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Für Irene Espinola Perez ist die Weltmeisterschaft auch eine Herzenssache

Die Neckarsulmer Top-Torschützin steht bei ihrer Heim-WM in Spanien vor einem ganz besonderen Turnier. Mit der Rückraumspielerin will Spanien wieder zur internationalen Spitze aufschließen.

Dominik Knobloch
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Herzenssache, ganz nah am Ort der ersten Liebe
Daumen hoch: Neckarsulms Irene Espinola Perez steht mit der spanischen Nationalmannschaft vor ihrem ersten großen Turnier. Foto: Imago Images/Marco Wolf

Als Irene Espinola Perez mit 16 Jahren noch nahe der Costa Blanca wohnte, da hätte sie nie zu träumen gewagt, einst als Auslandsprofi zur Heim-WM an die spanische Küste zurückzukehren.

Der ambitionierte Club Elda Prestigio hatte zwar schon damals eine stattliche Ausbildungsentschädigung von annähernd 4000 Euro für die Dienste der talentierten Linkshänderin an ihren Heimatverein BM Almuñécar überwiesen. Doch dass es Espinola Perez 2017 nach Deutschland in die Bundesliga ziehen sollte, wo sie sich nach ihrem Wechsel zur Sport-Union Neckarsulm in den Fokus von Spaniens Nationaltrainer spielen würde, war nicht abzusehen.

Als 16-Jährige hatte die Rückraumspielerin eher Schmetterlinge im Bauch

Die wurfgewaltige Rückraumspielerin selbst hatte als 16-Jährige ohnehin eher Schmetterlinge im Bauch, als große Karriere-Pläne im Hinterkopf. "In Elda hatte ich meinen ersten Freund. Ich kenne viele Leute in der Region", erinnert sie sich mit einem Lachen. Nur unweit des Orts der ersten Liebe wartet nun ebenfalls eine echte Herzenssache. In Gruppe H der Weltmeisterschaft wartet in Torrevieja am Mittwochabend (20.30 Uhr) Argentinien zum Eröffnungsspiel. Irene Espinola Perez steht im spanischen Kader und vor ihrem ersten großen Turnier. Die 28-Jährige ist eine Spätberufene bei las Guerreras, den Kriegerinnen, wie sich die Gastgeberinnen nennen. Zumindest verbal hat die stets freundliche Nummer 51 aber wenig mit einer Kriegerin gemein.

"Es ist die erste Frauen-WM im eigenen Land in der Geschichte von Spanien. Ich war wirklich überrascht von der Nominierung", sagt die Bescheidene in mittlerweile sehr manierlichem Deutsch vorsichtig zur historischen Tragweite der WM. Dass ihre Familie und viele Freunde mit vor Ort sein werden, versteht sich von selbst. Auch Vereinstrainerin Tanja Logvin schaut natürlich ganz genau darauf, was die Neckarsulmer Toptorschützin im spanischen Trikot zeigt.

Tanja Logvin hat die letzten Prozente aus Espinola Perez herausgekitzelt

Die WM-Generalprobe beim Vier-Nationen-Turnier in Madrid war ein äußerst erfreulicher Anblick, weiß Logvin: "Irene war mit sechs Toren im Spiel gegen Polen MVP - sie spielt momentan hervorragend. Das hat auch mir als Trainerin gut getan."

Schließlich hat erst Tanja Logvin die letzten Prozent aus Irene Espinola Perez, die schon seit 2018 im Kader der Sport-Union steht, herauskitzeln können. "Ich finde, mittlerweile ist sie eine der besten im linken Rückraum bei der ganzen Weltmeisterschaft. Jetzt muss sie das bei ihrem ersten großen Turnier auf dem höchstem Niveau aber auch zeigen", sagte Neckarsulms Trainerin.

Spanien will wieder zur internationalen Spitze aufschließen

Das gilt nicht nur für Espinola Perez, sondern den gesamten Kader des spanischen Gastgebers. Die Guerreras sind seit 2007 zwar in jede Schlacht gezogen, haben an zehn Weltmeisterschaften teilgenommen. Nach WM-Silber vor zwei Jahren in Japan ist das Niveau aber merklich gesunken. 2020 gab es sowohl bei der EM, als auch bei den Olympischen Spielen nur einen schwachen neunten Platz.

Irene Espinola Perez war bei diesen Turnieren noch nicht dabei. Mit der Neckarsulmerin will Spanien wieder zur internationalen Spitze aufschließen. Für die Nummer 51 ganz nah am Ort der ersten Liebe eine echte Herzenssache.

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