Ein Hockey-Kunstrasenplatz als Neuzugang mit ganz viel Potenzial
TSG Heilbronn investiert viel Geld in ein zweites Kunstrasenfeld, das Ende Juni bespielbar sein soll. Aktuell wird das Spielfeld verlegt.

Aus Daniela Bamberg bricht die Nationalspielerin hervor, die sie einst einmal war. „Da willst du doch sofort einen Schläger in die Hand nehmen und einfach losspielen“, sagt die Erste Vorsitzende des Hockeyclub Heilbronn. Der Streifen Kunstrasenteppich, der an diesem Morgen soeben verlegt wird, er reicht noch nicht für eine ganze Mannschaft. Das wird sich bis Ende Juni ändern, dann sollen hier die mehr als 20 Hockey-Mannschaften der TSG Heilbronn eine zweite Kunstrasenheimat neben dem 15 Jahre alten ersten Spielfeld beziehen.
Es wächst etwas heran beim Hockeyverein Heilbronn, damit Feldhockey sowohl als Breiten- wie auch Spitzensport eine Zukunft in der Stadt hat. Der wichtigste Neuzugang seit Jahren ist zugleich auch der schwerste und teuerste. Vier Meter breit und 55 Meter lang ist jede der Kunstrasenrollen, die jeweils 780 Kilogramm wiegen und in diesen Tagen von der Firma Polytan im Pfühl verbaut werden.
Was die TSG Heilbronn bezahlen muss
2,3 Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt, dessen Machbarkeitsstudie noch aus dem Jahr 2018 stammt. „Wir sind dem Hauptverein sehr dankbar, weil man so etwas als so kleine Sparte ohne Mäzen eigentlich nicht machen kann“, sagt Daniela Bamberg. Die TSG Heilbronn trägt mit 1,673 Millionen Euro den Hauptteil der Kosten. „Das Geld, das wir erwirtschaften, fließt in den Sport, damit die Abteilung Hockey weiterwachsen kann“, sagt Geschäftsführer Marcel Hetzer über den 7500-Mitgliederverein TSG Heilbronn: „Wir stecken unser Geld nicht in Sportler, sondern in die Sportanlagen. Das ist eine Philosophiesache.“
In rund 20 Jahren ist aus einer Kindergartengruppe eine Abteilung geworden, die künftig auf 500 Mitglieder kommen will. Die sollen künftig auf zwei Kunstrasenspielfeldern Bällen hinterherjagen. Beim ersten, 15 Jahre alten Feld, konnte noch mehr in Eigenarbeit passieren. „Da sind wir hier noch selbst mit dem Bagger herumgefahren“, sagt Sportwart Uwe Schöneck.
Hockey-Abteilung muss 200.000 Euro selbst stemmen
Lediglich bei den Stehstufen am Rande des künftigen Hauptspielfeldes konnten die Männerteams mitanpacken. Auf dem Untergrund aus 30 Zentimeter Schotter inklusive Leitungen liegt eine Tragschicht aus Naturstein und Altreifen, auf die nun gerade der grüne Teppich kommt. „Grün als Farbe war eine Auflage des Umweltamts“, sagt Projektplaner Philipp Rothmund. Der Kunstfaserteppich ist wesentlich kürzer als bei einem Fußballkunstrasen und bleibt granulatfrei. Bauprojekte sind heutzutage mit teuren Genehmigungsprozessen verbunden. Wasserproben sind unter anderem nötig, um auszuschließen, dass Mikroplastik in den Pfühlbach oder das Grundwasser gerät, auch 26 Autostellplätze (plus welche für Fahrräder) haben für die TSG Heilbronn die Projektkosten erhöht.
Vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) kommen 183 000 Euro als Fördermittel, die Stadt Heilbronn ist mit 244 000 Euro an den Kosten beteiligt. Die Hockeyabteilung selbst muss 200 000 Euro stemmen. 55 000 davon hat man über verschiedene Aktionen eingesammelt. Es lässt sich zum Beispiel für 50 Euro symbolisch ein Quadratmeter des neuen Kunstrasens erwerben. „Jede Mannschaft muss sich bei uns eine Aktion überlegen, wie wir Geld sammeln“, sagt Daniela Bamberg und hofft auf weitere Sponsoren.
Einweihung in Heilbronn mit Nationalteams - aber erst 2026
Bodenfachinstallateur Mirko Kelava lässt unterdessen mit dem sogenannten Auskammgerät die Nähte zwischen den Rasenbahnen verschwinden. Der Ball darf ja nicht über Kanten hoppeln. „Jeder Teppich ist einzigartig“, sagt Kelava. Das Ganze wird übrigens nicht verklebt, sondern verspannt.
„Hockeyspielfelder verlegen wir fünf, sechs Mal im Jahr“, sagt Kelava über den Rasenfloor, der „Made in Germany“ ist, in Grefrath produziert wurde. Im Sommer soll es ein regionales Turnier als Einweihungsfest geben. Die ganz große Party steigt 2026 „mit den deutschen Nationalmannschaften, dann feiern wir unser 20-jähriges Bestehen mit“, kündigt Bamberg an.
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