Mit zwei Gesichtern zu einem Punkt: Neckarsulm spielt 35:35 gegen Blomberg

Handball  Nach lethargischer erster Hälfte kämpft sich Bundesligist Neckarsulm noch zu einem 35:35 gegen Blomberg. Trainerin Tanja Logvin ist zufrieden mit dem einen Zähler.

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Kaum ein Durchkommen für Jill Kooij und ihre Neckarsulmerinnen: Erst in der zweiten Spielhälfte kamen die Gastgeberinnen in Fahrt und sicherten sich so noch einen Zähler gegen die HSG Blomberg-Lippe. Foto: Andreas Veigel

Als die Schlusssirene durch die Ballei schrillte, wollte Neckarsulms Trainerin Tanja Logvin ein zufriedenes Gesicht bei ihrer Bundesliga-Mannschaft sehen. Sie stürmte auf jede einzelne Spielerin zu, rüttelte sie und lobte die bemerkenswerte Moral in der zweiten Hälfte. Ein Punkt, das 35:35 gegen die HSG Blomberg-Lippe, war nach einem lethargischen ersten Durchgang und einem 18:23 am Mittwochabend zwischenzeitlich schließlich ganz weit weg gewesen.

Ohne Lösungen in der Abwehr

Trotzdem zeigten die Neckarsulmerinnen nach einem Auftritt mit zwei Gesichtern auch im Anschluss ganz unterschiedliche Regungen in ihrer Mimik. Von Enttäuschung bis Erleichterung, von Trauer bis Freude. Gewonnener Punkt, verlorener Punkt? Am Ende lag die Wahrheit nach einem Thriller in der Endphase und der bessern Möglichkeit zum Sieg der Sport-Union wohl irgendwo in der Mitte. "Für uns ist der Punkt wie drei Punkte. Hut aber vor den Mädels, ich bin ganz stolz. Sie haben sich mit Herz, Gehirn und Kampfgeist zurückgekämpft. Natürlich haben wir den Punkt in der ersten Halbzeit verloren, da haben wir einfach keine Lösung in der Abwehr gefunden", sagte Logvin.

Den HSG-Express gab es nicht nur als Aufdruck des Mannschaftsbusses vor der Neckarsulmer Halle. Auch auf dem Feld der Ballei kam Blomberg-Lippe von Anfang an richtig ins Rollen. Dabei hatte es für die HSG schon vor dem Anpfiff schlecht angefangen. Bei Blomberg fiel die zentrale Angriffsachse aus. Nach Spielmacherin Nele Franz, die sich einen Kreuzbandriss zugezogen hat, fehlte auch Kreisläuferin Laura Rüffieux krankheitsbedingt. Davon war aber in Neckarsulm gar nichts zu merken. Die Defensive der Sport-Union ließ dem Gast aber auch Lücken, die zum Teil auch zum Einparken für den HSG-Mannschaftsbus gereicht hätten.

Blomberg hat es oft zu einfach

Der Plan, den guten Kontrahenten mit einer extrem offensiven Deckung auszubremsen, ging absolut nicht auf, weil die Abwehr viel zu statisch stand. Eine freie Blombergerin nach der anderen rauschte auf Keeperin Sarah Wachter zu. Weil Neckarsulm aber offensiv ebenfalls aufs Gas drückte, war es bis zum 6:6 von Lynn Knippenborg in der siebten Minute ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Der Neckarsulmer Leaderin war der Ballast einer unbefriedigenden Länderspiel-Reise mit der Niederlande aber zunächst durchaus etwas anzumerken. Nach zwei Fahrkarten von ihr setzte sich die HSG auf 8:6 ab (10.). Logvin zog mit einer Auszeit die Bremse. Die Deckung stellte die 47-Jährige aber nicht um. Und auch an der Abwehr-Arbeit änderte sich nichts. Zumindest nicht langfristig. Zwar gelangen tatsächlich mal ein, zwei Ballgewinnen - nach dem 13:15 (20.) schlingerte die Sport-Union aber innerhalb von fünf Minuten zum 15:21. Hinzu kam, dass weder Wachter noch Isabel Gois mal die Hand an einen Ball brachte. Logvin ließ in der Abwehr auf 6:0 wechseln und ihr Team schrammte letztlich mit einem 18:23 in die Pause.

Tanja Logvin fand die richtige Ansprache, "ich werde sie aber nicht Wort für Wort wiedergeben". Sie dürfte deftig ausgefallen sein. Und wirkte. Denn ihre Neckarsulmerinnen kamen wie verwandelte aus der Kabine. In 5:1-Formation standen sie plötzlich felsenfest. Und Wachter war im Kasten zudem immer wieder auf dem Posten.

Neckarsulm schafft die späte Wende, kassiert aber noch den Ausgleich

Nach 35 Minuten war die Sport-Union zum 24:24 gespurtet, spielte nun den gefürchteten Tempo-Handball der HSG, die bei 31:27 (43.) schon abgehängt schien. Doch der gute Gast gab auch beim Neckarsulmer 34:31 sechs Minuten vor der Schlusssirene noch nicht auf und fightete sich zum 34:35. Auch der letzte Siebenmeter zum verdienten 35:35-Ausgleich saß. Ein Punkt für jedes Team.

SU Neckarsulm: Gois , Wachter - Kalmbach, Nooitmeer (2), S. Mann, Hendrikse (8/1), Knippenborg (8/4), Lütke, Stockschläder (2), Espinola Perez (8), Kooij (5), Nieuwenweg, Kretzschmar (2). Beste Werferinnen HSG: Michalczik (12/6),Agwunedu (6), Pettersson (6).

Siebenmeter: SUN 5/6, HSG 6/6.

Zeitstrafen: 1/3.

Zuschauer: 738.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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