Volker Blumenschein: "Der TSB muss und will auf junge Spieler bauen"

Interview  Der scheidende TSB-Trainer Volker Blumenschein im Gespräch über das letzte Spiel beim Handball-Drittligisten, den Aufstiegs-Traum und Etat-Zwänge.

Von Andreas Öhlschläger

Volker Blumenschein im Interview: "Der TSB muss und will auf junge Spieler bauen"

Nach nur einem Jahr beendet Volker Blumenschein sein zweites Engagement beim TSB Horkheim wieder.

Foto: Archiv/Veigel

Volker Blumenscheins zweite Amtszeit beim TSB Horkheim wird viel kürzer sein als die erste. Schon nach einer Saison hört der zurückgekehrte Trainer beim Drittligisten wieder auf. Blumenschein braucht mehr Zeit für seinen Beruf. Vor dem letzten Saisonspiel zieht er ein sportliches Fazit und spricht über die Chance auf Heilbronner Zweitliga-Handball. Er schaut optimistisch in die Zukunft.

 

Herr Blumenschein, ein Spiel steht noch an, dazu ein richtig schweres am Samstagabend beim Drittliga-Dritten HBW Balingen-Weilstetten II. Aber Sie können sicher schon jetzt einen Strich unter Ihr Engagement beim TSB Horkheim machen. Mit welchem Fazit werden Sie aufhören?

Volker Blumenschein: Es war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es war die Wiederkehr an einen Ort, an den ich sehr positive Erinnerungen hatte, sowohl wegen der handelnden Personen als auch wegen des sportlichen Erfolgs. Ich hatte natürlich gehofft, dass es wieder eine ähnlich erfolgreiche Zeit wird, insofern ist alles im grünen Bereich. Wir sind in der Spitzengruppe dabei und haben bei einer ganz günstigen Konstellation noch die Chance, am letzten Spieltag ein paar Plätze nach vorne zu rücken.

 

Es wird dann nicht mehr Ihre Baustelle als Trainer sein, aber schauen wir mal nach vorne, auf die nächste Saison. Der TSB verliert in Boschen und Kazmeier zwei ganz wichtige Spieler. Wie wird es weitergehen?

Blumenschein: Der TSB Horkheim gehört nun mal vom Etat her nicht zum Vorderfeld der 3. Liga Süd. Ich hab mich dieses Jahr ganz bewusst bei anderen Trainern und Vereinsverantwortlichen schlau gemacht: Da gibt es Mannschaften, die stehen hinten drin, deutlich hinter uns, aber die haben einen fast doppelt so hohen Etat wie wir. In vielen Jahren ist es hier trotzdem immer sehr gut gelungen, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten die bestmöglichen Mannschaften zusammenzubekommen. Ich bin mir deshalb sicher, dass man die Abgänge kompensieren wird. Andere Spieler werden in die Bresche springen. Vor einem Jahr hat man auch gesagt: Mensch, da geht der Schmid, der Welz, der Möck. Und Marcel Lenz, der beste Linksaußen. Lauter Drittliga-Topspieler, alle weg. Und was passiert? Wir haben in dieser Saison mehr Tore erzielt als in der vorigen. Deshalb schaue ich optimistisch in die Zukunft des TSB. Okay, vielleicht wird man in der kommenden Saison auch mal Achter, Neunter oder Zehnter, aber so lange das einigermaßen souverän ist, sollte das mit den vielen jungen Spielern auch in Ordnung sein.

 

Es kommen beim TSB zwei junge Talente dazu, die in der A-Junioren-Bundesliga ihr Können gezeigt haben, und zwei Mann aus der Oberliga. Ist das nicht ein bisschen riskant geplant?

Blumenschein: Nein, die Strategie ist in der jetzigen Situation richtig. Der TSB muss und will auf junge Spieler bauen. Bevor ich nach Horkheim zurückgekommen bin, hat man beim TSB viel investiert, um Meister werden zu können und den Aufstieg zu schaffen. Das hat leider nicht geklappt. Wir mussten den Etat vor dieser Saison reduzieren, um eine Runde zu spielen, bei der am Schluss eine schwarze Zahl steht. Es ist auch völlig richtig, wenn der Verein sorgfältig mit seinen Ressourcen umgeht. Dennoch, einen Spieler wie den "Rudi" Schmid hätten wir sehr gerne behalten, wenn es möglich gewesen wäre. Ich hoffe, dass das in Zukunft wieder möglich sein wird.

 

Der Traum heißt allerdings 2. Liga. Das wurde auch offensiv so kommuniziert, als Sie zum TSB Horkheim zurückkehrten. Ist das wirklich realisierbar?

