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Hockey-Oberliga
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Ein Oberliga-Abstieg wäre kein Weltuntergang 

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Dem jungen Heilbronner Hockey-Team mit vielen Teenagern im Oberliga-Kader hat es in der bisherigen Hallensaison nicht nur an Erfahrung gefehlt.  

Fabian Kraske erzielte zusammen mit seinem Bruder Jakob fünf der sechs Heilbronner Tore.
Fabian Kraske erzielte zusammen mit seinem Bruder Jakob fünf der sechs Heilbronner Tore.  Foto: Mario Berger

Rumms. Direkt nach Spielende musste der Frust raus, nicht nur ein Hockeyschläger flog mit Schmackes gegen Boden oder Hallenwand. Als die Spielgeräte eingesammelt waren, saßen die Akteure des Hockeyclubs Heilbronn auf Turnbänken in der Schuttrainhalle, ihre Blicke gingen nach dem Alles-oder-Nichts-Spiel ins Oberliga-Nichts.Mit dem 6:7 (3:1) gegen den HC Ludwigsburg steht der sofortige Wiederabstieg aus der Hallenhockey-Oberliga in die 1. Verbandsliga quasi fest, außer es gibt noch ein großes Hockeywunder. „Das war schon ziemlich ,Do or Die’ heute“, sagte Trainer Sven Lindemann nach der Niederlage des Schlusslichts gegen den Vorletzten am Samstag, der nun sechs Zähler voraus ist.

Am Ende ausgekontert, dazu eine schlechte Ecken-Verwertung

„Dass wir null Punkte holen, das hätte ich aber auch nicht gedacht“, sagte Sven Lindemann. Das 6:10 (4:4) gegen Tabellenführer Mannheimer HC 2 zum Rückrundenstart am Sonntag hat die Lage auch rechnerisch nicht verbessert. Ein sofortiger Wiederabstieg sei kein Weltuntergang. „Der ist es erst, wenn wir dann nicht gleich wieder aufsteigen“, sagte Lindemann.Sein Team führte bis kurz vor der Halbzeitpause mit 3:0, war klar auf Kurs Heimsieg. In Durchgang zwei setzte es binnen drei Minuten drei Gegentreffer, aus einer 3:2-Führung wurde ein 3:5-Rückstand. Beim Stand von 6:6 ließen sich die Heilbronner zu einfach auskontern, kassierten das entscheidende 6:7.„Mit zwei Hallensaisons mehr triffst du eher die richtige Entscheidung“, sagte Lindemann. Zudem gab es kein Eckentor. „Das ist uns auch noch nicht passiert. Normalerweise haben wir da eine Quote von 70, 80 Prozent“, haderte Trainer Lindemann.Was jedoch noch schwerer wiegt: „Die Mannschaft ist eben wahnsinnig jung, deswegen gehen solche knappen Spiele in der aktuellen Phase verloren“, sagte Lindemann nach dem zweiten Heim-6:7 nacheinander. In den entscheidenden Phasen fehlt es dem jungen Team an Erfahrung, Ruhe und Abgezocktheit. Lindemann sprach von „naiven Fehlern“. Die darf man aber eben auch machen, wenn die halbe Mannschaft noch Jugendliche sind. 

Klemens Barthle ist mit seinen 26 Jahren der zweitälteste im Team mit vielen Teenies. „Wenn du eine Mannschaft entwickeln willst, dann musst du mit einer jungen anfangen“, sagt Trainer Lindemann. Das Gute daran: Da entwickelt sich etwas Vielversprechendes. Am Samstag stachen besonders die beiden Kraske-Brüder hervor. Der 19-jährige Jakob und der 17-jährige Fabian erzielten zusammen fünf der sechs Heilbronner Tore. „Ich finde es prima, dass ich endlich wieder mit meinem Bruder zusammenspielen kann“, sagte Jakob Kraske. In der Jugend waren beide getrennt von Altersstufen unterwegs.

Halle und Feld, das sind im Hockey zwei unterschiedliche Welten

Viele erfahrene Heilbronner Spieler verzichten aufs Hallenhockey. Sie studieren weiter weg, legen den Fokus auf die Feldsaison, die Anfang Mai fortgesetzt wird. Streng genommen sind Halle und Feld eben zwei verschiedene Sportarten mit ganz anderen Schwerpunkten, weshalb es Lindemann und Co. auch nicht als zu gravierend erachten, wenn das Team auf dem Feld in der 4. Liga mithält, in der Halle jedoch aus der 5. in die 6. Liga absteigen muss.

Zu Saisonbeginn gab es keinen Torwart

Die ersten drei Spiele in der Halle gab es zudem ein ganz großes Heilbronner Handicap. Das TSG-Team hatte keinen gelernten Torhüter zur Verfügung. Anton Schick verletzte sich im Training, sein Ersatzmann Marius Büttner weilte im Urlaub. So musste ein Feldspieler zwischen die Pfosten. Ein Job, der beim 6:18 gegen die Mannheimer Bundesligareserve nicht wirklich vergnügungssteuerpflichtig war. Mit Büttner im Tor läuft es besser. „Man sieht eine Entwicklung, die letzten Spiele waren schon enger als die ersten drei“, sagte Klemens Barthle.Nicht nur in der Halle soll etwas heranwachsen. Der neue zweite Hockeyplatz auf dem Gelände am Pfühl kostet 2,3 Millionen Euro, 200 000 Euro davon muss die Hockey-Abteilung selbst aufbringen. Dafür werden unter dem Motto „Kunstrasen säen, Zukunft ernten“, Spenden gesammelt. Erwerben lässt sich per symbolischem Kauf der Quadratmeter Kunstrasen zu 50 Euro.

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