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Schwäche, die sprachlos macht: SUN-Handballerinnen blamieren sich

Mit einem halbherzigen Auftritt sind die Neckarsulmerinnen beim 27:29 selbst gegen einen SV Halle-Neustadt in Notbesetzung zu schwach.

Dominik Knobloch
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Lesezeit 2 Min
Schwäche, die sprachlos macht: SUN-Handballerinnen blamieren sich
Sehr schmerzhaft: Lucie-Marie Kretzschmar (am Ball) und die Neckarsulmerinnen kommen gegen die kämpferischen SV-Abwehr kaum mal zu echter Wucht aus dem Rückraum. Foto: imago images/Fotostand  Foto: IMAGO/Fotostand / Ballasch

Da war keine Wut mehr. Kein Feuer für eine Brandrede. Nur noch kühle Leere. "Ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben in der Kabine nichts sagen, hatte keine Worte mehr - das war nicht mehr ich", erklärte eine völlig konsternierte Tanja Logvin am Sonntag.

Auch ihr Bundesliga-Team hatte die Neckarsulmer Trainerin am Abend zuvor sechzig Minuten lang nicht mehr wiedererkannt: "In einem Jahr und sieben Monaten hier habe ich die Mannschaft noch nie so erlebt." Das 27:29 (12:15) ihrer Sport-Union beim SV Union Halle-Neustadt war für Tanja Logvin ein denkwürdiger Auftritt. Denkwürdig peinlich. "Es gibt Spiele, an die erinnert man sich sein gesamtes Leben. Dieses gehört wahrscheinlich dazu", sagte die einstige Weltklasse-Handballerin zu einem Neckarsulmer Spiel, das selbst von Bundesliga-Mittelklasse weit entfernt war.

Zwölf Corona-Fälle: Halle-Neustadt hoffte noch am Freitagmorgen auf eine Spielverlegung

Noch am Freitagmorgen hatte Halle-Neustadt bei der spielleitenden Stelle der Handball Bundesliga Frauen (HBF) erneut um Spielverlegung gefleht, nachdem sich die Zahl an Corona positiven Spielerinnen auf satte zwölf erhöht hatte. Vergeblich. SV-Sportdirektor Jan-Henning Himborn bat die Zuschauer bereits vorab um Verständnis für die prekäre Personallage in der Zwangspartie. All das war vergessen, als Halle-Neustadt die heimische SWH-Arena nach dem Sensationssieg gegen die Sport-Union zum Tollhaus machte und sich zurecht für unbändigen Kampfgeist und zwei kaum für möglich gehaltene Punkte feierte.

Gescheitert waren die Neckarsulmerinnen aber nicht an der bemerkenswerten Moral des ersatzgeschwächten Gegners, sondern vor allem an sich selbst. "So eine Einstellung, das darf uns einfach nicht passieren. Ich kann diese Schwäche nicht erklären. Wahrscheinlich ist es Arroganz", sagte Tanja Logvin. Nur ihre Spielmacherin Lynn Knippenborg kam auf eine Trefferquote von mehr als 70 Prozent. Der Rest des Neckarsulmer Angriffs leistete sich mitunter haarsträubende Fehlwürfe, stolperte immer wieder in überhastete Abschlüsse.

SUN-Trainer Tanja Logvin: Abwehr muss sich hinterfragen

Auch die Defensive der Sport-Union bekam zu kaum einem Zeitpunkt den gewohnten Zugriff. "Wenn eine Spielerin drei Jahre nicht gespielt hat und wirft drei Tore, dann muss sich der Gegner schon hinterfragen", meinte Logvin mit Blick auf Elisa Möschter, die Halle-Neustadt als Aushilfe aus dem Handball-Ruhestand geholt hatte.

Ob es eine entscheidende Rolle spielt, dass sich gleich sechs der gegen den SV eingesetzten Neckarsulmerinnen nach dieser Saison zu einem neun Club verabschieden? "Ich habe Angst, das zu sagen. Ich schiebe diesen Gedanken weg. Die Spielerinnen müssen die Antwort selbst geben", sagte die Trainerin nur, betonte aber: "Vielleicht sind wir am Limit, vielleicht habe ich zu viel Vertrauen gegeben. Und wenn ein Trainer das Vertrauen zum Team verliert, ist es das Schlimmste, was passieren kann."

Dass den Neckarsulmerinnen gegen Halle-Neustadt viel passieren kann, war kaum abzusehen gewesen. Schon vor zweieinhalb Wochen hatten sich die beiden Teams in einem Nachholspiel gegenübergestanden. Noch ohne Corona-Sorgen war der SV beim 25:33 völlig chancenlos gewesen. Ein Fakt, der Tanja Logvin noch fuchsiger machte: "Da musst du noch mehr wollen, die Hierarchie bestätigen und nicht arrogant werden und den Gegner unterschätzen." Schon am Mittwoch geht es für die Sport-Union beim Buxtehuder SV weiter. Team und Trainerin müssen schnell wieder den richtige Ton treffen.

SU Neckarsulm: Gois, Wachter - Nooitmeer, Mann, Hendrikse (2), Knippenborg (5/3), Gautschi (2), Stockschläder (4), Espinola Perez (6), Kooij (5), Kretzschmar (1), Moser (2). Beste Werferin SV: Niewiadomska (9/5). Siebenmeter: SV 5/8, SUN 3/3. Zeitstr.: 1/2.

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