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Vom Sterbebett gerettet greift der Heilbronner EC nach den Sternen

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Das HEC-Führungsteam stellt sich vor und am 30. August bei der Mitgliederversammlung zur Wahl. Eishockey in Heilbronn soll zu einer Einheit werden.

Haben den Heilbronner EC vergangenes Jahr vor dem finanziellen Kollaps bewahrt und wollen ihn künftig als Quartett führen (v.l.): Michael Rumrich, Sven Breiter, Alexander Maurer und Jan Schablowski.
Foto: Stephan Sonntag
Haben den Heilbronner EC vergangenes Jahr vor dem finanziellen Kollaps bewahrt und wollen ihn künftig als Quartett führen (v.l.): Michael Rumrich, Sven Breiter, Alexander Maurer und Jan Schablowski. Foto: Stephan Sonntag  Foto: Stephan Sonntag

Erstaunlich vital wirkt die Führungscrew des Heilbronner EC. Dabei ist der Verein laut des Interimsvorsitzenden Jan Schablowski Ende vergangenen Jahres dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen. "Die Pandemie war eine Nahtod-Erfahrung für uns", sagte Schablowski am Montag. Doch Corona hat den Club nicht nur ins Wanken gebracht, sondern auch innovativ werden lassen. "Wir sind stolz darauf, dass wir uns aus eigener Kraft gerettet haben", sagt Geschäftsführer Michael Rumrich.

Finanzfachmann Maurer als "Sechser im Lotto"

Rückblick: Mit dem Lockdown Anfang November und der Schließung der Eishalle brachen dem HEC sämtliche Einnahmen weg. Bereits im Juni hatte der 2019 gewählte Vorsitzende Jörg Metzler sein Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt. Schablowski, der dritte Vorsitzende Sven Breiter und Rumrich suchten Wege, den Verein durch die existenzielle Krise zu führen.

"Dann kam der Sechser im Lotto - plus Zusatzzahl", sagt Rumrich und meint damit Hauptgewinn Alexander Maurer. Der 51-jährige gebürtige Mannheimer hat als Finanzexperte maßgeblich mitgeholfen, den HEC am Leben zu erhalten. Gemeinsam mit Schablowski und Breiter wird sich Maurer bei der Mitgliederversammlung am 30. August zur Wahl in den Vorstand stellen. "Offiziell trete ich als erster Vorsitzender an. Alle Entscheidungen werden wir aber im Team mit dem Geschäftsführer fällen", sagt Schablowski.

Für viele Menschen in der Region ist Eishockey eine Herzensangelegenheit

Mit der Spendenaktion "Rettet den HEC" generierte der Verein mehr als 50 000 Euro. "Das bemerkenswerte dabei war, dass es nur drei, vier größere Einzelspenden gab. Das meiste waren Beträge von 10 bis 100 Euro. Das zeigt, für wie viele Menschen das Heilbronner Eishockey eine Herzenssache ist", betonte Rumrich.

Das Heilbronner Eishockey war über viele Jahre eine zersplitterte und nicht selten auch zerstrittene Klassengesellschaft. Mit der Profimannschaft der Falken, dem Amateurteam der Eisbären und dem Nachwuchs des Heilbronner EC. Die Wiedereingliederung der Eisbären in den HEC 2018 war ein erster Schritt der Zusammenführung. 2019 wurde Rumrich der erste hauptamtliche Geschäftsführer und fungiert in dieser Funktion auch als Bindeglied zu den Profis. "Es wächst hier etwas zusammen, aber wir müssen uns auch die nötige Zeit geben, dass es weiterwächst", sagte Breiter. Rumrichs Erfolgsformel dazu lautet: "Geht es dem HEC und den Falken gut, dann geht es dem Heilbronner Eishockey gut."

Fitnessbereich in Containern vor der Halle

Ein Projekt, das noch bis Jahresende verwirklicht werden soll, ist ein eigener Fitnesssbereich. Da im Eisstadion kein Plätzchen mehr frei ist, sollen dafür Container vor der Halle aufgebaut werden. Der genaue Standort ist noch offen, den finanziellen Aufwand will der HEC selbst schultern. Diese Infrastrukturmaßnahme würde dem Verein den vierten Stern im Fünf-Sterne-Ausbildungsprogramm des Deutschen Eishockey-Bunds bescheren. Ein wichtiger Aspekt, um mit anderen Eishockey-Standorten in der Umgebung konkurrieren zu können. Der fünfte Stern wäre nur über eine zweite Eisfläche zu erreichen. "Das steht leider nicht in unserer Macht", sagte Rumrich.

Zudem wird das Erscheinungsbild nach außen vereinheitlicht, das klassische HEC-Logo mit dem Schlittschuh dient dabei als zentrales Element. "Wir wollen die Marke HEC schärfen. Wir wollen mehr Empathie, mehr Identifikation und mehr Stolz", sagte Schablowski.

Zur Person

2016 hat sich Alexander Maurer aus dem Arbeitsleben zurückgezogen. Nach seinem BWL-Studium in Würzburg war der gebürtige Mannheimer für verschiedene internationale Konzerne tätig gewesen. "Meine Steckenpferde sind Organisation, Controlling und Finanzen", sagt der heute 51-Jährige. Als Privatier suchte der Eishockey-Fan nach sinnvollen neuen Aufgaben, absolvierte Praktika beim HC Thurgau und beim DEL-Club Schwenningen. Mit seinen Ideen stieß er beim früheren Falken-Manager Atilla Eren auf offene Ohren. Doch mit dessen Ausscheiden 2020 endete die Zusammenarbeit schnell wieder und der HEC angelte sich den Finanz-Fachmann. Maurer lebt mit seiner Frau Miriam, Marketingchefin beim Schweizer Erstligisten HC Davos, in Graubünden, ist aber im Zwei-Wochen-Rhythmus in Heilbronn.

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