TSB bangt um Zerwecks Knie

Handball  Der TSB Horkheim unterliegt Krefeld mit 27:31, verliert sein Rückraum-Ass und verabschiedet drei Säulen. Mit 2:10 Punkten sind die Horkheimer Gruppenletzter geworden.

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Dreifacher Abschied vom TSB Horkheim: Rechtsaußen Michael Seiz, Rückraum-Routinier und Kapitän Pierre Freudl und Spielmacher Felix Zeiler (von links).

Foto: Veigel

Am schlimmsten war nicht der Abschiedsschmerz, weil drei Säulen der Horkheimer Mannschaft ihr letztes Spiel im TSB-Trikot bestritten hatten. Auch der Schmerz der Niederlage gegen die HSG Krefeld, der fünften Pleite im sechsten und letzten Spiel der Aufstiegsrunde zur 2. Handball-Bundesliga, war nicht so schlimm. Der TSB Horkheim ist verdient Letzter geworden in der Süd-Gruppe, das war insgesamt nicht gut und auch am Sonntagnachmittag nicht beim 27:31 (12:17) in der Heilbronner Römerhalle. Am schlimmsten war aber der Schmerz bei Janik Zerweck, der sich in der 35. Minute am Knie verletzt hatte.

Bei Zerweck springt die Kniescheibe heraus

TSB-Manager Michael Löbich wollte die bitterste aller möglichen Diagnosen, die es bei Knieverletzungen gibt, nicht aussprechen. "Die Sache mit den Bändern", sagte er. Bloß nichts verschreien! Bloß kein Kreuzbandriss! Es darf gehofft werden. Als die Partie gegen Krefeld vorbei war, humpelte Zerweck mit steifem, weil ums Knie herum dick bandagierten rechten Bein zu den Teamkollegen, um sie abzuklatschen. Wenig später berichtete TSB-Trainer Michael Schweikardt: "Die Kniescheibe war kurz draußen." Physiotherapeut Hardy Denninger konnte sie wieder "an den rechten Fleck" bringen, wie Schweikardt es ausdrückte. Aber noch ist völlig unklar, "was strukturell kaputt ist".

Der Horkheimer Trainer hatte einmal mehr nicht die erhoffte Freude an seiner Mannschaft gehabt. "Aber das, was mich am meisten beschäftigt, ist nicht die Niederlage." Janik Zerweck ist im rechten Rückraum ein Tore-Garant. Als er in der 35. Minute gestützt auf die Teamkollegen Sven Grathwohl und Pierre Freudl vom Feld humpelte, hatte Zerweck gerade das 15:20 erzielt, sein fünftes Tor gegen Krefeld, ein Drittel der Horkheimer Treffer bis zu diesem Zeitpunkt.

Die Verletzung als Wachrüttler

Erstaunlich, dass trotz des Verlusts des Rückraumschützen nun die beste Phase des TSB begann. "Die Verletzung war ein bisschen ein Wachrüttler", sagte Michael Schweikardt. Erst danach habe er den Willen, die hundertprozentige Leistungsbereitschaft in seiner Mannschaft "richtig gespürt".

Beim 19:21 (42. Minute), das Hendrik Bohnenstengel erzielte, war der TSB an der HSG Krefeld dran. Mehr ging nicht. "Die waren müde und angeschlagen, doch wir haben es versäumt, vollends Kapital draus zu schlagen", haderte Manager Löbich damit, "dass wir den Ball an den Pfosten geknallt haben oder dem Torwart hingeworfen oder ihn verloren haben - und im Gegenzug kriegen wir wieder ein Tor".

TSB verdient am Tabellenende

Mit 2:10 Punkten sind die Horkheimer Gruppenletzter geworden. "Völlig verdient", wie der Trainer zugab. "Wir haben es nicht geschafft, an unser Leistungsniveau heranzukommen." Vor Beginn der Aufstiegsrunde zur 2. Liga wähnte sich der TSB auf Augenhöhe mit dem Lokalrivalen HC Oppenweiler/Backnang. Der ist mit 9:3 Punkten Gruppensieger geworden, darf in den Playoffs auf weitere Coups hoffen.

