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Warum sich Henning Mühlleitner kein Tokio-Olympia-Tattoo hat stechen lassen

Der Olympia-Vierte Henning Mühlleitner ist der einzige Vertreter der Sport-Union Neckarsulm bei der WM in Budapest. Anschließend fliegt er direkt weiter zur DM nach Berlin.

Stefanie Wahl
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Lesezeit 2 Min
Warum sich Henning Mühlleitner kein Tokio-Olympia-Tattoo hat stechen lassen
"Die WM hat den Geschmack ein billiger Ersatz zu sein, weil Japan abgesagt worden ist", sagt Henning Mühlleitner − von Budapest fliegt er nach Berlin. Foto: Jo Kleindl  Foto: JoKleindl

Die kleine Reisegruppe ist am Mittwoch aufgebrochen. Ihr Zielflughafen: Budapest. Ihre Endstation: die Duna Aréna, direkt am Ufer der Donau gelegen. "Eine tolle Arena", sagt Henning Mühlleitner über den modernen Schwimmkomplex im XIII. Bezirk der ungarischen Hauptstadt. Mit Chefcoach Matt Magee ist er der Einzige aus der Gruppe der Sport-Union Neckarsulm, der sich für die Weltmeisterschaften qualifiziert hat - dank seines vierten Platzes über die 400 Meter Freistil bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio.

Es ist zwar nicht der erste Start bei einer WM seit Japan, im Dezember ist der 24-Jährige auf der Kurzbahn in Abu Dhabi im Vorlauf ausgeschieden. Doch es ist der erste mit größerem öffentlichen Interesse. Zusätzlichen Druck verspürt der Student für Wirtschaftsinformatik seit der Überraschung im Finale von Tokio, wo er nur um 13 Hundertstelsekunden an der Bronzemedaille vorbeigeschwommen ist, nicht. Und doch wird Henning Mühlleitner nun überall als Olympia-Vierter angekündigt.

Am Samstagmorgen geht es in Ungarn los

Eine Zeit lang spielt das Freistil-Ass mit dem Gedanken, sich ein Tokio-Olympia-Tattoo stechen zu lassen, entscheidet sich jedoch dagegen. Mühlleitners Begründung: "Ich will nicht nur darüber identifiziert werden." Ein nachvollziehbares Argument, geht die sportliche Karriere für den Mann aus dem Sporthilfe Perspektivteam 2024 doch weiter. Schon an diesem Samstag (ab 9 Uhr) mit dem Vorlauf über 400 Meter, Henning Mühlleitners Paradestrecke. Das Finale ist für 18 Uhr auf dem Wettkampfplan vorgesehen.

Was möglich ist? Geht es rein nach den Zahlen, hat der Neckarsulmer die WM-Vorgabe weder bei der Qualifikation in Eindhoven (3:47,62 Minuten) noch bei seinen Einsätzen bei der "Mare nostrum" in Monaco (3:52,42), Barcelona (3:51,20) und Canet-en-Roussillon (3:50,80) geschafft. Doch bei der internationalen Wettkampfserie haben andere Themen gezählt, und in den Niederlanden schafft es der Unterländer Sportler des Jahres mental nicht, alle Störfaktoren auszublenden. "Da hatte ich noch meine Bachelor-Thesis im Kopf", sagt er.

Problematisch dicht gedrängte Großereignisse

Hinzu kommt, dass der Termin für die WM ungünstig liegt und die dicht gedrängten Großereignisse zu Problemen in der Trainingssteuerung führen. Denn nachdem die in Fukuoka geplanten Titelkämpfe im Februar coronabedingt in den Juli 2023 verschoben worden sind, hat der Weltverband Fina kurzfristig Budapest als Ausrichter auserkoren. Von dort aus geht es für Mühlleitner gleich weiter zu den deutschen Meisterschaften nach Berlin. Das saisonale Schwergewicht aber liegt auf den Europameisterschaften vom 11. bis 21. August in Rom.

"Die WM hat den Geschmack ein billiger Ersatz zu sein, weil Japan abgesagt worden ist", sagt Henning Mühlleitner. Er ist Teil des kleinen deutschen Teams in Ungarn. Einige Stars fehlen, darunter der Brite Duncan Scott, der an den Nachwirkungen einer Corona-Infektion leidet.

Trainingsgast aus der Ukraine in Magdeburg

Darüber hinaus hat die Fina nach langem Zögern Ende März die Athleten aus Russland - bei der vergangenen WM drittstärkste Nation - und Belarus ausgeschlossen. Weil die Folgen des Angriffskriegs in der Ukraine auch die Schwimmer massiv beeinträchtigen, hat Olympiasieger und WM-Hoffnung Florian Wellbrock seinen ukrainischen Konkurrenten Michailo Romantschuk ins Training nach Magdeburg eingeladen, nachdem seine letzte Trainingshalle mit 50-Meter-Becken "kaputt gebombt wurde".

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