Neckarsulmer Handballerinnen haben große Träume und müde Muskeln

Handball  Die Bundesligafrauen der Sport-Union gewinnen den ersten Test in Nürtingen ungefährdet 37:29 und gehen zufrieden ins Trainingslager nach Wien. Entwarnung gibt es bei Nathalie Hendrikse.

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One team, one dream: Trainerin Tanja Logvin (hinten, Mitte) hat im ersten Testspiel der Saison 2021/2022 "vieles, eigentlich alles ausprobiert".

Foto: Dominik Knobloch

"Für das erste Spiel war es gar nicht schlecht", sagte Tanja Logvin mit einem Lächeln zu ihren Spielerinnen. Traumwandlerisch kam das Bundesliga-Team der Neckarsulmer Sport-Union zwar nicht zum 37:29 (20:14) bei Zweitligist TG Nürtingen.

Aber Einsatz und Wille stimmten über weite Strecken. Und das war es, was die Trainerin am Freitagabend in erster Linie hatte sehen wollen. Vor allem, weil sie taktisch viele verschiedene Ansätze zeigte: "Ich habe vieles, eigentlich alles ausprobiert." Und von Anfang an und über das gesamte Spiel auch auf die Zugänge gesetzt. "Sie haben so noch nie zusammengespielt und müssen ihr Timing noch finden. 37 Tore sind aber schon mal gut."

Zwei Wochen knallharte Vorbereitung

"One team, one dream" brüllten die Neckarsulmerinnen im geschlossenen Kreis, ehe es in die ersten Testspiel-Minuten der Saison 2021/22 ging. In der Anfangsphase waren es dann aber vor allem die müden Neckarsulmer Muskeln, die nach zwei Wochen knallharter Vorbereitung immer wieder wegschlummerten, statt voll unter Spannung zu stehen. Der geheime Traum, in der neuen Runde ums internationale Geschäft der ganz Großen zu spielen, war im ländlichen Nürtingen logischerweise noch weit weg von der Realität auf der Platte.

Immer wieder fanden die Neckarsulmer Würfe nicht ihr Ziel. Das Grundtempo ging aber schon in die richtige Richtung. Die paar Scheiben-Gäste in der zuschauerfreien Theodor-Eisenlohr-Sporthalle sahen ein munteres Hin und Her mit einem mutigen Heimteam.

Trotz 5:5 völlig entspannte Tanja Logvin

Ein Klassenunterschied war in den ersten zehn Minuten aber absolut nicht zu sehen, als ein 5:5 von der Anzeigetafel leuchtete. Wer Trainerin Tanja Logvin sah, wusste aber, dass das Ergebnis an diesem Abend ohnehin nur nebensächlich war. In Pflichtspielen der Sport-Union an der Seitenlinie stets ein brodelnder Vulkan voller Emotionen, coachte die 46-Jährige auch beim 11:11 (20. Minute) noch völlig entspannt. Ruhe, die sich später aufs Team auswirkte.

Das einzige Ergebnis, dass Logvin in Nürtingen nicht sehen wollte, schien nach 24 Minuten kurz zu drohen - eine Verletzung. Nathalie Hendrikse musste nach dem 16:13 vom Feld und behandelt werden. Als die Rechtsaußen kurz vor der Pausensirene (20:14) mit Ice-Pack am Kopf Entwarnung gab, war die Erleichterung groß.

Immer wieder neue Formationen

Mehr Gelassenheit forderte Tanja Logvin für die zweiten 30 Minuten auch von ihrem Team. Und es gehorchte. Mit dem Selbstverständnis eines Vorjahres-Sechsten spulte die Sport-Union ihre Abläufe trotz immer wieder neuer Formationen ab; am Ende stand es 37:29.

Schon am frühen Sonntagmorgen macht sich die Sport-Union auf ins einwöchige Trainingslager nach Wien. Dort warten Testspiel-Gegner von anderer Kragenweite. Und die großen Neckarsulmer Träume für die neue Saison sollen mehr zur Realität werden. "7 Uhr", stöhnte Zugang Daphne Gautschi als die Abfahrtszeit in Nürtingen nach dem Erfolg verkündet wurde. "Wir fahren ja nicht zum Schlafen", entgegnete Logvin. Ihr Team macht sich auf, um groß zu träumen.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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