Neckarsulmer Bundesligafrauen gehen mit Vollgas und Verstärkung in die Vorbereitung

Handball  Bundesliga-Frauen der Sport-Union sind ins Training gestartet. Die Neuzugänge fühlen sich wohl in Neckarsulm und haben große Ziele.

Email

Neue Gesichter in Neckarsulm: (v.l.) Die Zugänge Daphne Gautschi, Sophie Lütke, Sharon Nooitmeer und Johanna Stockschläder.

Foto: Ralf Seidel

Die schicken, neuen Trainings-Shirts wurden sofort ausgiebig auf ihre Strapazierfähigkeit getestet. "Wirklich sehr angenehm zu tragen - gerade, wenn man ins Schwitzen kommt", sagte Tanja Logvin mit einem warmen Lächeln. Die Trainerin der Neckarsulmer Bundesliga-Frauen musste es nach dem Beginn der Vorbereitung wissen. Schließlich hatte sie von ihrem Team direkt während der ersten Einheit Anfang dieser Woche Vollgas verlangt.

Sehr engagierter und schweißtreibender Auftakt

"Ich habe gutes Material, um zu arbeiten", betonte die 46-Jährige. Und meinte damit nicht die dunkelblauen Jerseys des neuen Ausrüsters Joma, sondern ihre Mannschaft für die Saison 2021/22. Bloßes Bauchgefühl war das nicht. Denn Logvin ließ die Neckarsulmerinnen sofort zu einem Shuttle Run antreten, um sich mit dem intensiven Lauftest ein Bild über den Fitnesszustand zu machen. Die Ergebnisse stimmten sie zufrieden: "Sie sind alle über die Grenzen gegangen und unglaublich engagiert."

Um Zugang zu einem sicheren Leistungsniveau zu erhalten, steht das entscheidende "G" bei Logvin für Grundlagenausdauer. Wie bereits in der Vorsaison, die am Ende auf Platz sechs zur bislang besten der Vereinsgeschichte wurde, führt die Erfolgstrainerin ihr Team deshalb in den ersten gemeinsamen Wochen auch diesmal wieder vermehrt auf Laufbahn und Fahrrad. Logvins nachdrückliches Versprechen an ihre Spielerinnen: "Mädels, keine Angst - ich bringe euch in Form."

Erfahrene Spielmacherinnen

Sophie Lütke ist davon nicht überrascht. Auch, wenn die 31-Jährige neu in Neckarsulm ist. Sie wusste genau, worauf sie sich mit ihrem Wechsel zur Sport-Union und Tanja Logvin einlässt. Immerhin kennt und schätzt sie Logvin aus der gemeinsamen Zeit bei Halle-Neustadt. "Ja, das ist ein Vorteil", sagt die erfahrene Spielmacherin mit Blick auf die fordernde Vorbereitung lachend. Auch Neckarsulms wichtiger Regisseurin Lynn Knippenborg zaubert die neue Konkurrentin ein Lächeln ins Gesicht. "Endlich bin ich nicht mehr die Älteste", sagt sie mit einem Zwinkern: "Aber man ist ja so alt, wie man sich fühlt." Und Knippenborg hat trotz ihrer 29 Jahre und ersten Gedanken an ein Karriereende "richtig Bock, sich endlich wieder zu bewegen - es ist die absolut richtige Entscheidung, dass ich nochmal weitermache".

Neckarsulms Rückraum-Leaderin hat bisher einen guten Eindruck von allen Zugängen gewonnen: "Wir haben uns echt verstärkt und die Mädels haben gleich gut mitgezogen. Wir haben am Sonntag auch schon mal alle zusammen gegessen, um sich auch mal vor dem Trainingsstart zu sehen und ein bisschen zu reden."

Nationalspielerin auf Linksaußen

Sehr aufgeschlossen gibt sich Neckarsulms namhaftester Zugang, Johanna Stockschläder von Meister Dortmund. "Ich bin hier super empfangen worden. Die Mädels sind super, es war schön, dass wir direkt mal abends zusammen Essen gegangen sind. Ich bin von dem Neckarulmer Konzept und Tanja sehr überzeugt. Es ist wichtig, das Vertrauen einer Trainerin zu haben und das habe ich hier", sagt die deutsche Nationalspielerin und neue Linksaußen der Sport-Union. "Die Mädels sind echt lässig", bestätigte auch Daphne Gautschi mit bestem schweizer Zungenschlag. Das 21-jährige Toptalent kommt vom großen HB Metz, gibt sich aber sympathisch kleinlaut, was die Ansprüche anbelangt: "Ich möchte mich verbessern und hoffe, dass ich spielen darf. Ich will durch gutes Training noch ein ganzes Stück nach oben kommen. Wahrscheinlich nicht mehr in der Größe, aber vielleicht in der Sprungkraft."

Erstmal zurecht finden muss sich 1,78-Meter-Frau Sharon Nooitmeer, die den Neckarsulmer Kreis verstärkt. Zumindest sprachlich. Die 21-jährige Niederländerin kann noch kein Deutsch und muss deshalb nicht nur handballerisch dazulernen. An klaren Ansagen auf Englisch hindert sie das nicht: "Ich will es mit Neckarsulm unter die ersten Vier schaffen und international spielen und vielleicht auch deutscher Meister werden. Ich will so viele Spiele wie möglich gewinnen und kann den Start kaum erwarten."

Der Meister kommt zum Bundesliga-Auftakt

Mit ambitionierten Zielen bei ihren Spielerinnen hat Logvin kein Problem: "Sie haben einen unglaublichen Willen, sind engagiert - und das finde ich gut. Aber auch, wenn wir uns nur auf dem gleichen Platz etablieren, dann wäre das ein Erfolg." Die Grundlagen dafür will Logvin in jedem Fall jetzt legen.

Wenn die Bundesliga-Saison für Neckarsulm am 4. September mit dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund startet, dann soll nicht nur das Jersey des neuen Ausrüsters strapazierfähig sein.

Zwei Spielerinnen fehlen noch

Zwei Neckarsulmerinnen fehlten, als der Bundesligist diese Woche in die Vorbereitung startete: Irene Espinola Perez und Lucie-Marie Kretzschmar. Beide sind noch im Nationalteam gefordert. Für Espinola Perez wird sich der Traum von Olympia mit Spanien zwar nicht erfüllen. Obwohl die Linkshänderin der finalen Kaderstreichung zum Opfer fiel, wird sie aber noch bis Samstag mit den Guerreras trainieren, ehe sie einen Sonderurlaub erhält und zur Sport-Union stößt, wenn es am 25. Juli zum Trainingslager nach Wien geht.

Kretzschmar wird dann schon eine Weile wieder im Neckarsulmer Mannschaftstraining sein. Aktuell ist sie aber noch bei der Beachhandball-EM für Deutschland aktiv. Gestern erlebte die 20-Jährige einen erfolgreichen Auftakt in Bulgarien und feierte Siege gegen Rumänien und Portugal.

Beim Trainingsauftakt in der Halle, aber nicht aktiv war Carmen Moser. "Ich bin am 27. Mai an Kreuzband und Meniskus operiert worden, habe erst seit knapp neun Tagen keine Krücken mehr und darf jetzt von Woche zu Woche mehr machen. Aktuell fühlt es sich gut an", sagt Neckarsulms Halblinke. Ihr ist es wichtig, "dass ich viel bei der Mannschaft bin". Moser hofft, Ende des Jahres wieder einsteigen zu können. 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

Kommentar hinzufügen