Gala-Viertelstunde genügt

Handball  Dank eines bestechenden Zwischenspurts kommt Frauen-Bundesligist Neckarsulm zum 36:29 gegen Leverkusen und den eigenen Fans in der Ballei endlich wieder näher.

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Jubelstimmung, nicht nur bei Neckarsulms Trainerin Tanja Logvin (rechts). Die Sport-Union sorgt besonders mit einem beherzten 8:0-Lauf in der ersten Hälfte für Stimmung in der Ballei.

Foto: Mario Berger

Lange hatten die Neckarsulmerinnen darauf warten müssen. Doch dann war die Zeit des Corona-Geisterzuges in ihrer Ballei vorbei. Satte elf Heimsiege hatte die Sport-Union vergangene Bundesliga-Saison auf dem Weg zum starken sechsten Platz eingefahren. Allesamt auf dem Boden sitzend und eine Lokomotive imitierend gefeiert. Spielerin hinter Spielerin, wie auf Schienen zu zwei Punkten. Aber eben ohne einen einzigen Fan in der Neckarsulmer Halle.

Ein Tänzchen in Ehren

Nach dem 36:29 (22:13) gegen Leverkusen waren die Zuschauer am Samstagabend jedoch voll da. Geimpft, genesen oder getestet. Und bestens gelaunt. 728 feierten den zweiten Erfolg in der dritten Partie der laufenden Runde frenetisch. Kapitänin Nathalie Hendrikse gab die Richtung vor, als sie ihr tanzendes Team zum Klatschen von den Rängen von links nach rechts dirigierte. "Die Atmosphäre und die Emotionen sind einfach ganz anders", sagte Neckarsulms Identifikationsfigur Selina Kalmbach.

Die Frau aus Abstatt genoss es, nach dem Spiel "wieder in den Austausch mit den Fans zu kommen, sich zu unterhalten - natürlich mit etwas Abstand". Gesprächsthema Nummer eins war der beherzte Neckarsulmer Zwischenspurt in der ersten Hälfte. Denn passend zur Gala-Stimmung nach der Schlusssirene hatte es auf dem Feld vorab auch Gala-Minuten gegeben. 14 davon genügten den Neckarsulmerinnen, um noch in der ersten Hälfte die Weichen klar auf Sieg zu stellen.

Überragende Wachter im Tor

In der Anfangsviertelstunde hatte allerdings noch nicht allzu viel darauf hingedeutet. Die 3:2:1-Deckung war oftmals zu langsam, Tempospiel kam im Neckarsulmer Angriff kaum auf. Folgerichtig lag die Sport-Union nach 16 Minuten mit 7:8 hinten. Doch dann drehte das Team von Trainerin Tanja Logvin richtig auf, drückte mächtig aufs Tempo. Angetrieben von einer überragenden Sarah Wachter im Kasten, die in der ersten Hälfte mit zehn Paraden und eine Quote von mehr als 43 Prozent gehaltener Bälle glänzte. So kam Leverkusen nicht mehr zum Luft holen, die Sport-Union spurtete mit einem 8:0-Lauf zum 14:8 (22. Minute) und spielte sich vor den begeisterten Fans in einen Rausch.

"Wenn du so einen Lauf hast, dann wird das durch die Fans nochmal viel mehr", sagt Selina Kalmbach zur komfortablen und fast schon vorentscheidenden 22:13-Pausenführung. "Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt und viele Fehler provoziert", lobte hinterher auch Logvin. In der Pause hatte die Trainerin dennoch gemahnt, nicht auf den Vorsprung zu achten, sondern so zu spielen, als stünde es noch 0:0. Vergeblich.

Gute Moral bewiesen

Die Leverkusenerinnen kamen deutlich lebhafter aus der Kabine. Bayer war das bessere, aggressivere Team. Und Neckarsulm deutlich schlechter als noch vor dem Seitenwechsel. Auch zwei Auszeiten von Tanja Logvin änderten nichts daran, dass ihre Sport-Union den schon geschlagen geglaubten Gegner wieder bis auf 25:27 (46.) herankommen ließ.

Es war Neckarsulms erfolgreichste Werferin, Irene Espinola Perez, die mit dem satten 28:25 die neuerliche Wende markierte. Gestützt auf die umsichtige Leaderin Lynn Knippenborg marschierte Neckarsulm mit guter Moral zum 31:25 (52.) und der endgültigen Vorentscheidung. Zwar gab sich Bayer um die beiden Besten, Zoe Sprengers und Naina Klein, bis zum Ende nicht auf. Gefährlich wurde der Gast aber nicht mehr. Die Neckarsulmer Fans durften sich schon früh auf die Siegesfeier einstimmen. "Mit diesem Publikum können wir sehr viel erreichen", sagt Logvin stolz.


SU Neckarsulm: Gois (1 Parade), Wachter (11) - Kalmbach (3 Tore), Nooitmeer, Hendrikse (4), Knippenborg (7/1), Gautschi, Stockschläder (5), Espinola Perez (8), Kooij (2), Nieuwenweg (2), Kretzschmar (5).

Bester Werferinnen Leverkusen: Sprengers (10/3), Klein (8).

Siebenmeter: SUN 1/2, LEV 6/7.

Zeitstrafen: 6/1. Zuschauer: 728.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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