Erster Test mit Fans für Neckarsulmer Frauen: Stimmiges Tempo, ausbaufähige Stimmung

Handball  Den Neckarsulmerinnen gelingt im ersten Testspiel vor Zuschauern ein lockerer 48:23-Sieg gegen Herzogenbuchsee. Die Fans waren aber noch nicht in Bundesliga-Form.

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So viele Freiheiten wie im Testspiel am Donnerstagabend genießt Neckarsulms Kreisläuferin Jill Kooij (Mitte) sonst eher nicht.

Foto: Andreas Veigel

Es war eine Trainingseinheit. Für die Spielerinnen. Aber auch für die Fans. Während die Neckarsulmer Bundesliga-Handballerinnen früh in der Vorbereitung bereits im Vollgasmodus unterwegs waren, blieben die Zuschauer am Donnerstagabend in der Ballei doch reichlich verhalten. Nach dem monatelangen Bann aus der Halle brauchen auch die Anhänger offenbar noch eine gewisse Anlaufzeit, um stimmungsmäßig wieder auf Bundesliganiveau zu kommen.

Ganz sicher nicht auf Bundesliganiveau war der Neckarsulmer Gegner. Der HV Herzogenbuchsee spielt in der Schweiz zwar auch in der höchsten Liga, war aber beim 23:48 (9:24) nicht mal ein Sparringspartner für die Gastgeberinnen.

Dynamischer und explosiver Handball

"Wir waren hier, um zu lernen. Um visuell zu erfahren, wie dynamisch und explosiv Handball gespielt werden kann", brachte HVH-Trainer Alex Milosevic die Ansprüche der Gäste auf den Punkt. Der frühere U21-Weltmeister mit Jugoslawien hat den Beinahe-Absteiger zu Saisonbeginn übernommen. Sein Sohn Alen kennt den deutschen Handball bestens, bereits seit 2013 spielt er für Bundesligist SC DHfK Leipzig. "Für Neckarsulm war das heute ein lockeres Training. Individuell waren sie uns haushoch überlegen", sagte Milosevic.

Genau das wollte auch Neckarsulms Trainerin Tanja Logvin sehen. "Ein Abwehrspieler ist kein Abwehrspieler", lautete eine ihrer Losungen für die Partie. Sprich: Die Eins-gegen-Eins-Situationen hatten ihre Spielerinnen zu suchen und mit Zug zum Tor zu gewinnen. Rückpässe waren verboten. In höchstem Tempo sollte so schnell wie möglich die Abschlusssituation gefunden werden.

Schludrigkeit in der Defensive ab Mitte der zweiten Halbzeit

Das gewünschte Endresultat hatte die ehemalige Weltklassespielerin ebenfalls parat: 50:15. Dass es nicht ganz erreicht wurde, war dem hohen Tempo und einigen damit einhergehenden Ballverlusten in der Offensive geschuldet. Und einer gewissen Schludrigkeit in der Defensive ab Mitte der zweiten Halbzeit. "Da passt die Abstimmung noch nicht immer. Wir haben aber zum Glück ja noch genügend Zeit, daran zu arbeiten", sagte Spielmacherin Lynn Knippenborg.

Der Kopf des Teams stand zwar nur zu Beginn und in der Schlussphase auf dem Feld, war aber die Protagonistin in der Szene des Tages. In der zehnten Minute blieb der Ball nach einer Parade von Torhüterin Sarah Wachter auf der Kreislinie liegen. Entspannt fragte Knippenborg den Schiedsrichter, ob sie den Ball aufnehmen dürfe. Sie erhielt keine Antwort. Sie fragte ein weiteres Mal. Wieder keine Reaktion. Also schnappte sie sich die Kugel und prompt ertönte der Pfiff. "Er wollte wohl mal zeigen, wer hier der Chef ist", kommentierte die Niederländerin die skurrile Szene hinterher lachend. "In einem engen Spiel wäre ich ausgerastet."

Von den Neuzugängen ragte Linksaußen Johanna Stockschläder heraus, die das Neckarsulmer Gegenstoßspiel in neue Geschwindigkeitsspähren bringt. Die erfahrene Sophie Lütke überzeugte hinten wie vorne mit der Klarheit in ihren Aktionen. "Ich habe aktuell eine Luxussituation und kann wild durchwechseln", freute sich Logvin über ihren breiten Kader.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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