Ohne drei geht Richen die Kraft aus

Handball  Die Handballer des TB Richen kassieren im Duell gegen den TSB Horkheim II gleich drei Rote Karten und verlieren beim 20:23 auch ihr zehntes Spiel. Aber einer gibt die Hoffnung trotz jetzt 0:20 Punktren nicht auf.

Email
Ohne drei geht Richen die Kraft aus

Kein Durchkommen: Jochen Schwenda (Mitte) ging gegen Horkheim leer aus. Insgesamt ließ der TB Richen beim 20:23 gegen den TSB Horkheim zu viele Chancen ungenutzt.

Foto: Alexander Bertok

Der Kreis seiner Spieler war deutlich kleiner geworden, als Gunther Ohr sein Team am Samstagabend nach getaner Arbeit zu sich rief. Der Aderlass des TB Richen war im Bezirksliga-Duell mit dem TSB Horkheim II groß gewesen, die Kraichgauer hatten in einem intensiven Spiel gleich drei Akteure durch Rote Karten verloren. Doch obwohl das Schlimmste zu befürchten war: Das Schlusslicht gab sich nicht auf, lieferte dem Gegner bis zum Ende einen knallharten Kampf, wenngleich ohne Glanz und Gloria. Und erneut ohne Punkte. Am Ende verloren die Richener Männer beim 20:23 (9:13) auch ihr zehntes von zehn Spielen in dieser Saison.

Doch trotz schon rekordverdächtiger 0:20 Punkte - und sieben Punkten Rückstand auf den Tabellenvorletzten: Die Kraichgauer wirkten alles andere als hoffnungslos. Im Spiel selber. Wie auch danach. Ob der TB Richen überhaupt in die Bezirksliga gehört, das mochte Interimstrainer Gunther nicht bewerte. "Meine Aufgabe ist es, die Truppe so fit zu kriegen, dass sie da reingehören." Nein, aufgeben gibt es nicht beim 56-Jährigen, der in der regionalen Handballszene viel rumgekommen ist.

Der Klassenerhalt bleibt das Ziel

In Bönnigheim hatte Ohr vor gut zehn Jahren schon einmal eine vergleichbare Situation erlebt. Mit Bönnigheim stand er in der Bezirksliga zur Winterpause damals auch ohne Punkte da. Wie es ausgegangen ist? "Natürlich haben wir es noch geschafft", sagt Ohr. "Nach einer denkwürdigen Weihnachtsfeier haben wir in der Rückrunde nur ein Spiel noch verloren." Ohr weiß, dass der Klassenerhalt mit Richen einem Wunder gleichen würde. Aber: "Der Klassenerhalt bleibt das Ziel."

Ganz klar. Zumal der Übergangstrainer, wie Ohr sich selber bezeichnet, die Probleme nicht nur erkannt, sondern auch einen Plan hat, wie er sie abstellen kann. Gegen Horkheim war das in der veränderten Defensive zu sehen, Ohr verpasste dem TBR ein offensives 5-1. Eine nicht schwere, weil Kraft kostende Abwehrvariante, die dem Gegner aber vor Probleme stellte. "Mit der Abwehr war ich heute zufrieden", sagte Ohr. Nur vorne lief es nicht rund. Und der TB hat ein Disziplinproblem.

Rot für Gottstein tut Richen weh

"Drei Mal Rot, davon zwei wegen Motzens, das kann nicht sein", meinte Ohr. Das müsse intern besprochen werden. Schon die erste Hinausstellung in der 21. Minute für Markus Gottstein, der einen Konter hart unterbunden hatte, war hart für den TB Richen. "Das hat uns weh getan", gestand Ohr, dessen Team die Tore seines Rückraumspielers dringend braucht. Zu dem Zeitpunkt lagen die Kraichgauer schon mit vier Toren hinten. Immerhin: Es wurden bis zur Pause nicht mehr (9:13).

Als sich Stefan Preetz nach knapp 38 Minuten aber vom Feld meckerte und der TB Richen schon ohne zwei auskommen musste, bei einer 10:16-Führung für die Gäste, war Schlimmes zu befürchten. Aber Richen gab nicht auf, fühlte sich umso mehr bei der Ehre gepackt und verkürzte peu à peu: In der 50. Minute war Richen wieder auf vier Tore dran (16:20), in der 52. Minute auf drei (18:21) - und trotz des dritten Platzverweises verkürzten die Kraichgauer zwei Minuten vor Abpfiff in Unterzahl auf nur noch 20:22. Da war es aber.

Horkheim lässt sich von Hektik anstecken

Der TSB traf zum 23:22 und kam mit blauem Auge davon. "Es war von Anfang an klar, dass das heute nicht glorreich wird", sagte Trainer Malte Willms. "Wir haben uns von der Hektik anstecken lassen." Zu der hätten, da waren sich die Trainer einig, die Unparteiischen mit ihrer fehlenden Linie beigetragen.

Als Ausrede wollte Ohr das nicht hernehmen. "Wir haben uns selber erschossen", sagte er angesichts der Undiszipliniertheiten und der zu hohen Aggressivität im Spiel. "Aber daran lässt sich ja arbeiten."

TB Richen: Martin Appel, Lukas Sommerfeld (im Tor), Markus Gottstein (2), Stefan Preetz (2), Julian Müller (8), Sebastian Fecker (1), Tim Schubert (1), Sebastian Kreiter (3), Thomas Mairhofer (3), Robin Renz, Jochen Schwenda. Zeitstrafen: 7/3. Siebenmeter: TB B3/4 - TSB 6/7.

Pokalduell dient als Test

Die Bezirksliga macht jetzt Pause, aber noch ist das Jahr für den TB Richen noch nicht vorbei: Am Sonntag, 22. Dezember, 17 Uhr, empfangen die Kraichgauer im Pokal die HSG Hohenlohe. "Das Spiel werden wir als Trainingsspiel nutzen", kündigte Trainer Gunther Ohr an. Er will die vierwöchige Pause dafür verwenden, seine Mannschaft intensiv auf die Rückrunde vorzubereiten. Die Fehler, die das Team mache, seien in erster Linie auf die fehlende Kondition zurückführen, findet Ohr. "Das zu trainieren, ist ein Leichtes für einen Trainer." map


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

Kommentar hinzufügen