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Wie Reiterin Mona Bimmel die Para-Dressur entdeckt hat

Die außergewöhnliche Saison der Auensteinerin: Platz drei bei der Para-DM und Starts für Deutschland. Schafft es die Auensteinerin, sich für die Europameisterschaft 2023 zu qualiffizieren?

Lars Müller-Appenzeller
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Lesezeit 4 Min
Wie Reiterin Mona Bimmel die Para-Dressur entdeckt hat
Gut möglich, dass Mona Bimmel und Fabricio von Nymphenburg, gerufen Fanta, demnächst in den deutschen Bundes- oder Championatskader aufgenommen werden. Foto: Dill  Foto: privat (Dill)

Mona Bimmel war wie immer eine der ersten Gratulatinnen. Wenn Ann-Kathrin Lindner in der Stuttgarter Schleyer-Halle eine Prüfung reitet, wie kürzlich im Finale des iWest-Cups, ist die 26-Jährige aus Ilsfeld-Auenstein dabei. "Wir kennen uns seit der 7., 8. Klasse, haben in Beilstein zusammen Abitur gemacht", sagt Mona Bimmel. Die Gemeinsamkeiten sind weit größer: Beide sind beim RV Ilsfeld groß geworden. Beide sind Dressurreiterinnen. Und beide verdienen mit dem Reitsport ihren Lebensunterhalt. Lindner mit einem Ausbildungsstall. Bimmel seit März als Redakteurin beim "Reiterjournal". Das ist aber nicht der einzige Grund, warum ihr Name in der Fachzeitschrift dauernd zu lesen ist: Mona Bimmel ist 2022 eine außergewöhnliche Saison geritten. Im sogenannten Regelsport - und im Para-Sport.

Viel Stress, aber auch viel Spaß für Mona Bimmel in Stuttgart

"Die Tage von Stuttgart waren mega stressig, haben aber auch viel Spaß gemacht", sagt Mona Bimmel, die im Frühjahr einen Master-Studiengang in Kommunikation- und Medienmanagement abgeschlossen und stets ihr Hobby gepflegt hat. Fürs "Reiterjournal" hat sie in den fünf tollen Tagen von Stuttgart über den Dressursport berichtet und Porträts sowie Interviews gemacht, zum Beispiel über Aachen-Sieger Gerrit Nieberg und mit Dressur-Bundestrainerin Monica Theodorescu. Über sich selber schreibt Mona Bimmel nicht, das macht Roland Kern, der über die fundierte Reitsport- und Social-Media-Expertin sagt: "Wir sind sehr glücklich, sie im Team zu haben."

Kerns Artikel über seine Kollegin haben unter anderem diese Überschriften: "Pferde haben ihr Mut gemacht", "Mona Bimmel im deutschen Para-Team". Es ist eine bewegende und gleichzeitig verrückte Geschichte. Mona Bimmel hatte mit 14 Jahren Knochenkrebs, mit Metastasen in der Lunge. Sie musste Dutzende Operationen über sich ergehen lassen, bekam am linken Bein ein künstliches Kniegelenk. "Ich kann sagen, dass es mir im Moment konstant richtig gut geht", sagt Mona Bimmel, die alle sechs Monate ihre Lunge untersuchen lassen muss ("Wenn, dann kommt der Krebs dort zurück"). Aber jede Infektion im Körper ist eine Gefahr für ihr Bein, müsse im Fall der Fälle sofort mit Antibiotika behandelt werden: "Sonst muss mein Kniegelenk ausgewechselt werden."

Bimmel reitet links mit einem magnetischen Steigbügel

Neben der eingeschränkten Beugung im Knie macht auch ihr Fuß Probleme. Dass dieser nicht mehr richtig gehorcht, sich kaum heben und senken lässt, "ist okay für mich". Bei einer OP wurde ein Nerv beschädigt. Damit sie im Sattel keine Probleme bekommt, hat sie links einen magnetischen Steigbügel, der sich automatisch mit ihrem Stiefel verbindet - wofür es seit diesem Jahr eine Bescheinigung braucht. Als Dr. Jan Holger Holtschmit beim Reiterverband FN die Ausnahmegenehmigung bearbeitete, reagierte der Arzt sofort. Denn Mona Bimmel und ihr zwölfjähriger Rappe Fabricio von Nymphenburg, gerufen Fanta, sind bekannt, haben etliche Platzierungen in S-Dressuren.

