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Frei vom Free-TV machen

Die Neckarsulmer Bundesliga-Handballerinnen müssen Fernseh-Fokus bei ihrer Pflichtaufgabe gegen Buchholz-Rosengarten ausblenden. Mehr Sorgen bereitet ohnehin der ausgedünnte Kader.

Dominik Knobloch
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Frei vom Free-TV machen
Lucie-Marie Kretzschmar (am Ball) muss sich gegen Buchholz-Rosengarten durchkämpfen. Die Neckarsulmer Halblinke spielt trotz Schmerzen im Knie. Foto: Andreas Veigel

Die große Herausforderung für Neckarsulm heißt nicht HL Buchholz-Rosengarten. Wenn der punktlose Bundesliga-Letzte an diesem Freitag (19.30 Uhr) zur Sport-Union kommt, wartet der deutlich gefährlichere Gegner direkt neben dem Spielfeld der Ballei. Und zwar mit beachtlichem Aufgebot.

Das Fernseh-Team von Eurosport wird zum zweiten Mal in der Neckarsulmer Halle sein und die Partie live im Free-TV übertragen. Bei der Premiere im April während der vergangenen Saison gegen Blomberg-Lippe lähmte die große Bühne die Neckarsulmerinnen so sehr, dass sie von der HSG auf dem eigens für die Fernsehübertragung verlegten blauen TV-Boden mit 26:34 vorgeführt wurden. "Das war ja grottenschlecht von uns", war das einzige, was der konsternierte Vorsitzende Rolf Härdtner damals über die Lippen brachte.

Trainerin Tanja Logvin will gegen das Schlusslicht keine Ausreden

Nun hat Buchholz 08-Rosengarten sicher nicht die Qualität von Blomberg-Lippe - trotzdem sollte sich die Sport-Union diesmal deutlich freier vom Gedanken ans Free-TV machen. Trainerin Tanja Logvin will daraus aber lieber kein allzu großes Thema machen: "Wir denken nicht ans Fernsehen, sondern ans Gewinnen." Und das ist für die 47-Jährige gegen das Schlusslicht Pflicht: "Ich will keine Ausreden, sondern eine Antwort."

Vor allem die Defensivleistung der Neckarsulmerinnen warf in den jüngsten beiden Begegnungen unangenehme Fragen auf. 41 Gegentore bei der Pleite im ungleichen Duell mit Bietigheim, 35 im Remis gegen Blomberg-Lippe - "das war ein Chaos in der Abwehr", moniert Logvin. "Da müssen wir wieder unsere Linie, unser Spielkonzept finden", sagt sie zum Ungleichgewicht zwischen dem drittbesten Wert bei erzielten Treffern (192) und satten 204 Gegentoren - mehr als jede andere Mannschaft. Buchholz-Rosengarten mit den wenigsten Toren der Liga kommt sicher nicht ungelegen, um die Neckarsulmer Defensive ein bisschen aufzubauen. Ein Hoffnungsmacher hierfür war zuletzt immerhin die formstarke Sharon Nooitmeer.

Lucie-Marie Kretzschmar kann nur angeschlagen in die Partie gehen

Schnell gefunden ist definitiv die Neckarsulmer Aufstellung. "Es wird sehr schwer für uns, dem breiten Kader des Gegners Paroli zu bieten", ließ sich HL-Trainer Dubravko Prelcec auf der Homepage der Gäste zitieren und brachte Tanja Logvin damit zum Schmunzeln: "Vielleicht haben sie das Zitat aus einem alten Vorbericht kopiert."

Breit sind bei der Sport-Union aktuell maximal die Lücken in der Abwehr und vor allem auf der Auswechselbank. Lucie-Marie Kretzschmar, die letzte einsatzfähige, nominelle Halblinke im dünnen Neckarsulmer Kader, kann zudem nur angeschlagen in die Partie gehen, aber "sie wird spielen", versichert ihre Trainerin.

Neckarsulm steht kurz vor, Verstärkung für seine Problemzone zu finden

Unabhängig von Schmerzen im Knie tut sich die 21-Jährige nicht leicht mit der Last als Alleinunterhalterin auf der Königsposition. Die wiedergenesene Sophie Lütke hat dort in Bietigheim zuletzt zwar manierlich ausgeholfen, eine echte Shooterin ist sie als gelernte Spielmacherin aber genauso wenig wie Leaderin Lynn Knippenborg. Gut denkbar, dass Tanja Logvin erneut auf kreative Lösungen wie zwei Kreisläuferinnen setzt. Sie ist sich mit Blick auf Buchholz-Rosengarten dennoch sicher: "Das wird kein Problem werden, wir müssen ganz einfach gewinnen."

Trotzdem stünde sie Sport-Union kurz davor, für die Problemzone auf halblinks Verstärkung zu finden, verrät die Neckarsulmer Trainerin. Zwar will sie noch keine Namen nennen, aber ein Abschluss für eine naheliegende Einigung stünde unmittelbar bevor. Für das Duell mit Buchholz-Rosengarten habe der Transfer aber noch nicht geklappt und die potenzielle Neue wird an diesem Freitag auch noch nicht in der Neckarsulmer Halle zu sehen sein.

Erstmals mit 2G

Gegen die HL Buchholz-Rosengarten setzt die Sport-Union an diesem Freitag erstmals auf eine 2G-Regel. Zugang zum Bundesliga-Spiel der Neckarsulmerinnen erhalten nur noch Geimpfte oder Genesene und dürften ab der erfolgreichen Kontrolle auf eine Maske verzichten. Ausnahmen gelten für Kinder bis zum Alter von fünf Jahren sowie schulpflichtige Kinder, die lediglich ihren Schülerstatus nachweisen müssen. Auch Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft sind, dürfen mit ärztlichem Attest und Schnelltest kommen.

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