Interview
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Nach Freistellung als Trainerin: Tanja Logvin spricht über ihre Zeit bei der Sport-Union Neckarsulm

Neckarsulms Ex-Trainerin Tanja Logvin blickt eine Woche nach ihrer Freistellung auf zwei erfolgreiche Jahre und eine schwierige Saison 2022/2023 zurück. Außerdem erzählt sie, was sie ändern würde und wie es nun weitergeht.

Nils Buchmann
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Lesezeit 3 Min
Tanja Logvin: Den Umgang mit Erfolg muss Neckarsulm noch lernen
Tanja Logvin (re.) und die Sport-Union hatten in den vergangenen Jahren oft Grund zum Jubeln. Zuletzt waren die Ergebnisse jedoch ausgeblieben.  Foto: Berger

Tiefen Groll hegt Tanja Logvin, bis vergangene Woche im dritten Jahr Bundesliga-Trainerin der Sport-Union Neckarsulm, nicht. Sie hat sich mit ihrem Aus arrangiert. Eine Woche nach ihrer Freistellung spricht sie über ihre Zeit im Unterland und ihre Zukunftspläne.

 

Frau Logvin, wie schauen Sie auf Ihre Zeit in Neckarsulm zurück?

Tanja Logvin: Ich denke, dass ich in Neckarsulm viel geleistet und alles aus der Mannschaft herausgeholt habe, was ich konnte. Zwölf, 13 Spielerinnen hatte ich im ersten Jahr hinter mir, die verstanden haben, wo der Weg zum Erfolg ist. Im zweiten Jahr haben wir das dann bestätigt - und das war kein Zufall (lacht).

 

Die letzten Wochen waren jedoch sehr speziell.

Logvin: Ich habe viele gute Menschen in Neckarsulm kennengelernt, aber am Ende natürlich auch eine andere Seite. Gefühlt hat sich die ganze Stadt in "Für Tanja" und "Gegen Tanja" geteilt. So etwas hatte ich bisher noch nicht erlebt. Kritik gehört natürlich dazu, aber das war noch extremer als beim Fußball.

Hatten Sie nach der Niederlage gegen Zwickau mit Ihrem Aus gerechnet?

Logvin: Es lag schon lange in der Luft, auch nach dem Bensheim-Spiel. Die Leute sprechen darüber, das bekommt man mit. Man rechnet jeden Tag damit, dass etwas passieren könnte. Als Trainer stehst du dann auf einer tickenden Bombe. Ich habe mich am Montag von den Mädels noch kurz verabschieden können und bin sehr froh darüber, das auch gemacht zu haben. Das war für mich berührend - auch, weil ich die Bestätigung bekommen habe, dass ich nichts falsch gemacht habe.

 

Warum hat es für Sie und die Mannschaft in dieser Saison trotzdem nicht so funktioniert wie erhofft?

Logvin: Ich könnte, aber ich möchte nicht darüber sprechen. Es gibt immer drei Seiten: Meine Seite, die andere Seite und die Wahrheit. Die Zeit wird zeigen, wie es sich entwickelt. Zwei Jahre haben wir Erfolg gehabt; doch nur durch Misserfolg kommt Erfolg. Was ich der Umgebung in Neckarsulm wünsche, ist, dass sie lernt, mit Erfolg umzugehen. Es ist, wie wenn man Millionär wird - und dann nicht mit dem Geld umgehen kann: Man kauft und kauft und auf einmal ist das Geld weg. Genauso ist es mit Erfolg: Erfolg muss man entwickeln und pflegen, nicht wegwerfen.

 

Würden Sie rückblickend denn irgendetwas anders machen?

Logvin: Ich würde mich nur noch auf den Handball fokussieren. Mir wird es kein zweites Mal passieren, dass ich mich mit Dingen über den Handball hinaus beschäftige. In den ersten zwei Jahren in Neckarsulm konnte ich das, aber im dritten hat es dann nicht mehr geklappt.

 

Stürzen Sie sich nun direkt wieder in die Arbeit oder machen Sie erst einmal eine Handball-Pause?

Logvin: Ich habe am Tag meiner Entlassung drei Angebote bekommen, aber ich habe noch zwei Jahre Vertrag (in Neckarsulm, Anmerkung der Redaktion). Der Verein und ich haben allerdings noch nicht genauer über die Freistellung gesprochen.

Das heißt, Sie bleiben erst einmal in Neckarsulm?

Logvin: Ja, ich bin da. Ich möchte mir nach dieser turbulenten Zeit eine Pause nehmen und ein bisschen Zeit mit der Familie verbringen. Als Spielerin habe ich sehr viel für meine Karriere investiert - und auch Zeit mit der Familie geopfert. Das werde ich jetzt nicht mehr machen. Außerdem sind meine Kinder hier in der Schule, und da werde ich sie mindestens bis zum Sommer nicht herausreißen.

 

Was bleibt von Ihrer Zeit bei der Sport-Union?

Logvin: Ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass Gerhard (Husers, ebenfalls freigestellter Sportlicher Leiter des Vereins, Anmerkung der Redaktion) und ich mit Herz gearbeitet und alles gemacht haben, was möglich war. Und wenn man mit Herz arbeitet, bekommt man immer etwas zurück: entweder menschlich oder sportlich. Ich werde meinen Weg weitergehen. Und Neckarsulm wünsche ich alles Gute für die Zukunft.

 


Zur Person

Tanja Logvin (48) trainierte in Deutschland zunächst Buchholz 08-Rosengarten, bevor sie 2018 als Interimstrainerin ein erstes Gastspiel in Neckarsulm gab. Nach zwei Jahren in beim SV Union Halle-Neustadt kehrte sie 2020 zurück ins Unterland.

Als Spielerin erlebte Logvin zwischen 1997 und 2003 bei Hypo Niederösterreich ihre erfolgreichste Zeit. Zwei Champions-League-Siege und zahlreiche nationale Titel stehen unter anderem in ihrer Vita. Mit 820 Treffern in 107 Länderspielen steht sie zudem noch immer auf Rang fünf der ewigen Torjägerliste der österreichischen Handball-Nationalmannschaft.

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