Sportliche Bürgermeister: Vom Top-Schwimmer bis zum Tennistrainer

Sport  Nicht alle wissen, dass Roland Halter, Thomas Csaszar und Uwe Mosthaf eine sportliche Karriere hinter sich haben. Wir blicken auf einen Strauß voller Erinnerungen mit mehrfachem Gold bei Militär-Weltmeisterschaften, Duellen mit dem VfB Stuttgart und einem Pokalsieg zum 100-jährigen Jubiläum von Erlenbach.

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46 Oberbürgermeister und Bürgermeister stehen im Landkreis Heilbronn den Städten, Gemeinden und Kommunen vor. Es ist ein zeitaufwendiger Job, der die Freiräume für private Unternehmungen mitunter stark einschränkt. Unter anderem gehören öffentliche Auftritte bei Ehrungsabenden, Weihnachtsfeiern oder Jubiläums-Veranstaltungen bei Vereinen zum beruflichen Alltag. Es bleibt wenig Zeit, um den eigenen Körper zu ertüchtigen. Dabei blicken viele Rathaus-Chefs auf eine zum Teil erfolgreiche sportliche Vergangenheit zurück.

Roland Halter (Jagsthausen): Ein Top-Schwimmer

Roland Halter schwamm in den 1970er Jahren über die 200 Meter Lagen vorne weg. Foto: privat

Seit 34 Jahren sitzt Roland Halter im Jagsthausener Rathaus-Chefsessel. Doch nicht alle Bürger wissen, dass ihr Gemeinde-Oberhaupt in den 1970er Jahren zu den Topschwimmern in Deutschland zählte. "Ich habe bei der SV Neckarsulm mit fünf, sechs Jahren das Schwimmen gelernt, hatte dann die ersten kleinen Erfolge auf Landesebene, wechselte aber 1974 wegen der besseren Trainingsmöglichkeiten zum Sportbund nach Heilbronn und danach zum SV Heilbronn", erzählt Halter von seiner erfolgreichen Vergangenheit. "Ich weiß schon gar nicht mehr, wie viele Dutzend württembergische und süddeutsche Titel ich gewonnen habe und wie oft ich deutscher Schüler-, Jugend- und Juniorenmeister war. Ich bin die Lagen geschwommen, die 200 Meter waren meine Parade-Disziplin."

Sportliche Bürgermeister: Roland Halter war Topschwimmer, Thomas Csaszar jubelte in Baden und Uwe Mosthaf im Unterland

Roland Halter

Foto: Ralf Seidel

Der heute 62-Jährige wurde in die Jugend-Nationalmannschaft berufen, gehörte dem nationalen B- und C-Kader an. "1978 wechselte ich ins damalige deutsche Schwimm-Leistungszentrum zu den Wasserfreunden Wuppertal, mit denen ich deutscher Mannschaftsmeister wurde und DM-Dritter in der Lagenstaffel."

Mit der Nationalmannschaft in England, Kanada und den USA

Auch wurde er in die A-Nationalmannschaft berufen und als Mitglied der Sportfördergruppe in Warendorf mehrfacher Militär-Weltmeister. "Ich nahm an Wettkämpfen mit der Nationalmannschaft in England, Kanada und den USA teil", berichtet Roland Halter. 1979 kam das frühe Karriere-Ende. "Nachdem ich im Vorfeld der DM lange an der Schulter verletzt war und bei den Meisterschaften quasi ertrunken bin, da die Leistung dementsprechend schlecht war, nachdem ich monatelang nicht trainieren konnte."

Die finanzielle Förderung war zu jener Zeit nicht mit heute vergleichbar, und so stellte sich die Frage: Sport oder Beruf? Die Antwort gab die Stadt Heilbronn, die ihm eine Ausbildung im Gehobenen Dienst ermöglichte. Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung. Denn der Traum von Olympia wäre eh geplatzt. "Die Spiele 1980 sind ja dann ins Wasser gefallen. Hätte ich weitergemacht und es in den Kader geschafft, wäre der Aufwand umsonst gewesen", blickt Halter auf die olympische Sommerveranstaltung in Moskau zurück, die von den westlichen Nationen boykottiert wurde. "Ich habe dann noch als Trainer bei der TG Böckingen gearbeitet bis 1986", sagt Halter, der danach beim SV Jagsthausen noch als Torhüter Fußball spielte.

Immer noch Vereinsmitglied in Neckarsulm

Aktuell fehlt die Zeit zum Sporttreiben, aber ein bisschen Radfahren oder Walken sind drin. Das Schwimmen vermisst er nicht. "Ich habe in meiner Laufbahn genug Kacheln gezählt", sagt Halter, der immer noch Mitglied beim SVN-Nachfolgeverein Neckarsulmer Sport-Union ist. Dass auf sportlicher Ebene bedingt durch das eine oder andere Wehwehchen nicht mehr alles möglich ist, liegt wohl auch an seiner Zeit als Leistungsschwimmer. "Damals hatte man keine so umfangreiche sportmedizinische Betreuung, da hieß es: Was nicht tötet, härtet ab."

Thomas Csaszar (einst Zaberfeld, jetzt Brackenheim): Vom Fußballer zum Leichtathlet

Sportliche Bürgermeister: Roland Halter war Topschwimmer, Thomas Csaszar jubelte in Baden und Uwe Mosthaf im Unterland

Thomas Csaszar (vorne): Voller Einsatz − früher als aktiver Fußballer und heute als Läufer auf der Halbmarathon-Strecke.

