Selina Kalmbach mit schwerem dritten Länderspiel

Handball  Beim enttäuschenden deutschen 24:24 gegen Belarus kann die Neckarsulmerin Selina Kalmbach im zweiten Durchgang nur wenig Akzente setzen.

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Das dritte Länderspiel war für Selina Kalmbach ein schwieriger Spagat. Weil es gegen Belarus so gar nicht lief, kam sie kaum zu Szenen.

Foto: Imago Images/wolf-sportfoto

Wenigstens blieb es in der Familie. In der Neckarsulmer Vereinsfamilie. Der deutsche Platz auf Linksaußen hinter Routinier Antje Lauenroth gehörte auch am Sonntagabend der Sport-Union. Diesmal aber nicht Johanna Stockschläder, sondern Selina Kalmbach.

Schon viele Stunden vor dem enttäuschenden deutschen 24:24 (12:13) in der zweiten Euro-Qualifikationspartie gegen Belarus hatte es zumindest für die 23-Jährige ein kleines Erfolgserlebnis gegeben. Persönlicher Natur. Im Gegensatz zum 36:10-Erfolg gegen Griechenland am vergangenen Donnerstag berief Bundestrainer Henk Groener Kalmbach statt ihrer Vereinskollegin Stockschläder ins 16er-Aufgebot. Der Lohn für beherzten Einsatz in den Trainingseinheiten der vergangenen Woche in Trier.

Heimatverein TGV Abstatt in Szene gesetzt

Doppelt erfreulich aus regionaler Sicht: Selina Kalmbach durfte auch den Heimatverein TGV Abstatt in Szene setzen. Jede deutsche Spielerin trug den Club, bei dem es für sie mit dem Handball einst begonnen hatte, dank einer Sonderaktion mit weißen Lettern auf dem Rücken der schwarzen Trainingsjacke. Kalmbach behielt ihre den ganzen ersten Durchgang über an.

Von der Bank sah sie einen schlechten Start des deutschen Teams - es sollte bis zum Schluss nicht besser werden. Belarus war die beherztere Mannschaft. Nach einer Viertelstunde hatte Groener genug gesehen und griff beim 5:6 zur Auszeit. Erst in der 19. Minute saß beim 9:8 von Lauenroth der erste Tempogegenstoß, einen Heber legte die routinierte Linksaußen nach dem Ausgleich der Belarussinnen aber weit über den Kasten. Nicht die erste und auch nicht die letzte deutsche Unkonzentriertheit. Vorne fand der Favorit überhaupt nicht in Tritt, bekam kein Tempo rein. So arbeitete sich der Außenseiter verdient zu einem 11:9 (24.). Katharina Filter musste Deutschland mit guten Paraden im Spiel halten. Vor dem verstummten Publikum mühte sich der Gastgeber mit einem 12:13-Rückstand in die Halbzeitpause.

Sehenswerte Aktion bei Kalmbachs 16:16

Trotzdem schenkte der Bundestrainer Selina Kalmbach im zweiten Durchgang sein Vertrauen. Und die deutsche Nummer fünf zahlte es direkt mit der ersten Aktion zurück. Alina Grijseels bediente Kalmbach mit einem tollen Pass hinter dem Rücken sehenswert und die Neckarsulmerin verwandelte per Aufsetzer sicher zum 16:16. Ansonsten durfte sie in ihrem dritten Länderspiel aber kaum Akzente setzen.

Ganz links in der deutschen Abwehr, wo Selina Kalmbach stand, war recht wenig los. Und offensiv suchte Leaderin Xenia Smits in einer völlig zerfahrenen Begegnung stets selbst den Weg zum Tor, statt die Außen mit einzubinden.

Ohne Tempo, ohne viel Raum

Weil das deutsche Tempospiel zudem kaum existent war, blieb für Kalmbach auch kein Raum für erfolgreiche Gegenstöße. Bei ein, zwei Rückzugsaktionen hatte sie zudem Pech, als wenige Zentimeter für einen Ballgewinn fehlten.

An der soliden, aber unauffälligen Selina Kalmbach lag es jedoch nicht, dass Deutschland die Partie einfach nicht gedreht bekam, auch den Lucky Punch im letzten Angriff verpasste und mit einem ernüchternden 24:24 ins Ziel schwankte.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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