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Sven Schlüsselburg und die Rückschläge

Dieses Mal bremste sein Blinddarm den Ilsfelder Ausnahme-Springreiter Sven Schlüsselburg aus. Dennoch hat er noch viel vor in dieser Saison. Nicht nur mit seinem Top-Pferd Bud Spencer, denn da gibt es eine Neue im Stall.

Lars Müller-Appenzeller
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Lesezeit 3 Min
Sven Schlüsselburg und die Rückschläge
Das ist auch schon ein Weilchen her, da war die Welt noch in Ordnung: Sven Schlüsselburg mit Bud Spencer beim Großen Preis in Aachen − das war vor der Pandemie, im Juli 2019, und vor etlichen (gesundheitlichen) Rückschlägen. Foto: Archiv/dpa  Foto: Uwe Anspach

Sven Schlüsselburg macht einen kleinen Seufzer, dann lacht er und sagt: "Es kam immer eins aufs andere." Dieser Satz fasst zweieinhalb verrückte Jahre im Leben des 40-jährigen Ausnahmereiters treffend zusammen: Im Dezember 2019 muss sich der Springreiter wegen großer Schmerzen einer Bandscheiben-Operation unterziehen. Dann lähmt Corona seinen Stall, das Pferdeleistungszentrum Engelsberg oberhalb von Ilsfeld. Im Frühjahr 2021 grassiert dort das Herpes-Virus, viele Tiere sterben, die Saisonplanung ist über den Haufen geworfen. Ende des Jahres zwingt eine Zerrung den Championatskandidaten zu zwei Monaten Zwangspause.

Und vor knapp zwei Wochen muss es ganz schnell gehen: Blinddarmoperation - deshalb kann Schlüsselburg in diesen Tagen auch nicht auf dem Mannheimer Maimarkt reiten, muss mit Bundestrainer Otto Becker einen neuen Turnierplan machen. Ja, es kam immer eins aufs andere.

Olympia-Traum in Tokio platzte

Die Frage "Wie geht's?" konnte Sven Schlüsselburg in den vergangenen Monaten nicht immer mit einem Lächeln, einem Nicken und einem "Gut" beantworten. "Mir geht's soweit gut", sagt der Familienvater nach dem ungeplanten Gastspiel im Heilbronner Klinikum am Gesundbrunnen, "ich sitze wieder auf dem Pferd." Und nach wie vor haben sein dreizehnjähriger Ausnahmeschimmelwallach Bud Spencer und er große Pläne - für die Olympischen Spiele vergangenes Jahr in Tokio hatten die beiden auf der Longlist gestanden.

Doch es reichte nicht. Sie präsentierten sich immerhin bei der Global Champions Tour in St. Tropez, Valkenswaard (Niederlande), Stockholm, Paris und Rom. Nach der Frage "Wie geht's?" muss die Frage lauten: Was sind die Ziele für 2022?

"Ich möchte erst einmal bei der DM gut abschneiden, um mich für den CHIO in Aachen und Nationenpreise weiterzuqualifizieren", sagt Sven Schlüsselburg, der im September in Rom nicht Bad Spencer dabei hatte, sondern Viceversa de la Roque - eine 13-jährige französische Stute, "die schon im Weltcup gegangen ist", so der Ilsfelder. Er ist guter Dinge: "Die Pferde sind top in Form und in einem guten Alter. Mit ihnen möchte ich Championate reiten. Ob es schon für die WM reicht, müssen wir sehen." Die Weltmeisterschaften finden von 6. bis 14. August in Herning (Dänemark) statt.

Kampf gegen Herpes-Virus als einschneidende Erfahrung

Aber Gemach. Die vergangenen Jahre haben Sven Schlüsselburg verändert, die Monate im Kampf gegen das Pferde-Herpes-Virus waren existenziell. "Wirtschaftlich war das schon hart, wir hatten den Stall für zwei, drei Monate zugemacht. Aber wir konnten Gott sei Dank alles abfangen, weil wir ein tolles Umfeld und gut gewirtschaftet haben." Dieser Schicksalsschlag habe sein Team stärker gemacht - "wenngleich ich diese Erfahrung nicht gebraucht hätte".

Für die vergangenen Jahre gelte, so Schlüsselburg: "Da weiß man, was Gesundheit wert ist." Das Jahr 2021 sei kein verlorenes Jahr gewesen: "Die Runden auf der Global Champions Tour haben mich geprägt. Das war anspruchsvoll, turbulent, hat viel Kraft und Energie gekostet." Aber das war Motivation für die Kämpfer aus Ilsfeld, weiter ambitioniert zu bleiben. Sie sind weiterhin bei Otto Becker auf dem Zettel. Noch eine Frage: Wie kommt Bud Spencer eigentlich mit der neuen Konkurrentin im eigenen Stall klar?

"Buddy ist einzigartig", holt Sven Schlüsselburg bei seiner Antwort aus. "Wir sind Kumpels, Freunde, können uns aufeinander verlassen. Er freut sich, wenn er auch auf Turnieren seine Stuten an seiner Seite hat." Wenn man Bud Spencer sehe ("Er ist ein Selbstbewusster"), wisse man, dass er sich nicht mit dem Thema Konkurrenten auseinandersetze. Wohin der gemeinsame Weg noch führt? EM? WM? Jetzt steht erst mal die DM an. In Balve. Von 9. bis 12. Juni. Das ist für einen Frischoperierten ganz schön bald. Deshalb gilt mehr denn je: Eins nach dem anderen - bevor wieder eins aufs andere kommt.


Präsenz in der Region

Natürlich, wer so außergewöhnliche Pferde im Stall hat wie Sven Schlüsselburg, den zieht es in die Ferne. "Aber ich möchte auch nach wie vor hier in der Region Turniere reiten", sagt der Springreiter. Schließlich gelte es, die Nachwuchspferde zu entwickeln und Kunden zu begleiten: "Unser Stall muss hier in der Region vertreten sein." So wie beim Turnier des RV Schwaigern von Freitag bis Sonntag.

Weiter geht es dann im Pferdesportkreis Franken von 26. bis 29. Mai in Leingarten, über Pfingsten in Nordheim (4. bis 6. Juni), von 17. bis 19. Juni in Weinsberg und 25./26. Juni in Ilsfeld. "Wenn es die Zeit hergibt, würde ich da gerne starten", sagt der Nationenpreisreiter Schlüsselburg. "Ich reite gerne in der Heimat, das ist mir wichtig." Das für 21./22. Mai vom RV Ilsfeld geplante kleine Turnier wurde abgesagt. 

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