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Komplettversagen in der zweiten Hälfte kostet Neckarsulmer Bundesliga-Frauen Traum vom Final Four

Die Sport-Union Neckarsulm verspielt eine 19:13-Pausenführung im Pokal-Achtelfinale gegen Oldenburg und verliert mit 29:34.

Stephan Sonntag
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Komplettversagen in der zweiten Hälfte kostet Neckarsulmer Bundesliga-Frauen Traum vom Final Four

Sehr lange verschwanden die Geschlagenen nach Spielende in der Kabine. Tanja Logvin war als Psychologin gefordert. Die Neckarsulmer Trainerin wollte von ihren Spielerinnen wissen, was in der zweiten Hälfte los war. Wie aus einer 19:13-Halbzeitführung eine 29:34-Niederlage werden konnte. Wie ihr Team von der Siegerstraße Richtung DHB-Pokal-Viertelfinale abkommen konnte. Wie eine Halbzeit gegen einen offensiv sehr überschaubar aufgestellten VfL Oldenburg mit 10:21 verloren werden konnte.

Sehr viel schlauer war die 47-Jährige nicht, als sie 20 Minuten später wieder aus den Katakomben der Ballei auftauchte: "Klare Antworten habe ich keine bekommen."

Zweite Hälfte, die viele offene Fragen zurücklässt

Es wird sich wohl nie restlos aufklären lassen, warum nach der furiosen Schlussphase der ersten 30 Minuten ab dem Wiederanpfiff die ganze Mannschaft das Handballspielen verlernt hatte. Kontrollverlust, Komplettversagen, Katastrophe - der Dreiklang einer zweiten Hälfte, die viele offene Fragen zurücklässt. "Sie hatten keine Kontrolle mehr über ihre Körper", erklärte Logvin simpelste Fehlpässe und Fangfehler. "Sie hatten Angst zu verlieren", versuchte sie die augenscheinliche Lähmung zu erklären.

Oldenburgs Trainer Niels Bötel betonte natürlich, wie sehr sich seine Spielerinnen in der "Abwehr reingehauen" und ab der 31. Minute "maximal an den Plan gehalten" hätten. Doch nicht nur Neckarsulms Rückkehrerin Nele Reimer konstatierte: "Das Spiel haben wir aus der Hand gegeben." Nicht der Gegner hat es der Sport-Union entrissen. Eine Erklärung dafür, wie die zustande kommen konnte, hatte die 25-Jährige auch nicht.

Nele Reimer hat bei Rückkehr anfangs richtig Spaß

Ihr erster Auftritt im Neckarsulmer Trikot in der Ballei seit Februar 2020 war ein Stück weit sinnbildlich für den Spielverlauf. In der 20. Minute für die indisponierte Lucie-Marie Kretzschmar eingewechselt, erzielte Reimer mit ihrer ersten Aktion den 12:12-Ausgleich (21.). Ihr zweiter Wurf zappelte zum 15:12 (27.) im Netz. "Es hat richtig Spaß gemacht, hier wieder vor den Fans zu spielen", sagte Reimer.

Mit der Rückraumlinken auf dem Feld legte die Sport-Union einen 8:1-Lauf bis zum Seitenwechsel hin. Hätte der erste Durchgang ausnahmsweise mal 35 Minuten gedauert, die Partie wäre wohl früh entschieden gewesen. Ein Spitzenteam hätte die Euphorie mitgenommen, wäre selbstbewusst aufs Spielfeld zurückgekommen und hätte den Job zu Ende gebracht.

Ohne Intensivität in die zweite Hälfte

"Ich habe in der Pause gesagt, die zweite Hälfte geht wieder bei 0:0 los", hatte Logvin genau diese Intensivität eingefordert. Dass sich ihr Team bereits zu siegesgewiss wähnte, verneinte sie. Dass sie ihre Truppe aber bereits gut drei Minuten nach Wiederanpfiff und drei Gegentoren zum 19:16, in einer Auszeit schon wieder zusammenrufen musste, hätte sie nicht gedacht. "Danach wurde es vor allem noch schlechter", gab Logvin zu.

Auch für Nele Reimer. Sie verzeichnete ihren ersten Fehlwurf - ein Not-Abschluss bei angezeigtem Zeitspiel. Bis zur 39. Minute war ihre Abschlussquote von 100 auf 33 Prozent gesunken. Immerhin stemmte sie sich gegen die Niederlage, verkürzte in der 42. Minute zum 21:22 und in derselben Minute zum 22:23. Bis zum 25:26 (47.) blieb die Sport-Union auf Schlagdistanz, doch dann schwammen die Felle und damit die Träume von der erstmaligen Teilnahme am Final Four in Stuttgart endgültig davon. Mit einem 5:0-Lauf zum 31:25 (54.) entschieden die Gäste die Partie endgültig.

Tanja Logvin hatte das Unheil kommen sehen. Beim 25:28 (50.) versuchte sie ein letztes Mal, ihre Mannschaft wieder auf Kurs zu bekommen. "Ich hätte gerne noch eine vierte Auszeit gehabt", sagte sie hinterher. Die gibt es aber ebenso wenig wie eine Alternativroute zum Final Four nach Stuttgart.


Sport-Union Neckarsulm: Gois , Wachter - Kalmbach, Nooitmeer, Mann (2), Hendrikse (1), Knippenborg (3/2), Lütke (2), Stockschläder (4), Reimer (4), Espinola Perez (9), Kooij (3), Nieuwenweg, Kretzschmar (1).

Beste Werferinnen des VfL: Pichlmeier (13/3), Schirmer (4).

Siebenmeter: SUN 2/2, VfL 7/6.

Zeitstrafen: 3/2.

Schiedsrichter: Markus Kaub, André Kolb.

Zuschauer: 385.

 
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