Kriminelles Konfetti

Handball  Zwischen dem TSB Horkheim und der Konkurrenz aus Konstanz gibt es Ärger. Der Grund: Konfetti.

Von Stephan Sonntag

Kriminelles Konfetti

Ein Bild des Grauens? So soll es am Samstagabend nach dem Drittliga-Spitzenspiel zwischen dem TSB Horkheim und der HSG Konstanz in der Stauwehrhalle nicht aussehen. Foto: Archiv/dpa

Für sportliche Brisanz ist im Vorfeld ja schon ausreichend gesorgt. Der verlustpunktfreie Drittliga-Tabellenführer TSB Horkheim empfängt am Samstagabend (20 Uhr) in der Stauwehrhalle den zweitplatzierten Aufstiegsfavoriten HSG Konstanz. Doch nun ist abseits des Spielfelds zusätzlicher Zwist entstanden, der unter #konfettigate im Internet Wellen schlägt.

Es geht tatsächlich um die bunten Papierschnipsel. Oder − je nach Sichtweise − um Dreck. Um das Glitzerzeug für Siegesfeiern, Silvester und Fasching, das vom Himmel regnet und für eine rauschende Atmosphäre sorgt. Oder um schmierige kleine Lappen, die am Boden kleben, unter die Tribüne fallen, sich nicht aufkehren lassen, nur Arbeit machen und zusätzliche Kosten verursachen. Die jedenfalls bei einem ordnungsgemäßen Handballspiel in der Halle nichts verloren haben.

"Ich will keine Sauerei in der Halle"

Der Auslöser von #konfettigate trug sich vor zwei Wochen in Kornwestheim zu. Dort hatten rund 70 Konstanzer Fans zum Einlauf der Teams massenweise blau-gelbe Schnipsel in die Luft geworfen. Ein entsprechendes You-Tube-Video hat der Verein mit "Gänsehaut-Atmosphäre" überschrieben. Die "Kornwestheimer Zeitung" schrieb von einer "würdigen Atmosphäre für ein Spitzenspiel, die durch die mitgereisten Fans erzeugt wurde".

Beim Anblick dieser Szenen überlief offenbar auch TSB-Vorstand Herwig Jarosch eine Gänsehaut − allerdings aus anderen Beweggründen. "Ich will keine Sauerei in der Halle", machte der 73-Jährige gestern im Gespräch mit der Heilbronner Stimme deutlich. Ähnlich äußerte er sich per E-Mail gegenüber den HSG-Verantwortlichen. "Verunreinigungen wie in Kornwestheim werden teuer. Konfettikanonen und Konfetti sowie ähnlicher Unrat sind nicht erlaubt", heißt es darin.

Wie sonst nur beim Fasching und dem Oktoberfest üblich, werden am Samstag zwei professionelle Sicherheitskräfte Eingangskontrollen durchführen und "Verunreinigungsmittel jeder Art" konfiszieren − bezahlt vom Verein. Sollte es den Gästefans dennoch gelingen, Verunreinigungsmittel irgendeiner Art einzusetzen, dann "werden diese dokumentiert und polizeilich verfolgt", heißt es weiter.

"Konfetti ist kein Verbrechen"

Dieser höfliche Hinweis ist am Bodensee offenbar auf wenig Gegenliebe gestoßen. Unter dem Titel "Konfetti ist kein Verbrechen" rief der Verein seine Anhänger dazu auf, "auf dieses schöne Stück Fankultur zu verzichten: Kein Konfetti, auch nicht Ähnliches, von niemandem!"

Die Südbadener ergänzten diese Aufforderung allerdings mit dem auf die Vorfälle in Kornwestheim bezogenen Hinweis: "Es war Konfetti, kleine Papierschnipsel, die mit einem Besen leicht und schnell beseitigt sind. Nicht mehr und nicht weniger. Und wir dachten immer, die Schwaben seien berühmt für ihre Kehrwoche." Das kann Jarosch als echter Schwabe so nicht stehenlassen. "Bei der Kehrwoche macht man seinen eigenen Dreck weg, nicht den der anderen."

Das ist nämlich das Problem. Der TSB muss die Halle besenrein verlassen. "Unsere Ehrenamtlichen müssten den Dreck am Samstagabend wegkehren", sagt Jarosch. Am Sonntagmorgen wird in der Stauwehrhalle bereits wieder Tischtennis gespielt. Professionell gereinigt wird der Hallenboden erst am Montag wieder. Sollten dabei Mehrkosten entstehen, landet die Rechnung ebenfalls beim TSB-Vorstand Ob die nun höher ausfallen würde, als die Zusatzkosten für die Security-Mitarbeiter, darüber will Jarosch nicht spekulieren. Es geht ihm ums Prinzip: "Wehret den Anfängen."