Horkheimer Fehlstart in Aufstiegsrunde

Handball  Der TSB spielt beim HC Oppenweiler/Backnang eine ganz schwache erste Halbzeit und verliert zum Auftakt der Aufstiegsrunde zur 2. Liga mit 30:33. Nächste Woche sind die Horkheimer spielfrei.

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Die Enttäuschung ist groß. TSB-Spielmacher Felix Zeiler steht geknickt inmitten der Gemeindehalle von Oppenweiler. Zeiler wird vom Teamkollegen Noah Matusik aufgemuntert, dem Horkheimer Talent aus der A-Jugend.

Foto: Andreas Öhlschläger

Der Klassiker von Queen, natürlich. "We are the champions." So dröhnt es durch die kleine Gemeindehalle in Oppenweiler. Das schmerzt die Horkheimer Spieler, nicht so sehr wegen der Lautstärke, es ist der Schmerz, der Verlierer plagt. "No time for losers", heißt es im Queen-Song. Ganz frei übersetzt: Wer nicht gewinnt, ist halt der Depp.

Der TSB Horkheim hat den Start in die Aufstiegsrunde zur 2. Handball-Bundesliga verpatzt. Im traditionsreichen Nachbarschaftskampf beim Drittliga-Rivalen HC Oppenweiler/Backnang musste Michael Schweikardts Mannschaft eine 30:33-Niederlage einstecken. Das klingt nicht nach einer übermäßig klaren Sache, doch der TSB ist dem Gegner von Beginn an hinterhergelaufen. Der 0:4-Tore-Auftakt war vorentscheidend. Beim 10:18-Rückstand zur Halbzeit war eigentlich schon alles vorbei.

Schlusslicht in der Siebener-Gruppe im Süden

Trainer Schweikardt steht kurz nach Spielende mit dem Rücken zur Hallenwand und bemüht sich um die richtigen Worte. Das hatte man sich beim TSB Horkheim anders erhofft. Ein Duell auf Augenhöhe, möglichst mit Happy End. "Aber wenn wir auf diesem Leistungsniveau, in einer solchen Aufstiegsrunde, so eine erste Halbzeit spielen, dann nutzt auch eine couragierte Leistung in der zweiten Halbzeit nichts."

Der TSB ist nach dem Start-Spieltag der Aufstiegsrunde zur 2. Liga Letzter in der Siebener-Gruppe des Südens. Die anderen Partien endeten knapp. Der TuS Dansenberg setzte sich mit 29:27 gegen den TV Willstätt durch. Die HSG Krefeld besiegte die HSG Hanau trotz eines Sechs-Tore-Rückstands in der 43. Minute noch mit 27:26.

Spieler müssen selbst erkennen, was schiefgelaufen ist

Für die Horkheimer geht es erst am 24. April mit dem Heimspiel gegen die HSG Hanau weiter. Am kommenden Wochenende ist der TSB spielfrei. Michael Schweikardt will die Zeit nutzen, um "es klar mit der Mannschaft zu analysieren", was in Oppenweiler schief gelaufen ist. Es gehe darum, "dass sie es selbst sehen". Der Trainer setzt ansonsten auf gewohnte Abläufe. "Da wird jetzt nichts weltbewegend Anderes kommen, ich werde Routine machen."

Man sieht es Schweikardt an, wie er da in der Gemeindehalle steht und mit leeren Augen nach vorne blickt: Es ist eine Niederlage, an der die Horkheimer Handballer ordentlich zu knabbern haben. Während die Spieler des HCOB jubelnd im Kreis hüpfen, steht TSB-Spielmacher Felix Zeiler geknickt inmitten der Halle. Der Frust ist groß. Der enttäuschte Zeiler wird vom Teamkollegen Noah Matusik aufgerichtet, dem Youngster aus der A-Jugend. Weiter geht"s! Wenigstens mal zu Fuß in die Kabine.

Und später dann: Auf zu neuen Taten! Allerdings mit einer anderen mentalen Bereitschaft. "Mit so einem ängstlichen Auftritt werden wir es in keinem Spiel meistern können", sagt der Trainer. "Das war von der Einstellung her zu wenig."