Blumenschein: Mehr als der TSB seit zehn Jahren dafür tut, um zu zeigen, dass man sportlich die Kompetenz für Höheres hat, kann man kaum tun. Es gab so viele Vizemeisterschaften. Aber natürlich, gerade wenn man auf den Etat schaut, ist die 2. Liga nochmal was anderes. Wenn man allerdings auf die Wirtschaftskraft der Region schaut, sollte ein Aufstieg finanzierbar sein. Ich habe erst kürzlich gelesen, dass man einige der reichsten Menschen Deutschlands hier in der Gegend findet. Heilbronn ist wirtschaftlich ganz weit vorne. Insofern kann aus dem Traum 2. Liga schon Realität werden. Wir haben in diesem Jahr versucht, uns im Hintergrund viel professioneller aufzustellen und Strukturen zu schaffen, um die 2. Liga wirklich angehen zu können.

 

Sie sagen voller Überzeugung Wir, wenn es um die Zukunft des TSB geht. Wieviel Volker Blumenschein wird noch im Horkheimer Handball stecken, wenn Sie als Trainer nicht mehr da sein werden?

Blumenschein: Ich habe einen sehr engen Kontakt mit Manager Michael Löbich, das wird sich nicht komplett ändern. Ich war ja auch sehr intensiv in die Trainersuche eingebunden. Ich war bei allen Gesprächen mit meinem Nachfolger Michael Schweikardt dabei. Mein Herz hängt am TSB. Aber klar, ich will und werde Abstand nehmen. Ich brauche einfach mehr Zeit für den Beruf. Aber wenn man mich um Rat fragt, werde ich der Letzte sein, der da nicht zur Verfügung steht.

 

Was enttäuschend war, waren die Zuschauerzahlen. Der TSB Horkheim liegt im Ligavergleich weit hinten, obwohl die Mannschaft sehr heimstark war und mit viel Offensivpower überzeugte. Warum ist das so?

Blumenschein: Die Tendenz war ja schon vor Jahren stark rückläufig. Man hat aber bei unserem Traumstart mit 14:0 Punkten gesehen, dass wieder mehr Zuschauer gekommen sind. Ein Problem ist, dass die Mannschaft in den letzten zehn Jahren sechs oder sieben Mal Zweiter geworden ist, daran sieht man sich als Publikum auch irgendwann satt. Da muss mal was Neues kommen. Das ist ja auch der Plan. Diese Region taugt für Zweitliga-Handball. Da würden deutlich mehr Zuschauer kommen, davon bin ich fest überzeugt.

 

Ginge das in der Stauwehrhalle? Oder braucht Heilbronn dann doch eine größere Ballsporthalle?

Blumenschein: Ich glaube, dass man aus der Stauwehrhalle ein attraktives Refugium machen könnte. Es gibt ja Umbaupläne für mehr Zuschauer, mehr Attraktivität. Ich finde, dass es eine ganz sympathische Halle ist. Man müsste halt eine richtige Tribüne bauen mit 700, 800 Sitzplätzen, das würde gehen. Man müsste noch Stehplätze hinzufügen. In der 2. Liga bist du mit einer Kapazität von 1000, 1200 Zuschauern schon ganz gut aufgestellt. Aber zusätzlich so ein richtiger Tempel in Heilbronn wäre natürlich nochmal eine ganz andere Sache. Der könnte ja nicht nur für den Handball genutzt werden.

 

Noch ist die Wirklichkeit eine andere. 3. Liga, aber im Spitzenbereich. Wie geht der TSB das Spiel beim Dritten in Balingen an? Ganz entspannt, oder?

Blumenschein: Na ja, es ist nicht so, dass wir zuletzt trainiert haben wie die Wahnsinnigen. Die Jungs haben eine ganz tolle Runde gespielt, daran ändert sich nichts mehr. Wir haben jetzt auch mal eine ganze Woche lang gar nichts gemacht, weil wir mit dem vorgezogenen Spiel gegen Fürstenfeldbruck auch früher in die Runde 2019 gestartet sind als die anderen Vereine. Ich muss ehrlich sagen, es ist nicht so, dass wir da jetzt topvorbereitet hinfahren. Aber wir werden mit sehr viel Freude nach Balingen fahren und mit Sicherheit nochmal alles raushauen. Ganz entspannt und ohne Druck.

 

Zur Person

Der 51-jährige Volker Blumenschein arbeitet bei der Firma Siegle + Epple in Stuttgart. Als Aktiver spielte er beim SV Böblingen (4. Liga). Trainer war er in Bietigheim-Bissingen, Böblingen-Sindelfingen und Oppenweiler. Von 2006 bis 2013 trainierte er schon einmal den TSB Horkheim. Der Ditzinger ist verheiratet mit Petra, sie haben die Töchter Lisa und Mara. 

 


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