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Die Regisseurin gibt die Bühne frei

Kein weiterer Aufschub des Karriereendes: Neckarsulm verliert mit Lynn Knippenborg seine offensive Anführerin, sein Herz und Hirn. Die Niederländerin weiß schon jetzt, dass es nach dem letzten Spiel sehr emotional wird.

Dominik Knobloch
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Lesezeit 3 Min
Die Regisseurin gibt die Bühne frei
Nach ihrer dritten Saison bei der Sport-Union macht Neckarsulms Spielmacherin Lynn Knippenborg Schluss. Mit der Niederländerin verliert der Verein seine offensive Lenkerin. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Ein letztes Mal wird sie sich in den Mannschaftsbus setzten. Für die finalen Kilometer einer großen Karriere. Danach steigt Lynn Knippenborg endgültig aus. "Es fühlt sich noch nicht so an. Bei so vielen Begegnungen merkt man das fast gar nicht", sagt die Spielmacherin der Sport-Union zum nahenden Schlussstrich.

Noch die Auswärtspartie beim BSV Sachsen Zwickau an diesem Samstag (18 Uhr) und der Heimabschluss in der Ballei die Woche darauf - dann gibt Neckarsulms Regisseurin die Bühne frei. So, wie sie das eigentlich schon vor der aktuellen Bundesliga-Saison hatte tun wollen.

Für Knippenborg ist es an der Zeit, ihr Privatleben vor den Handball zu stellen

Ein zweites Mal ließ sich die wichtige Lenkerin nicht zum Weitermachen überreden. Wer die 30-jährige Niederländerin am Mittwochabend gegen Sachsen Zwickau gesehen hat, der versteht, warum es die Verantwortlichen dennoch bis zum Schluss versucht haben. Die Sport-Union verliert mit der Nummer sieben seine offensive Anführerin, gleichermaßen Herz und Hirn des Angriffsspiels. Doch sowohl der Kopf als auch das Gefühl sind sich nun bei Knippenborg einig - es ist endlich an der Zeit, das Privatleben vor den Handball zu stellen: "Ich muss noch so viel nachholen, was ich die letzten Jahre verpasst habe."

Seit langem führt die Frau aus Winterswijk mit ihrem Freund eine Fernbeziehung, die durch die Corona-Pandemie nicht gerade angenehmer geworden ist. Der ehemalige Eisschnellläufer bringt zwar als Ex-Profisportler viel Verständnis für die Passion seiner Partnerin mit. "Er hat schon gestaunt, dass ich sehr viele Sachen habe, die ich jetzt bald mitnehme. Ein bisschen Zeit, um Platz zu schaffen, bleibt ihm ja noch", sagt Lynn Knippenborg zum anstehenden Schritt in ihre Heimat. "Ich freue mich einfach auf die freie Zeit, dass man keine Verpflichtungen mehr am Wochenende hat und auch einfach mal in den Urlaub fahren kann."

Die Spielmacherin hat längst alles erreicht

Noch länger prüfen wollte sie die Geduld ihrer Liebsten nicht. Zumal die Spielmacherin eigentlich längst alles erreicht hat. 114 Einsätze für die Niederlande mit zwei EM-Medaillen und einmal WM-Bronze als Ausbeute. Vereinshandball in vier verschiedenen Ländern mit Auftritten auf internationalem Parkett - es ist eine Karriere, die tatsächlich nicht unbedingt weiterer Erfolgskapitel bedarf. Gerne hätte die Ehrgeizige als letzten Eintrag in ihrer sportlichen Vita die Qualifikation fürs internationale Geschäft mit Neckarsulm stehen gehabt. Doch auch ohne das Erreichen des unausgesprochenen Ziels geht sie nach ihrer dritten Saison bei der Sport-Union als echte Erfolgsgarantin.

Die innige Beziehung zu Trainerin Tanja Logvin hat sie im Spätherbst ihrer Karriere noch einmal neu aufblühen lassen. "Ich hatte in den letzten zwei Jahren vielleicht meine beiden besten Handball-Jahre mit richtig viel Spaß", sagt Knippenborg, die von Logvin zur Knipserin gemacht worden ist: "Eigentlich habe ich immer viele Assists gegeben, aber jetzt plötzlich auch Tore gemacht - Tanja hat mich immer zum Werfen ermutigt, mir gesagt, dass ich gefährlich sein muss."

Mit Knippenborg verliert Neckarsulm auch treue Anhänger

Mit aktuell 113 Treffern und im Schnitt 5,1 Toren pro Spiel kann die 1,75-Meter-Frau diese Gefahr als zweitbeste Neckarsulmer Scorerin mittlerweile mit eindrucksvollen Zahlen belegen.

Mit Lynn Knippenborg verliert die Sport-Union aber nicht nur eine der wichtigsten Spielerinnen, sondern auch treue Anhänger. Ihre Eltern haben den Familienmensch schließlich fast zu jedem Spiel begleitet. Ob auswärts oder zu Hause. "Mein Vater muss sich dann auch erstmal umstellen", scherzt Knippenborg über die Freizeitgestaltung ihres größten Fan.

Für den Saisonabschluss in Neckarsulm will das Lager der Neckarsulmer Nummer sieben deshalb nochmal volle Präsenz zeigen. Mit Familie und Freuden haben sich schon 20 Leute angekündigt, verrät die scheidende Spielmacherin und weiß: "Ich denke, das letzte Spiel wird richtig emotional. Wahrscheinlich muss ich weinen."


Teil zwei beim BSV

Wieder wird es nur über den Kampf gehen. Im ungewöhnlichen Neckarsulmer Zweiteiler in dieser Woche gegen den BSV Sachsen Zwickau stand hinter dem 32:25-Hinspielerfolg der Sport-Union vor allem ganz viel Arbeit in der Abwehr. Die wird es auch beim schnellen Wiedersehen brauchen. Denn das Schlusslicht hat nach wie vor die Chance, sich mit einer Überraschung gegen die Neckarsulmerinnen noch Richtung rettendes Ufer zu bewegen. Für die Sport-Union geht es darum, den frisch erklommenen sechsten Tabellenplatz zu verteidigen.

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