Ein Sieg der Sport-Union in Metzingen ist keine Utopie mehr

Handball  Neckarsulmer Frauen sehen sich vor dem Bundesliga-Derby nicht mehr als Außenseiter. Espinola Perez und Nooitmeer sind angeschlagen.

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Leaderin Lynn Knippenborg und ihre Neckarsulmerinnen wollen sich diesmal auch vom großen Nachbarn nicht stoppen lassen und endlich den ersten Sieg im Duell mit Metzingen schaffen.

Foto: Andreas Veigel

Neckarsulm hat sich dem einst weit entfernten Nachbarn Schritt für Schritt angenähert. Wenn die Sport-Union an diesem Samstag ab 19.30 Uhr bei der TuS Metzingen antritt, sind die Rollen längst nicht mehr so klar verteilt wie in der Vergangenheit. Favorisiert ist zwar weiter der Vorjahresdritte - zumal in der heimischen Ösch-Halle. Als Außenseiter macht sich das Team von Trainerin Tanja Logvin aber auch nicht auf die kurze Auswärtsfahrt. Vorbei sind die Tage, als Zählbares in Metzingen bloße Träumerei war.

Bereits in der vergangenen Bundesliga-Saison fehlten den Neckarsulmerinnen dort tatsächlich nur zwei Tore zu einem Remis. Damals beim 22:24 gaben die Gäste einen zwischenzeitlichen 19:13-Vorsprung in den letzten 20 Minuten noch aus der Hand und damit die große Chance, das große Metzingen erstmals zu bezwingen. "Nicht Metzingen hat das Spiel gewonnen, wir haben es selbst verloren. 45 Minuten waren wir Extraklasse, dann hat die Angst vor der eigenen Courage unser Angriffsspiel gelähmt", sagte eine frustrierte Logvin Mitte Januar.

Logvin: Wir sind dank unserer Routine auf Augenhöhe

Jetzt "spielen wir dort um zwei Punkte und werden alles dafür tun", betont die Neckarsulmer Trainerin. Nach zwei Siegen in Folge, zuletzt durchaus überzeugend mit 36:29 gegen Leverkusen, sieht sei keinen Anlass, ihre Sport-Union kleinzureden: "Wir sind auf Augenhöhe, das kann ich auf jeden Fall betonen." Besonders die größere Routine im Neckarsulmer Team macht der 47-Jährigen Mut: "Metzingen hat viele neue Leute, sucht sich noch, ist nicht ganz gut eingespielt - das müssen wir unbedingt ausnutzen."

Unverändert soll die Rolle von Neckarsulms Keeperin Sarah Wachter in Metzingen bleiben. Bereits beim jüngsten Gastspiel war sie es, die die Siegeschance mit überragenden Paraden überhaupt so lange am Leben hielt. Auch aktuell ist die 21-Jährige in bestechender Form. "So wie Sarah gerade steht, ist es hervorragend für uns. Mehr kann man sich nicht wünschen", lobt Tanja Logvin ihre Torhüterin.

Gegen den Thüringer HC ohne Körpersprache

Wenig Lob hatte sich zuletzt hingegen Metzingen verdient. Das jüngste 23:31 beim Thüringer HC war erschreckend schwach. "Da war keine Körpersprache, ich habe sie nicht wiedererkannt und war negativ überrascht", sagt Logvin zu ihrem Videostudium und warnt genau deshalb: "Die werden sich gegen uns zeigen wollen."

Zu sehen sein sollte im immer enger werdenden württembergischen Wettlauf jedenfalls richtig Tempo. Denn beide Teams setzen verstärkt auf schnelles Spiel. Das war bereits bei einem Vorbereitungsspiel des Duos Mitte August klar zu erkennen. Bis zum 18:16-Pausenstand gab Neckarsulm schwungvoll den Takt vor, ehe die Metzingerinnen aufs Gas drückten und noch ein 35:31 über die Ziellinie brachten. "Man sieht natürlich, dass die Mannschaft müde ist", hatte Tanja Logvin damals kein allzu großes Problem mit dem verspielen Ausrufezeichen.

Gautschi kann erneut nicht spielen

Auch aktuell sind ihre Neckarsulmerinnen nicht gerade ausgeruht. Daphne Gautschi wird weiter nicht spielen können, die Belastung auf halblinks somit sehr hoch bleiben. Auf der anderen Rückraumseite wird Shooterin Irene Espinola Perez von hartnäckigen muskulären Problemen geplagt. Sharon Nooitmeer ist im Training umgeknickt. Die Kreisläuferin geht angeschlagen in das Derby.

"Es gibt gerade viele Kleinigkeiten bei uns", sagt die Trainerin zur angespannten Personalsituation, die für sie aber nichts am großen Ziel ändert: "Ich will weiter Kampfgeist und kontinuierliche Leistungssteigerung sehen." Dann könnte es im württembergischen Wettlauf einen anderen Ausgang geben.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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