Der Neckarsulmer Oldie ärgert als Derby-Goldie die TSG Heilbronn
Klaus Werz sichert der Sport-Union Neckarsulm das Verbandsoberliga-Unentschieden gegen die TSG Heilbronn. Der 66-Jährige zeigt, dass im Tischtennis Alter nur eine relative Größe ist.

Schon Udo Jürgens wusste: Mit sechsundsechzig Jahren, da fängt das Leben an, da hat man Spaß daran. Mit 66, da kommt man erst in Schuss, mit 66 ist noch lange nicht Schluss. Das lässt sich aufs Leben allgemein, im Speziellen aber auf Klaus Werz und das Tischtennis beziehen. Mister Tischtennis ist 66 Jahre alt und wird noch immer gebraucht bei der ersten Mannschaft der Sport-Union Neckarsulm in der sechsten Liga.
Gefühlte Sieger und Verlierer
Das zeigte sich auch am Sonntag beim Verbandsoberliga-Derby gegen die TSG Heilbronn vor 180 Zuschauern in der Neckarsulmer Ballei. Werz sicherte Neckarsulm im finalen Einzel das 5:5, weil er gegen Adrian Rybinski einen 0:2-Satzrückstand noch in ein 3:2 verwandelte. „Wir sind der 5:5-Verlierer heute“, sagte Rybinski, der unter dem Nachnamen Klosek schon einige Derbys bestritt, als diese noch in der dritthöchsten Spielklasse ausgefochten wurden.
Zuletzt 2013/14, als sich die Heilbronner schon vor dem Duell in Trikots warmspielten, auf denen in großen Lettern das Wort Derbysieger prangte. Das verwirrte damals die Neckarsulmer dermaßen, dass sie überraschend verloren. Rybinski hat sein Shirt noch daheim, es liegt im Kleiderschrank. „Es passt nicht mehr. Weggeben kann ich das aber nicht.“
Am Sonntag hätte sich das Ding Klaus Werz überstreifen dürfen, obwohl das Derby unentschieden endete und Werz überhaupt nicht gerne im Mittelpunkt steht. Der Neckarsulmer Teamsenior musste als Nummer drei über die Maximaldistanz von 15 Sätzen ran. Er verlor zunächst das Doppel knapp im fünften Satz, bevor er dann beide Einzel im fünften Satz gewann. Das Spiel gegen Marcel Seimen stand dabei unter dem Motto Familienduell. Denn Seimen zählt Werz als Freund der Tochter seiner Cousine zur erweiterten Verwandtschaft. „Er kann viel besser spielen, er war ein bisschen im Kopf blockiert“, sagte Werz hinterher.
Die Heilbronner hatten viele Fans mitgebracht. Die Neckarsulmer Derby-Stimmung mit Trommeln nutzten aber nur die Gastgeber, die alle vier Einzel, die in den fünften Satz gingen, für sich entschieden. „Du musst nicht Bundesliga spielen, damit viel los“, sagte Neckarsulms Spitzenspieler Dominic Schierling, der einen Sahnetag erwischte und im vorderen Paarkreuz beide Boruvka-Brüder entzauberte.
Nächste Woche wird Werz an der Leiste operiert
Mit viel Auge und direkt am Tisch drehte Werz das finale Spiel gegen Adrian Rybinski, um dem Favoriten einen wertvollen Zähler zu rauben. Viele Meter macht Werz nicht mehr. Das hat seine Gründe. Vor drei Jahren wurde Werz an der rechten Leiste operiert. Nächste Woche muss der Leistenbruch auf der linken Seite operativ behoben werden. „Wenn das alles ist, was im Alter kommt…“, sagte Werz und grinste.
m Juni stehen die deutschen Seniorenmeisterschaften an. „Da will ich wieder fit sein“, sagte Werz. Ein Karriereende ist nicht in Sicht. Sein Team braucht ihn auch nächstes Jahr in der Verbandsliga. Der Neckarsulmer Abstieg ist als Vorletzter besiegelt. Zu oft gingen Spiele knapp mit 4:6 verloren, zum Beispiel auch im Hinspiel trotz einer 4:2-Führung. So ist das 5:5 eine kleine Revanche. Eine schmerzhafte aus Heilbronner Sicht. Der Abstiegsrelegationsrang ist gefährlich nah. „Das wird eng bis zum letzten Spieltag“, ist sich Heilbronns Andreas Bieg sicher. Müssten beide Teams runter, gäbe es auch nächstes Jahr wieder das Derby. Sicher mit Klaus Werz, der im Dezember 67 wird.
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