TSB Horkheim überzeugt: zweites Spiel, zweiter Sieg

Handball  31:25-Erfolg in der 3. Liga Süd gegen die TGS Pforzheim - Das Ergebnis täuscht allerdings: Erst ganz zum Schluss wird es eindeutig

Email

Der Kapitän im Anflug: Pierre Freudl hat im kampfbetonten Duell mit der TGS Pforzheim sechs Tore erzielt und mit einem entschlossenen Auftritt in der Abwehr geglänzt. Michal Wysokinski kann Freudl hier nicht stoppen.

Foto: Mario Berger

Ein Grinsen. Michael Schweikardt weiß, dass er für diese Floskel nicht den deutschen Rhetorik-Preis in Gold einheimsen wird, aber es ist halt die Wahrheit, die der Trainer des TSB Horkheim lächelnd ausspricht: "Es war das erwartet schwere Spiel."

Zwar hat sich der TSB im ersten Heimspiel der neuen Drittliga-Saison mit 31:25 (16:14) gegen die TGS Pforzheim durchgesetzt. Aber die sechs Tore Vorsprung täuschen. Bis fünf Minuten vor Schluss war es eine enge Partie. Dann packten die Horkheimer noch einen 4:0-Tore-Lauf obendrauf, weil die TGS kollabierte.

Als der Pforzheimer Trainer Tobias Müller darauf hinweist, dass die Niederlage "vielleicht ein paar Tore zu hoch ausgefallen ist", widerspricht Schweikardt nicht. Ein "sehr kampfbetontes, sehr knappes Spiel" sei es gewesen. Eines, "das auch sehr gut hätte kippen können".

TSB gibt das Spiel nach der Pause fast schon aus der Hand

Eigentlich war das Spiel schon gekippt. In der 44. Minute traf Nicolas Herrmann zur Pforzheimer 21:19-Führung. Der Rechtsaußen der TGS kam letztlich auf zehn Tore (vier Siebenmeter). Doch für seine Mannschaft blieb es ein Zwischenhoch. Innerhalb von zehn Minuten hatten die Pforzheimer einen 15:18-Rückstand zum 21:19 umgebogen.

Der TSB Horkheim tat sich in dieser Phase offensiv sehr schwer. Nur drei Tore in der knappen Viertelstunde nach der Pause "sind natürlich wenig", darüber braucht man mit Michael Schweikardt nicht zu diskutieren. Aber die "Ballunsicherheiten", die er als Ursache ausgemacht hat, waren am Samstagabend kein Dauerproblem. In der Schlussphase flutschte es wieder.

Wichtige Paraden von Torhüter Yannick Hölzl

Also hat der Trainer nicht allein wegen des Floskel-Alarms ein Grinsen im Gesicht. "Es sind viele Dinge aufgegangen, die ich geplant hatte." Und die allgemeinen Grundlagen des Spiels wurden erfüllt. "Die Defensivarbeit war wieder gut." Zumal Torwart Yannick Hölzl mehrfach entscheidend zur Stelle war, als es darum ging, der TGS Pforzheim keinen zusätzlichen Rückenwind zu verschaffen. Also gibt es ein Extralob vom Trainer. Einen "sehr wichtigen Siebenmeter" habe Hölzl gehalten; das war in der 41. Minute. Schweikardts Fazit: "Man braucht ein paar starke Torhüteraktionen."

Kapitän Pierre Freudl marschiert voran

Zweites Spiel, zweiter Sieg - der Horkheimer Saisonstart in der 3. Liga Süd ist geglückt. Beim Auftakt-29:20 in Blaustein hatte der TSB seine Favoritenrolle bestätigt. Nun wurde ein erster Härtetest erfolgreich gemeistert - auch weil Team-Oldie Pierre Freudl eine "Top-Leistung" zeigte, "in der Abwehr wie im Angriff". Michael Schweikardt formuliert beim Analysegespräch "ein großes Kompliment an unseren Kapitän". Freudl sei "immer wieder vorangegangen".

Mit sechs Feldtoren war er schließlich Horkheims zweitbester Werfer hinter Kreisläufer Rico Reichert, der mit der ihm eigenen Effizienz acht Treffer erzielte.

Den Pforzheimer Rückraumschützen Florian Taafel konnte der TSB in seiner Wirkung limitieren. "Gegen ihn haben wir über weite Strecken sehr gut verteidigt", freut sich der Trainer. Viermal traf Taafel aus dem Spiel heraus, hinzu kamen zwei verwandelte Siebenmeter. Dass die TGS am Ende einbrach, lag auch an der Roten Karte für Mittelmann Nicolai Gerstner in der 56. Minute. Er hatte Michael Seiz im Eifer des Kampfes allzu heftig attackiert.

