Eine Familie, drei Sportskanonen: Die Khudeedas leben die Special Olympics
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Rozaliya, Danyeel und Hilaf Khudeeda aus Heilbronn haben viele Talente, die sie bei den Special Olympics Landesspielen an verschiedenen Orten täglich zeigen.
Engagiert und enthusiastisch bei den Special Olympics Landesspielen (von links): Onkel Omar Qasim, Rozaliya, Hilaf, Danyeel und Vater Barges Khudeeda.
Foto: Stefanie Wahl
Die Abmachung gilt: Dreht sich Hilaf bei ihrem nächsten Sprint nicht mehr um und wird Erste, lädt ihr Onkel sie ins Kino ein. Wenn das mal kein Ansporn ist, die 100 Meter noch schneller über die blaue Tartanbahn im Frankenstadion zu flitzen. „Ich habe viel trainiert“, sagt Hilaf Khudeeda und weiß exakt, wofür: „Um zu gewinnen.“ Die Achtjährige, die die 2. Klasse der Pestalozzischule besucht, liebt Sport – „und Pause“.
Doch bei den Special Olympics Landesspielen in Heilbronn und Neckarsulm wird im Akkord gesportelt, und Hilafs Papa Barges Khudeeda braucht noch einige Male sein Smartphone für Videos. Denn: Hilaf ist die Jüngste aus dem talentierten Trio der Heilbronner Familie Khudeeda. Allesamt sind sie Sportskanonen. Multitalente, die versiert kicken wie erfolgreich schwimmen, flott mit den Schneeschuhen rennen oder Basketball spielen.
Rozaliya Khudeeda ist eines der Gesichter der Special Olympics Landesspiele
Danyeel Khudeeda ist Schwimmer und startet für die Bunte Sportgemeinschaft (BSG) Neckarsulm – wie seine große Schwester Rozaliya, die ebenfalls im Sportbad Aquatoll antritt. Zudem ist die 18-Jährige eines der Gesichter der Landesspiele und schaut viele von den zahlreichen Werbeplakaten an. „Ich bin sehr stolz auf alle“, sagt Barges Khudeeda.
„Ich bin sehr stolz auf alle.“
Vater Barges Khudeeda
Als er im Februar 2016 seine Familie aus dem Irak nachholt, sind die zwei jüngsten seiner fünf Kinder noch gar nicht geboren. Leicht ist der Start in Deutschland für alle nicht, besonders für die damals neunjährige hörgeschädigte Rozaliya und den sieben Jahre alten Danyeel, der ebenso Probleme hat.
Die BSG Neckarsulm wird zur Familie, in der jeder seinen Platz findet
„Ich habe erst hier ein Hörgerät bekommen, wurde mit den Jahren besser und besser“, sagt der 16-Jährige. Omar Qasim erzählt von einem Angebot für die Familie in der Heimat, das jedoch 30 000 Euro gekostet hätte. Der Sport hilft den Khudeedas. Die BSG wird zur Familie, in der jeder seinen Platz findet. Hier sind sie integriert, erhalten die Chance, ihre Stärken zu entfalten. Ganz individuell.
Mittendrin: Rozaliya Khudeeda, umringt von David Sanzenbacher und Zsuzsanna Dede.
Foto: Stefanie Wahl
Barges Khudeeda kümmert sich um den Vereinsgarten, während sich seine Kinder im Rekordtempo steigern. „Heike Acker ist ein Engel“, sagt Onkel Qasim über die Vorsitzende der BSG. Danyeels Kick ist das Trainingslager in Portugal vor den Special Olympics Weltspielen 2023 in Berlin, wo er zwei Mal am Tag Schwimmen trainiert. „Da hatte ich sehr schöne Momente“, sagt er, „wir waren auch am Strand, haben eine andere Seite der Welt entdeckt.“ Unvergessliche Momente, die sie als Sportler und Mensch selbstbewusster und selbstständiger werden lassen.
Rozaliya Khudeeda hat mit dem Fußball-Nationalteam Bronze geholt
Der kommunikative Teenager hat den Hauptschulabschluss als nächstes schulisches Ziel. Auch Rozaliya Khudeeda hat ihre Schüchternheit abgelegt. Ihr Highlight: Für die Weltspiele in Berlin ist sie als Ersatzschwimmerin nominiert, kommt aber in der Fußball-Nationalmannschaft zum Einsatz – und holt Bronze. Eine Medaille, die in ihrer Sammlung den höchsten Stellenwert genießt. Dem Fußball gehört ihr Herz, heftig schlägt es für Real Madrid und Jude Bellingham. „Ach“, schwärmt Rozaliya Khudeeda, „er ist stark.“
„Das ist ja einmalig, dass man so was in der eigenen Stadt hat.“
Danyeels Khudeeda
Bis Samstag haben aber die Landesspiele Priorität, wo sie vor den Schwimm-Starts sehr aufgeregt ist. Auch, weil sie inzwischen Übungsleiterassistentin ist und ihre Gruppe, die Wasserratten, in Neckarsulm Premiere feiern. Ihr Bruder sagt: „Das ist ja einmalig, dass man so was in der eigenen Stadt hat. Aber es wird noch schöner, wenn man erfolgreich ist.“
Omar Qasim ist seit mehr als zwei Jahren begeisterter Trainer der BSG-Fußballer. Er sagt: „Viele haben mir sehr geholfen und ein besseres Leben ermöglicht. Dafür wollte ich was zurückgeben und mich für die Gesellschaft engagieren. Ich möchte denen helfen, denen kaum jemand hilft. Die Beeinträchtigten werden von der Mehrheit übersehen. Es macht mir viel Spaß zu sehen, wie sie gewinnen“, sagt er und feuert lautstark an.
Extra-Übung
Stolz ist Rozaliya Khudeeda, mit ihrem Schwimmkollegen David Sanzenbacher und Unified-Partnerin Zsuzsanna Dede die Olympische Fackel getragen zu haben. Dafür hatten sie am Sonntag nochmals geprobt. „In Berlin 2023 habe ich sie nur gesehen“, sagt die 18-Jährige, „nun haben wir Fotos gemacht.“
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