Neckarsulm zeigt ganz viel Gegenwehr, bleibt aber ohne Lohn

Handball  Trotz 54 Minuten mit nur sieben Feldspielerinnen schlägt sich die Sport-Union beim 33:35 in Metzingen bis zum Schluss beachtlich. Sarah Wachter für Nationalmannschaft nominiert.

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Stolzer Applaus trotz Niederlage: Neckarsulms Trainerin Tanja Logvin sah in Metzingen eine Sport-Union, die auch Mini-Kader alles versuchte.

Foto: Andreas Veigel

Selbst als die Schlusssirene in der Metzinger Öschhalle schon ertönt war, blieb die Sport-Union standhaft. Keeperin Sarah Wachter stellte sich beim noch ausstehenden Siebenmeter Silje Brøns Petersens elftem Treffer tapfer in den Weg. Das Neckarsulmer Schicksal war da am Samstagabend allerdings bereits besiegelt.

Trotz enormem Kraftakt lautete das bittere Ergebnis im Bundesliga-Derby 33:35 (19:17). Für Trainerin Tanja Logvin war der Auftritt ihrer Sport-Union dennoch ein Erfolg: "Ich bin unglaublich stolz auf die Mädels - es ist wirklich nochmal eine andere Mannschaft geboren, mit ganz starkem Willen über 60 Minuten. Es war ein Weltklasse-Spiel von beiden Mannschaften." Und es war sehr früh ein ungleicher Kampf.

Rote Karte für Kalmbach in der sechsten Minute

Den ersten Wirkungstreffer für die extrem ersatzgeschwächten Neckarsulmerinnen hatte es bereits in der sechsten Minute gesetzt. Selina Kalmbach sah nach einer harten Abwehraktion bei einem Metzinger Gegenstoß eine noch härtere Rote Karte. Und dezimierte damit die Zahl an einsatzfähigen Neckarsulmer Feldspielerinnen auf spärliche sieben Stück.

"Wir haben hier nach der frühen Roten Karte letztendlich neun gegen 16 gespielt, und meine Mannschaft hat wirklich alles gegeben. Ich hab solch eine Willensleistung in meiner Zeit in Neckarsulm noch nicht gesehen", lobte Logvin.

Wachter gibt mit ihrer Parade Schwung

Statt unter Schock stand die Sport-Union mit ihrem Mini-Kader noch enger zusammen. Auch, weil die wieder einmal starke Wachter den fälligen Siebenmeter nach Kalmbachs Disqualifikation prompt parierte und so sofort Schwung für einen Lauf zum 6:4 nach zwölf Minuten gab. Mit motivierter Arbeit in der 3:2:1-Deckung und cleverem Kreisspiel im Angriff rangen sich die Neckarsulmerinnen zu einem verdienten 10:7 (18.).

In einer munteren Partie auf hohem Niveau hielten sich die Metzingerinnen aber im Spiel und kamen immer wieder heran - aber eben nicht zur Führung. Als die Pausensirene geschrillt hatte, lag Neckarsulm noch immer mit 18:17 vorn. Und die gute Irene Espinola Perez setzte mit einem direkt verwandelten Freiwurf zum 19:17 sogar noch ein Ausrufezeichen hinter eine beachtliche erste Hälfte. Ein empfindlicher Treffer, der bei Metzingen nachzuwirken schien.

27:23-Führung der Sport-Union nach 44 Minuten

Denn die Gastgeberinnen strauchelten zum Start in den zweiten Durchgang. Das Tempo machten die Neckarsulmerinnen und zogen auf 21:17 davon. Auch nach 44 Minuten lag die Sport-Union beim 27:23 noch immer mit vier Toren in Front.

Nach und nach machten sich die fehlenden Wechselmöglichkeiten aber bemerkbar. Zehn Minuten vor der Schlusssirene ergriff Metzingen erstmals die Führung. "Nur wegen der Müdigkeit haben wir angefangen, Fehler zu machen", sagte Logvin. Bis zum 33:34 machte ihr Team trotzdem vieles richtig, aber am Ende nicht die entscheidenden Tore.

Bundestrainer Groener hat sich am Tag danach gemeldet

Einen kleinen sportlichen Erfolg gab es für eine Neckarsulmerin dennoch. Am Sonntag meldete sich Bundestrainer Henk Groener bei Sarah Wachter und nominierte die Keeperin für die Nationalmannschaft nach. Standhaft zu bleiben, hat sich für die 21-Jährige gelohnt.

SU Neckarsulm: Gois, Wachter - Kalmbach, Nooitmeer, Hendrikse (2), Knippenborg (7/2), Stockschläder (8), Espinola Perez (6), Kooij (3), Nieuwenweg (2), Kretzschmar (5). Siebenmeter: TuS 5/8, SUN 2/2; Zeitstrafen: 7/4.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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