Hochsprung-Olympiasieger Hamish Kerr in Heilbronn: „Es ist schon ein sehr sehr cooles Leben“
Der 28-jährige Olympiasieger von Paris reist mit seinem Trainer und sehr guten Freund James „Jimmy“ Sandilands um die Welt. Warum Heilbronn in seinem Terminkalender eine besondere Bedeutung hat.

Der Erste zu sein, schmeichelt der Sportlerseele. Der Erste zu sein, der in seiner Disziplin olympisches Gold gewinnt, ist allerdings eine andere Stufe, sie verändert mitunter ein Leben. Wenn Hamish Kerr am Sonntag (14.15 Uhr) auf dem Marktplatz bei Hochsprung Heilbronn angekündigt wird, ist es auf den Tag ein Jahr her, dass er im Stade de France von Saint-Denis seinen Olympiasieg gefeiert hat. Als erster neuseeländischer Hochspringer.„Es war zunächst ein Traum, der in Erfüllung ging – mein Land zu vertreten und dann auch noch zu gewinnen“, sagt Hamish Kerr.

Veränderungen seit dem Traum von Paris
Was sich seither verändert hat? „Die Art und Weise, wie ich mich selbst betrachte. Mein Selbstvertrauen ist enorm gestiegen. Ich habe immer gedacht, dass ich ein großartiger Athlet wäre, wenn ich je so einen großen Wettbewerb gewinnen würde. Und mir wurde klar, dass ich gut genug war, das zu erreichen. Das hat mich als Person enorm wachsen lassen.“ Auch in Heilbronn werden sie den 28-Jährigen als Olympiasieger begrüßen. Sein Weltmeister-Titel in der Halle (2024), sein Sieg bei den Commonwealth Games (2022) oder seine Triumphe bei den Ozeanienmeisterschaften (2022 und 2019) sind eher schmückendes Beiwerk. Olympia überstrahlt nun mal alles.
Kerrs Ziel: Andere Menschen inspirieren
Hamish Kerr trägt seit den wundervollen Tagen in Paris noch eine Botschaft in sich, mit deren Erkenntnis er hofft, andere Menschen zu inspirieren. „Man muss nicht ändern, wer man ist. Man muss nur wirklich hart arbeiten, dann wird man alles schaffen. Das war für mich das Wichtigste“, sagt Kerr. Neben dem Wissen, dass „meine Zeit jetzt viel kostbarer ist“. Olympiasieger sind gefragt. Da empfindet es der Mann mit dem Instagram-Namen @therealflyingkiwi – eine Anspielung auf seine Disziplin und Neuseelands flugunfähigen Nationalvogel – als Glück, dass er an der Ostseite der Südinsel in Christchurch wohnt. Für viele das Ende der Welt, für Hamish Kerr der ideale Rückzugsort. Um in Ruhe zu trainieren, aber nicht nur. „Wenn ich am Ende der Saison wieder nach Hause komme, treffe ich einfach ganz viele Leute. Es ist schon ein sehr sehr cooles Leben.“
Aus dem WG-Kumpel wird der Trainer

Eines als Hochsprung-Weltenbummler. Gestern Nizza, heute Heilbronn, morgen Schlesien. Begleitet wird Hamish Kerr auf seiner Tour von James Sandilands, den er nur „Jimmy“ nennt. Zehn Monate vor den Spielen hat sich sein langjähriger Coach Terry Lomax zur Ruhe gesetzt – und Kerr ist einen logischen, wenn auch medial in Teilen kritisch beäugten Schritt gegangen. Die Kumpels und Gegner aus High-School-Zeiten haben zwei Jahre lang zusammen gewohnt. Sandilands ist als Biomechaniker bereits Teil des Kerrschen Teams gewesen. „Er sah sich meine technischen Analysen und Videos an, daher sind wir immer häufiger zusammen gereist und schnell sehr gute Freunde geworden, haben aber auch eine sehr gute Arbeitsbeziehung gefunden.“
Freundin Maddie ist in Heilbronn mit dabei
Daher hat der Rollenwechsel kurz vor dem Großereignis reibungslos geklappt. In Heilbronn wird Hamish Kerr nicht nur von Freundin Maddie Wilson, einer Siebenkämpferin und Hochspringerin mit Bestleistung von 1,87 Meter, begleitet, sondern auch von Jimmy und dessen Frau. „Ich werde also nicht nur von meinem Freund trainiert, sondern reise mit ihm auch um die Welt. Es ist ein ziemlich lustiges Umfeld, das Spaß macht“, sagt Hamish Kerr.

Hochspringer lieben es, im Mittelpunkt zu stehen
Die Freude ist ihm anzusehen. Wie die Lust, in Heilbronn viel zu bieten. Gelöst und gesprächig, aber doch klar konzentriert auf das Wesentliche gibt sich der Neuseeländer. Er betont, dass es ihm wichtig gewesen ist, nach der verregneten Premiere 2023 wieder dabei zu sein. „Eines der ersten Dinge, die ich daher zu Jahresbeginn mit meinem Team besprochen habe, war der Termin für Hochsprung Heilbronn“, sagt Hamish Kerr. „Wir Hochspringer lieben einfach Wettkämpfe, bei denen wir im Mittelpunkt stehen. Und das auf einem so wunderschönen Marktplatz mitten in der Stadt ist speziell. Die großen Arenen sind toll, aber das hier – allein die Atmosphäre ist besonders.“
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