Neckarsulmer Handball-Frauen noch immer ohne klare Nummer eins

Handball  Das Duell zwischen den Neckarsulmer Pfosten geht in die nächste Runde: Sarah Wachter hat vor Partie am Samstag bei der HSG Bensheim-Auerbach die Nase leicht vorne.

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Nach dem ersten Spiel der neuen Bundesliga-Saison bleibt den Neckarsulmerinnen ein altes Luxusproblem erhalten: Wer wie lange im Kasten stehen darf, ist bei der Sport-Union nicht leicht zu entscheiden. Auch vor der Auswärtspartie an diesem Samstag (18 Uhr) bei den Flames der HSG Bensheim-Auerbach gibt es keine klare Nummer eins. "Von meiner Seite aus hat sich nichts verändert. Es ist nach wie vor auf Augenhöhe", sagt Neckarsulms Torwarttrainer Oliver Rieth mit Blick auf seine beiden Keeperinnen Sarah Wachter und Isabel Gois.

Mit 53,30 Minuten durfte sich Wachter beim 28:36-Auftakt gegen Dortmund am vergangenen Samstag allerdings deutlich länger zeigen. Und das 21-jährige Toptalent präsentierte sich mit zehn Paraden in prächtiger Verfassung, wurde zur Neckarsulmer Spielerin des Spiels gewählt.

Trainerin Tanja Logvin will eine Reaktion sehen

Cheftrainerin Tanja Logvin attestierte ihr sogar eine ihrer "besten Leistungen". Und ärgerte sich deshalb umso mehr darüber, dass die Quote der gehaltenen Bälle das mit 23,3 Prozent nicht widerspiegelte: "Sie hat fast alle Tore nach Kontern oder aus sechs Metern bekommen, weil unser Rückzugsverhalten schlecht war. Da will ich gegen Bensheim eine Antwort sehen."

Für Oliver Rieth stellt sich dann wieder die schwere Frage nach der richtigen Keeperin für die Begegnung. Denn obwohl Gois gegen den BVB nur die letzten sechseinhalb Minuten aufs Feld durfte, wusste auch die 25-jährige Portugiesin zu gefallen. "Als Isa reingekommen ist, hat sie gleich mit vier guten, freien Paraden agiert. Hat gezeigt, dass sie da ist", lobt Rieth. Über 57 Prozent gehaltene Bälle sprechen ebenfalls für sich.

Dennoch sieht der Torwarttrainer Sarah Wachter im spannenden Duell aktuell ein klein wenig weiter vorn: "Sie ist auf dem Weg, die Nummer 1 zu werden und hat von ihrer Persönlichkeit einen echten Schritt gemacht, spricht viel mehr mit ihrer Abwehr. Sie hat mittlerweile ein Ausstrahlung im Tor - genauso wie Isa. Aber ich erwarte noch mehr, will, dass sie noch präsenter ist."

Wer im Tor beginnt, will der Torwarttrainer nicht überbewerten

Noch immer ohne klare Nummer eins

Auf Augenhöhe: Isabel Gois (li.) und Sarah Wachter liefern sich im Neckarsulmer Tor erneut ein spannendes Duell.

Fotos: imago images/Eibner, Veigel

Der harte Konkurrenzkampf ist für Rieth ein großes Plus: "Sarah muss in jedem Training, in jedem Spiel abliefern, ihre Leistung immer wieder bestätigen. Und Isa als starke Konkurrentin ist genau das Luxusproblem, das wir wollen." Denn auch von Gois erwartet der Torwarttrainer das persönliche Ziel, die Nummer 1 nicht nur auf dem Neckarsulmer Trikot zu tragen: "Nur so kommen wir bei beiden irgendwann auf das Level, wo wir hin wollen. Jede soll 60 Minuten spielen wollen und der anderen keine Chance lassen - das ist mein großer Wunsch, aber natürlich sehr schwer."

Wer im Neckarsulmer Tor beginnt, will Rieth trotzdem nicht überbewerten: "Das ist im Handball so schnelllebig. Manche fühlen sich auch wohler, wenn sie später reinkommen, auch solche Torfrauen gibt es." Ohnehin sei die Variabilität zwischen den Neckarsulmer Pfosten ein Trumpf: "Es kommt auch immer darauf an, mit welcher Abwehr wir spielen. Jeder Torwart hat seine Stärken. Isas großer Vorteil ist das Eins-gegen-Eins. Sarah liebt das Antizipieren aus dem Spiel heraus. Letztendlich ist es nach wie vor die Tagesform, die den Ausschlag gibt."

Rieth: Wir haben keine klare Nummer eins und zwei

Gegen Bensheim "fangen wir momentan vom Gefühl her wahrscheinlich wieder mit Sarah an - das muss ich mit aber nochmal genau überlegen", sagt Rieth mit einem Lachen: "Wir haben eben keine klare Nummer eins und zwei." Dafür aber klare Ansprüche, wie der Torwarttrainer betont: "Das Duo ist definitiv stark. Aber ich will den nächsten Schritt, will, dass die beiden noch stärker werden. Ich möchte noch mehr aus den Torhüterinnen rausholen."

Das möchte Tanja Logvin auch aus dem Rest der Neckarsulmer Mannschaft. Die ersten beiden Punkte sind bei den Flames das erklärte Ziel der Sport-Union.

Problemzone Königsposition

Eine Überraschung ist es nicht: Carmen Moser wird im Neckarsulmer Angriff auf halblinks schmerzlich vermisst. Den Langzeitausfall auf der Königsposition zu kompensieren, wird aber noch schwerer als erwartet. Denn Zugang Daphne Gautschi ist angeschlagen, fühlt sich immer wieder extrem schlapp, trainiert nur eingeschränkt und setzt bei Konditionseinheiten aus. Genauere Untersuchungen stehen nächste Woche an. So liegt noch mehr Last auf Youngster Lucie-Marie Kretzschmar, die gegen den BVB keinen guten Auftakt erwischte. "Sie ist ein Kopfmensch, wird die Situation aber sicher meistern", sagt Trainerin Tanja Logvin. dok

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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