TSB beweist in der zweiten Halbzeit Charakter

Immerhin, seine Mannschaft hat sich nach der deprimierend verlaufenden ersten Halbzeit nicht hängen lassen und nach der Pause Charakter gezeigt. Richtig eng wurde es nicht mehr. Aber ein 30:33 ist keine Klatsche. Michael Schweikardt bewertet das Aufbäumen positiv. Sein Trainerkollege Matthias Heineke sagt: "In der zweiten Halbzeit hat uns Horkheim mit dem siebten Feldspieler vor Aufgaben gestellt. Wir hatten zwei, drei kritische Phasen zu überstehen. Wir haben es dann aber in der Abwehr wieder gestellt bekommen."

Zu spät kam die Horkheimer Steigerung. Die schwache erste Halbzeit wird Trainer Schweikardt noch ein Weilchen im Kopf herumspuken. Warum fehlte der Biss? Das ist noch genau zu erforschen. Viel zu viel klappte nicht. "In der Abwehr haben wir keinen Zugriff bekommen", rätselt der Trainer, während "We are the champions" aus den Lautsprechern lärmt. "18 Gegentore in der ersten Halbzeit, das ist absolut untypisch für uns."

Zu viel Aktionismus in Reihen der Gäste

Auch im TSB-Angriff lief es nicht gut. In der ersten Viertelstunde gab es nur vier Tore. "Das ist deutlich zu wenig, ganz klar." Schweikardt kritisiert den "Aktionismus am Anfang", den seine Spieler in Oppenweiler gezeigt haben. "Jeder wollte irgendwas machen."

Richtig gut flutschte es im Team des HCOB. Und Torwart Jürgen Müller bewies seine Klasse. "Ich weiß nicht, ob es da auf unserer Seite Respekt gab vor dem ehemaligen Zweitliga-Torwart", spekuliert Michael Schweikardt. Müller, der frühere Bietigheimer, gibt alle Komplimente weiter. "In der ersten Halbzeit haben wir eine unglaublich intensive Abwehr gespielt. Das hat es mir auch einfach gemacht, die Bälle zu holen. Wir haben von Anfang an den Kampf angenommen."

Der TSB Horkheim nicht.


TSB Horkheim: Grathwohl, Hölzl - Reichert (1), Grosser (1), Fröhlich (1), Zeiler (4), Kuhnle, Hess (4), Seiz (4), Freudl (1), Niklas Matusik (4), Uhl, Starz (3), Zerweck (7/5), Noah Matusik. Beste Werfer HCOB: Buck (8/4), Sigle (5/1). Schiedsrichterinnen: Daniela Kuschel und Sandra Senk. Siebenmeter: HCOB 7/5 - TSB 6/5. Zwei-Minuten-Zeitstrafen: HCOB 2 - TSB 3.

Trainer-Lob für Niklas Matusik

Es war am Samstagabend in Oppenweiler nicht alles schlecht beim TSB Horkheim. Ein Extra-Lob gab es von Trainer Michael Schweikardt für Niklas Matusik. "Er hat das in meinen Augen richtig gut gemacht. Das ist ein Verdienst seines Trainingsfleißes." Vier Treffer erzielte der Horkheimer Kreisläufer beim 30:33 in Oppenweiler.

Der mit einer Knie-Blessur ins Spiel gegangene Rico Reichert kam am Kreis lediglich auf einen Treffer. "Es war vertretbar, ihn spielen zu lassen", sagt Schweikardt. Sein gewohntes Leistungsniveau erreichte Rico Reichert aber nicht.

Beim HC Oppenweiler/Backnang mussten zwei frühere Leistungsträger des TSB Horkheim zuschauen. Spielmacher Tobias Gehrke hat noch mit den Nachwirkungen seines Kreuzbandrisses zu tun, der stets für sehr viele Tore gute Linksaußen Marcel Lenz hatte sich im letzten Testspiel des HCOB gegen die SG Pforzheim/Eutingen verletzt. Beim TSB fehlte der muskulär angeschlagene Hendrik Bohnenstengel. 


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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