Derby in Kornwestheim am Freitag

Am kommenden Freitagabend kommt es nun zu einem Spitzenspiel der Nachbarn, wenn der SV Kornwestheim den TSB Horkheim empfängt. Beide Mannschaften haben 4:0 Punkte auf dem Konto. Michael Schweikardt blickt "sehr positiv" auf die nahe Zukunft, trotz des Ausfalls von Stammtorwart Sven Grathwohl (Adduktorenverletzung). "Ich hoffe, dass wir auch in Kornwestheim etwas Zählbares mitnehmen."

Der Pforzheimer Trainer Tobias Müller hat den SVK im ersten Saisonspiel beim Heim-24:27 seiner TGS erlebt, er sagt: "Das ist für Horkheim definitiv ein Gegner, der schlagbar ist." Schweikardt erwartet ein schweres Spiel.

TSB Horkheim: Hölzl, Schultz - Reichert (8), Grosser, Fröhlich, Zeiler (1), Kuhnle, Heß (4), Seiz (4/3), Freudl (6), Matusik (1), Bohnenstengel, Starz (2), Zerweck (5). Bester Werfer TGS: Herrmann (10/4). Siebenmeter: 3/3 TSB - 7/6 TGS. Zeitstrafen: 7 - 6. Disqualifikation: Gerstner (TGS, 56.). Zuschauer: 200

Zuschauer in der Stauwehrhalle machen alles richtig

Man konnte die Zufriedenheit von Michael Roll nicht ganz genau erkennen. Die Maske vor dem Gesicht störte. Doch sie ist in diesen vermaledeiten Coronavirus-Zeiten ein unverzichtbares Accessoire, zumal für einen Funktionär, der will, dass möglichst viele Zuschauer in der Halle sein dürfen. Das erste Liga-Heimspiel des TSB Horkheim seit sieben Monaten war auch ein wichtiger Test für das Hygienekonzept des Handball-Drittligisten. 221 Zuschauer in der Stauwehrhalle waren zugelassen, fast alle Plätze belegt. Der frühere TSB-Vorsitzende Herwig Jarosch hatte die Fans vor der Partie via Mikrofon ermahnt: "Das Hygienekonzept funktioniert nur mit eurer Mithilfe." Die Zuschauer verhielten sich vorbildlich. Jaroschs Nachfolger Roll war darüber froh. "Sehr, sehr diszipliniert" seien die Leute gewesen. So könne es weitergehen - sollte es nicht andere Vorgaben der Behörden geben, weil die Corona-Zahlen zu hoch seien. "Es ist eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt Heilbronn", sagte Roll. 

Gezappt

Sportdeutschland.tv-Heimpremiere für den TSB Horkheim am Samstagabend: Zum ersten Mal übertrug der Verein eine Drittliga-Partie eins zu eins ins Internet. Das Fazit: mangelhaft. Oder positiv ausgedrückt: Es gibt noch viel Luft nach oben. Im Gegensatz beispielsweise zu den Übertragungen der Neckarsulmer Bundesligafrauen sind die Drittliga-Partien kostenpflichtig. 4,50 Euro kostet ein Spiel. Dafür sollte die Qualität zumindest halbwegs stimmen. Tat sie am Samstagabend leider nicht. Die Bildübertragung war in Ordnung, doch rund 45 Minuten lang war der Kommentar nicht zu verstehen. Erst danach wurden die Mikrofone von Michael Grond und Simon Schütz rauf-, und die Außengeräusche runtergefahren.

Jetzt war das Duo zwar zu hören, der Vergnügungfaktor stieg dadurch aber keineswegs. Denn es wurde gnadenlos parteiisch kommentiert, teilweise sogar in "Wir"-Form vom TSB gesprochen. Jedes Tor, jede Torhüterparade der Horkheimer wurde ebenso bejubelt wie jeder Fehlwurf der TGS. Zudem haderte Grond beständig mit dem Schiedsrichterduo, das aus seiner Sicht einseitig gegen den TSB entschied. Ein besonderer Dorn im Auge war ihm Pforzheims Roy James, der ihm eher wie ein Ringer als wie ein Handballer vorkam und der sich viel zu viel erlauben durfte. Alles Kritikpunkte, die von keinem Trainer hinterher geäußert wurden. Es wäre ratsam, dass sich die TSB-Verantwortlichen mal vergegenwärtigen, dass die Spiele in erster Linie für die Gästefans gezeigt werden. Da wär ein neutralerer und fachkundigerer Kommentar sicher angebracht.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Kommentar hinzufügen