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Wie Ukrainer und Russen beim Neckar-Cup miteinander klarkommen

Der Ukrainer-Krieg hat auch Einfluss auf die Sportwelt, das wird beim Tennis-Turnier in Heilbronn deutlich. Über besondere Beziehungen in besonderen Zeiten.

Lars Müller-Appenzeller
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Lesezeit 2 Min
Wie Ukrainer und Russen beim Neckar-Cup miteinander klarkommen
Hat in den vergangenen Wochen mit Oleksii Kruthy in Berlin zusammen trainiert, war mit ihm auf Turnieren in Spanien, Prag und diese Woche in Heilbronn: Rudolf Molleker, der in der Ukraine geboren wurde und dort noch Familie hat. Fotos: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Sie haben die vergangenen Wochen viel Zeit zusammen verbracht, Rudolf Molleker und Oleksii Krutykh. Der Krieg in der Ukraine hat die beiden und ihre Väter zu Freunden gemacht. Im März haben sich die Tennisprofis kennengelernt, in der Türkei, beim Turnier in Antalya. "Als klar war, dass sie wegen des Krieges nicht zurück nach Hause können, haben wir uns für sie um eine Wohnung in Berlin bemüht", sagt Rudolf Molleker, der im ukrainischen Sjewjerodonezk geboren wurde und mit seinen Eltern im Alter von drei Jahren nach Oranienburg kam. Die vergangenen Wochen waren sie oft gemeinsam unterwegs, diese Woche sind sie in Heilbronn - auch beim Neckar-Cup sorgt der Krieg in der Ukraine für Gesprächsstoff. "Wir besprechen das Thema natürlich untereinander", sagt Molleker. Wie kommen Ukrainer, Russen und Belarussen in diesen Tagen bei einem Turnier miteinander klar?

Es mangelt den Konkurrenten nicht an Mitgefühl

Egor Gerasimov aus Belarus zieht es vor, gar nichts zu sagen, weder zu seinem Aus in der ersten Runde, noch zum Krieg. Doch der Russe Alexey Vatutin stellt sich mit einem Seufzen dem Thema: "Es ist eine schwierige Zeit. Aber wir reden mit den Kollegen aus der Ukraine, fragen, wie es zu Hause geht." Das kann Oleksii Krutykh bestätigen. "Eigentlich alle russischen Spieler kommen und sagen, dass es ihnen leid tue und dass sie den Krieg nicht unterstützen." Der 22-Jährige schätzt sich glücklich, nicht im Krieg zu sein, wie sein Kollege Sergej Stachowski. ist froh, dass er sich mit seinem 65 Jahre alten Vater in Sicherheit befindet: "Aber meine Mutter ist in Kiew, sie ist Ärztin in einem Krankenhaus."

Wie Ukrainer und Russen beim Neckar-Cup miteinander klarkommen
"Es ist eine schwierige Zeit", sagt der Russe Alexey Vatutin.  Foto: Berger, Mario

Im Gegensatz zu fast allen anderen Sportarten haben der Weltverband ITF sowie die Organisationen WTA (Frauen) und ATP (Männer) beschlossen, dass die Profis aus Russland und Belarus weiter mitspielen dürfen - nur nicht unter ihrer Nationalflagge, weshalb auf den Tableaus am Clubhaus des TC Heilbronn hinter Vatutin und Gerasimov die Nation nicht aufgeführt wird. Von Mannschaftswettbewerben sind beide Nationen aber auch im Tennis ausgenommen.

Die Oma und die Cousine sind nach Deutschland geflüchtet

Rudi Molleker findet das in Ordnung so: "Politik gehört nicht in den Sport. Die russischen Spieler können nichts dafür, was in der Ukraine passiert." Seine Tante und ihr Mann seien nach wie vor in Dnjepropetrowsk, "wo es zum Glück noch eher ruhig geblieben ist. Meine Oma ist mit meiner kleinen Cousine inzwischen nach Deutschland gekommen." Dass die russischen Kolleginnen und Kollegen in sechs Wochen nicht in Wimbledon aufschlagen dürfen, versteht er nicht: "Dabei wollten sie das Preisgeld spenden."

WTA und ATP betonen, dass sie mit dem Verhalten der Organisatoren des Turniers in Wimbledon nicht einverstanden sind. "Von unserer Seite wird es keine Einschränkungen geben", sagt der Gemminger Hans-Jürgen Ochs, der beim Neckar-Cup als Supervisor fungiert, bei der ATP angestellt ist. Ob andere Länder nachziehen, könne die ATP nicht beeinflussen.

Es gibt sie, die klaren Statements

Wie Ukrainer und Russen beim Neckar-Cup miteinander klarkommen
Schätzt sich glücklich, nicht im Krieg zu sein wie Kollege Sergej Stachowski: der Ukrainer Oleksii Krutykh. Auch sein 65 Jahre alter Vater ist mit in Heilbronn dabei.  Foto: Berger, Mario

Es gibt sie, die klaren russischen Statements gegen den Krieg: Im Februar gewannen der Russe Andrej Rublev (2016 beim Neckar-Cup dabei) und Denys Molchanov in Marseille die Doppelkonkurrenz - der Ukrainer schlägt übrigens auch in Heilbronn auf. Anschließend schrieb Rublev beim Turnier in Dubai "No War please" (Bitte kein Krieg) auf eine Kameralinse. Landsmann Daniil Medwedew postete in den sozialen Medien: "Als Tennisspieler möchte ich den Frieden in der ganzen Welt fördern. Es ist nicht einfach, all diese Nachrichten zu hören. Ich bin sehr für den Frieden."

Aber wie ist es, wenn auf dem Platz ein Russe und Ukrainer gegeneinander antreten müssen? "Das ist noch mehr Motivation für mich", sagt Oleksii Krutykh. "Ich hatte seit dem Ausbruch des Krieges ein paar Matches gegen Russen. Ich habe sie alle gewonnen." Im Achtelfinale kam beim Neckar-Cup für ihn das Aus - wie kurz zuvor für den neuen Kumpel Rudolf Molleker.

 
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