Für die Horkheimer ist diese Corona-Saison hingegen vorbei. Und für das Spielertrio Pierre Freudl, Michael Seiz und Felix Zeiler auch die Zeit beim TSB. Sie alle wurden verabschiedet. Beim Rechtsaußen Seiz (Rückkehr zum Heimatverein TV Bittenfeld II) und Mannschaftskapitän Freudl (Ende der Karriere) waren es vier Horkheimer Jahre, bei Zeiler zwei. Der ambitionierte Spielmacher geht zum VfL Pfullingen, der noch die Chance hat, in die 2. Liga aufzusteigen.

Wehmut und Abschiedsgeschenke

Michael Löbich sagte allen Dank, überreichte Abschiedsgeschenke. "Wehmut ist dabei", sagte der 37-jährige Pierre Freudl. Seine kleine Tochter Lara hielt er dabei auf dem Arm. Sie hatte zugeschaut beim letzten Spiel des Papas. Mit grünen Ohrschützern auf dem Kopf war Lara vor Schmerzen geschützt. Denn neben ihr wurde mächtig getrommelt.

Erneut ein Horkheimer Fehlstart

Es war oft so in dieser aus Horkheimer Sicht missratenen Aufstiegsrunde zur 2. Liga, auch diesmal: "dass wir einfach nicht gut ins Spiel reinkommen, dass es an Spannung fehlt", wie TSB-Trainer Michael Schweikardt monierte. Solche Fehlstarts gab es in Oppenweiler, gegen Hanau, in Dansenberg und nun auch gegen die HSG Krefeld. 1:3, 3:6 - Horkheim lief hinterher. Die Gäste, die bei einer Niederlage das fest eingeplante Weiterkommen verspielt hätten und viel Druck meistern mussten, wirkten deutlich stabiler, mental und körperlich. 

Noch ist nicht alles vorbei. Am Dienstag gibt es beim TSB Horkheim ein Abschlusstraining, dann folgt die Frühsommerpause. "Wir werden Anfang Juli wieder angreifen, uns vorbereiten auf die neue Runde", sagte Trainer Michael Schweikardt am Sonntagnachmittag nach dem 27:31 gegen Krefeld.

Zeiler bester Horkheimer in der Aufstiegsrunde

Es wird ein Neustart ohne Pierre Freudl, Michael Seiz und Felix Zeiler. Spielmacher Zeiler war der beste Horkheimer in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga, doch in Spiel sechs kam er nur auf ein Tor, vergab etliche gute Möglichkeiten. 37 Treffer waren ihm in den fünf Partien zuvor gelungen. Sein Nachfolger Louis Mönch saß am Sonntag auf der Ersatzbank des TSB, allerdings noch ohne Spielberechtigung. Aber er gehört bereits voll zum Team.

Rechtsaußen Seiz (sieben Tore diesmal, alle fünf Siebenmeter verwandelt) wird intern ersetzt. "Wir planen da mit Daniel Grosser und Florian Uhl", sagte Manager Michael Löbich. In Corona-Zeiten muss vorsichtig gewirtschaftet werden. "Wir haben uns entschieden, auf einer anderen Position jemand zu holen." Der Ersatzmann für den Rückraum-Routinier Pierre Freudl könnte in einer Woche feststehen.

TSB Horkheim: Grathwohl, Schultz - Reichert (4), Grosser (1), Fröhlich (4), Zeiler (1), Kuhnle, Heß (1), Seiz (7/5), Freudl, Niklas Matusik (2), Bohnenstengel (2), Uhl, Starz, Zerweck (5), Noah Matusik. Beste Werfer HSG Krefeld: Schulz (8/6), Schneider (6). Siebenmeter: 5/5 - 6/6. Zeitstrafen: 6 - 6. Disqualifikation: Mircic (Krefeld, 54., 3. Zeitstrafe).


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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