Horkheim: der komplette Verzicht auf Fans, von vornherein.

Sollte es nur noch Geisterspiele geben, bis die Saison in der 3. Handball-Liga irgendwann abgeschlossen sein wird, wäre das Loch in der Finanzplanung kein kleines. "Wir würden da schon von einem Fehlbetrag im niedrigen bis vielleicht sogar mittleren fünfstelligen Bereich reden", sagt Michael Roll.

Gute Erfahrungen mit der 2Gplus-Regelung gemacht

Der Horkheimer Vorstand geht davon aus, dass ohne Zuschauer der Spielbetrieb aufrecht erhalten werden kann, sofern die Politik nicht irgendwann ein klares Verbot verhängen sollte.

Mit der 2Gplus-Regelung, die nur vollständig geimpften und von Coronavirus-Infektionen genesenen Personen, die zudem tagesaktuell negativ getestet worden sind, den Zutritt gestattet, hat man beim TSB zuletzt gute Erfahrungen gemacht. "Vor dem letzten Heimspiel gegen Zweibrücken haben wir bei den Zugangskontrollen zwei Zuschauer herausgefiltert, die völlig symptomfrei waren, aber mit den Schnelltests positiv getestet wurden. Das 2Gplus-System funktioniert also."

Allerdings sagt Roll, der zudem Funktionär beim Handballverband Württemberg ist, auch: "Wir als Drittligist können noch Testmöglichkeiten organisieren und für unsere Fans anbieten, aber in den unteren Klassen ist das nicht machbar."

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