Foto: Marc Schmerbeck

Vom Fußballer zum Ausdauerläufer. Thomas Csaszar - früher Bürgermeister in Zaberfeld und jetzt in Brackenheim in gleicher Funktion tätig - ist dem Sport treu geblieben. "Ich habe im Nachwuchs beim FC Stebbach mit dem Fußball angefangen", erinnert sich Csaszar. "Drei Jahre war ich bei der Union Böckingen, das waren Glanzzeiten in der damals höchsten Jugendklasse, als wir uns noch mit dem VfB Stuttgart duellieren durften."

Aktiv ging es für Csaszar über den VfB Eppingen, FV Lauda zur SKG Heidelberg-Kirchheim (beide Oberliga). "Mit 29 Jahren habe ich den Trainerschein gemacht und fing in der Bezirksliga Sinsheim beim FC Weiler als Spielertrainer an", erzählt Csaszar von weiteren Stationen beim FC Stebbach, SV Hilsbach und FC Oberes Zabergäu. 41-jährig trat er kürzer, half noch kurz dem Bruder Markus aus, der Spielertrainer in Cleebronn war. Thomas Csaszar spielt aktuell gelegentlich bei den Alten Herren des SCOZ, wie auch in der Bürgermeister-Auswahl.

Kleinere Stupfereien wegen Biergenuss im Trikot

"Mit Heidelberg habe ich den badischen Pokal und in Stebbach den Kreispokal Sinsheim gewonnen. Das waren schöne Erlebnisse, an die man sich gerne erinnert" schwelgt der 57-Jährige in Erinnerungen. "Mein Bruder und ich waren strickte Gegner von Alkoholgenuss und dem Zigarettenrauchen, insbesondere im Trikot nach dem Spiel. Da gab es immer mal wieder Auseinandersetzungen und kleinere Stupfereien mit den Jungs, die nach einem Sieg ihr Bier genießen wollten."

Sportliche Bürgermeister: Roland Halter war Topschwimmer, Thomas Csaszar jubelte in Baden und Uwe Mosthaf im Unterland

Thomas Csaszar

Foto: HSt-Archiv

Thomas Csaszar ist Mitglied einer Brackenheimer Laufgruppe und oft auch mit seinem Ex-Kollegen und Vorgänger Rolf Kieser unterwegs. "Ich schaue, dass ich zweimal die Woche laufe und habe im Januar in Marrakesch meinen dritten Halbmarathon bestritten." Mit stetiger Verbesserung: nach zwei Stunden und zehn Minuten in Budapest über zwei Stunden in Sofia und 1,50 in Marokko. Für eine Teilnahme am Heilbronner "Trolli" hat es bisher nicht gereicht. "Das wäre aber ein nächstes Ziel", sagt Csaszar. In diesem Jahr fiel die Veranstaltung ja dem Coronavirus zum Opfer.

Uwe Mosthaf (Erlenbach): Pokalsieger mit Erlenbach und Tennistrainer

Wer Uwe Mosthaf in der Mittagszeit sucht, findet ihn oftmals auf dem Tennisplatz, denn dort verbringt der Erlenbacher Bürgermeister gerne seine Mittagspausen. Bekannter als fürs Tennis ist er jedoch für seine zweite Leidenschaft: das Fußballspielen. "Angefangen mit Sport habe ich mit fünf oder sechs Jahren", erzählt der heute 45-Jährige. In Erlenbach, wo Mosthaf aufgewachsen ist, hat er die Jugendmannschaften durchlaufen, um schließlich eines der Gründungsmitglieder des UFC Neckarsulm zu werden.

Sportliche Bürgermeister: Roland Halter war Topschwimmer, Thomas Csaszar jubelte in Baden und Uwe Mosthaf im Unterland

Uwe Mosthaf (vorne rechts) feierte 1999 mit dem TSV Erlenbach den Gewinn des Pokal-Wettbewerbs im Fußballbezirk Unterland.

Foto: Bertok

Im Unabhängigen Fußballclub, der zu Beginn primär aus Studenten bestand, spielte Mosthaf vier Jahre lang. "Das war eine tolle Zeit", rekapituliert Mosthaf. "Dann wollte ich leistungsmäßig wieder mehr", erklärt er seinen Ausstieg aus dem UFC, "Erlenbach hat drei Klassen höher gespielt, deshalb habe ich den Schritt zurück in die Heimat gewagt."

In die Erlenbacher Zeit fällt auch sein größter sportlicher Erfolg: "Der Pokalsieg 1999, der zeitgleich mit dem 100-jährigen Jubiläum von Erlenbach war", schwärmt der 45-Jährige. "Ich weiß es noch genau, es war außergewöhnlich. Es hatte 40 Grad, 1200 Zuschauer waren da und wir haben gegen die völlig favorisierte Union Böckingen in der Verlängerung gewonnen", erinnert sich der Bürgermeister mit Begeisterung in der Stimme.

Ein bis zwei Mal die Woche auf dem Tennisplatz

Sportliche Bürgermeister: Roland Halter war Topschwimmer, Thomas Csaszar jubelte in Baden und Uwe Mosthaf im Unterland

Uwe Mosthaf

Foto: privat

Beim TSV blieb er dann auch, bis er 2010 Bürgermeister von Erlenbach wurde. "Ich spiele noch mit den Alten Herren in einer Mannschaft, aber irgendwann ist natürlich auch ein 30-Jähriger im Vergleich zu mir jung." Stattdessen ist Mosthaf nun ein bis zwei Mal die Woche Tennis spielen. "Ich war 20 Jahre lang Tennis-Trainer", erklärt Mosthaf seine Leidenschaft. "Das Tennis gehörte schon immer dazu, aber momentan bin ich vor allem mit meinen zwei Kindern regelmäßig auf dem Platz."


Draskovits

Katrin Draskovits

Volontärin

Katrin Draskovits arbeitet seit Oktober 2019 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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