Holtschmit kontaktierte Para-Dressur-Bundestrainer Bernhard Fliegl. Man meldete sich bei Mona Bimmel, man bemühte sich um sie. Und im April debütierten Bimmel und Fanta für Deutschland, starteten im Nationenpreis von Belgien in Waregem, sattelten kurz darauf auf dem Mannheimer Maimarkt, wo das seit 2019 zusammenarbeitende Paar "vor einer Mordskulisse" zweimal Platz zwei und einmal Platz drei belegte. Dazu kamen Platz drei bei der Para-DM, Teilnahmen im Regelsport an den Landes- sowie den deutschen Meisterschaften der Amateure und eine Platzierung in einer Zwei-Sterne-S-Dressur. Es läuft. Dazu der Traumjob: Quasi jedes zweite Wochenende berichtet sie von Turnieren - bei denen sie selbst reitet.

Mona Bimmel wechselte vom RV Ilsfeld zur PSG Wellerhof Aspach

Mona Bimmel schätzt es sehr, im Homeoffice arbeiten zu können. Nur an zwei, drei Tagen die Woche sitze sie im Büro in Stuttgart. Die Strecken lassen sich gut verbinden: Meistens ist sie bei ihrem Freund in Murrhardt und morgens um sechs schon im nahegelegenen Stall in Aspach, kümmert sich um ihre beiden Pferde. Auf dem Wellerhof arbeiten auch ihre Mutter Renate Gohr-Bimmel und ihr Vater Jürgen Bimmel - die beiden Berufsreiter sind natürlich ihre Trainer. Mittlerweile reitet Mona Bimmel übrigens nicht mehr für den RV Ilsfeld, sondern für die PSG Wellerhof Aspach.

Wie Reiterin Mona Bimmel die Para-Dressur entdeckt hat
Sie liebäugeln mit dem IWest-Cup: Mona Bimmel und Fanta. Foto: LMWPictures  Foto: privat (LMWPictures)

Reitet Mona Bimmel 2023 an der Seite von Ann-Kathrin Lindner beim iWest-Cup?

Das Jahr 2022 ist für Mona Bimmel ein kleiner Traum. Was ist der große Traum für 2023, die Para-EM in Riesenbeck? "Über den Winter möchte ich mit Fanta im Zwei-Sterne-S-Bereich souveräner und sicherer werden. Ich würde gerne die ersten Para-Sichtungen mitreiten, schauen, wo ich stehe und wie weit ich es schaffe. Und ich liebäugele mit einer Teilnahme am iWest-Cup." Der Tour für die besten Dressurreiterinnen und -reiter Baden-Württembergs, Bayerns und Hessens. Würde es Mona Bimmel zum Finale in die Schleyer-Halle schaffen, womöglich an der Seite ihrer Freundin Ann-Kathrin Lindner, die Jung-Redakteurin des "Reiterjournals" hätte richtig schönen Mega-Stress.

Mona Bimmel kann es in den Bundes- oder Championatskader schaffen

In einer Para-Dressur zu starten war für Mona Bimmel nie ein Thema. "Die Aufgaben sind eigentlich unter meinem Niveau, und ich muss im Para-Sport zu meiner Einschränkung stehen", sagt die 26-Jährige sachlich. "Aber die Pferde müssen noch rittiger sein als im Regelsport, alles muss noch harmonischer sein." Das hat auch seinen Reiz, wobei die Frau aus Auenstein die zweite Saisonhälfte 2022 im Regelsport unterwegs war. Gut möglich, dass Mona Bimmel demnächst in den Bundes- oder Championatskader aufgenommen wird. Sie ist in die Klasse "Grade V", die mit den geringsten Einschränkungen eingestuft. Man sieht es nicht, aber "ich kann mit meinem linken Bein nicht so viel Druck geben wie mit dem rechten". Ihr tierischer Partner Fabricio von Nymphenburg, gerufen Fanta, kommt damit klar. Klar ist für Mona Bimmel: "Para-Reiter sollten mehr Aufmerksamkeit bekommen, grundsätzlich alle Parasportlerinnen und Parasportler in allen Bereichen." Die Realität sieht so aus: Auf dem Maimarkt in Mannheim sind stets erst die Parasportler dran, nach deren Abreise die Regelsportler. Aber immerhin. Denn auf internationaler Ebene wird noch strikter getrennt.

 
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