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Nummer eins, Segen und Fluch

Die Liste der Tennisspieler, die beim Neckar Cup an Nummer eins gesetzt waren und in der ersten Runde ausgeschieden sind, ist lang. Daniel Altmaier ist das Schicksal am Dienstag erspart geblieben. Das spricht dafür, dass er die achte Auflage in Heilbronn gewinnt.

Lars Müller-Appenzeller
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Lesezeit 3 Min
Nummer eins, Segen und Fluch
Leichtes (Zungen-)Spiel: Daniel Altmaier führt ein deutsches Trio an, das die erste Runde in Heilbronn schadlos überstanden hat. Die Nummer 66 der Welt gewann das Auftaktspiel 6:2, 6:3. Fotos: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Die Liste der Tennisprofis, die beim Neckar-Cup in der ersten Runde verloren haben, ist lang und prominent: Unter anderem die drei aktuellen beziehungsweise zwischenzeitlichen Top-15-Spieler Nick Kyrgios (Australien/2014), Andrej Rublev (Russland/2016) und Denis Shapovalov (Kanada/2017) haben in Heilbronn nur ein Match gespielt - und verloren. Zu den Erstrundenverlieren gehört auch in einer unschönen Tradition die Nummer eins der Setzliste: Fünf der bisherigen Topgesetzten gingen am Trappensee in Runde eins baden, Jan-Lennard Struff (2015) und Filip Krajinovic (Serbien/2019) wiederum gewannen das Turnier. Kurzum: Die Nummer eins zu sein, ist Segen und Fluch zugleich. Somit ist so gut wie sicher: Der Sieger des 8. Neckar-Cups wird Daniel Altmaier heißen.

Altmaier hofft auf noch vier Matches

Der 23-Jährige aus Kempen deutet den Bruchteil einer Sekunde ein Lächeln an, sagt dann aber sachlich: "Genau das ist das Ziel, das muss der Anspruch sein. Ich habe hoffentlich noch vier Matches vor mir." Da ist einer gereift: 2016 war Daniel Altmaier das erste Mal in Heilbronn am Start, 2022 ist das fünfte Mal. Und das erste Mal als Nummer eins.

Was ist jetzt anders?

"Das erzeugt keinen Druck, bei einem Challenger an eins gesetzt zu sein", sagt Professor Dirk Schwarzer. Der Sportpsychologe und Studiengangsleiter Sportmanagement an der DHBW in Heilbronn war viele Jahre Sportlicher Leiter der Heilbronn Open, des bis 2014 in Talheim ausgetragenen Hallen-Challengers. Er wollte sich am Dienstag "mal den deutschen Nachwuchs anschauen" und sagt: "Daniel Altmaier war vor zwei Jahren im Achtelfinale der French Open - da geht es jetzt darum, das zu bestätigen, bei einem Challenger weit zu kommen. Die ersten beiden Runden sind entscheidend: Wenn es in denen gut läuft, wird er weit kommen."

Argentinier liegen dem in Heilbronn an Nummer eins Gesetzten

Man könnte meinen, Daniel Altmaier wird von Dirk Schwarzer betreut. Sehr klar und gefasst analysiert er seinen 6:2, 6:3-Sieg gegen den Argentinier Facundo Mena - Argentinier liegen ihm, der Mann aus Nordrhein-Westfalen trainiert grundsätzlich bei seinem Trainer in Buenos Aires. "Meine Gegner haben wenig zu verlieren, habe ich in den vergangenen Wochen gemerkt. Die spielen befreit auf: Verliere ich gegen den Altmaier, ist das nicht schlimm, denn der steht ja auf Platz 60 in der Welt!", sagt er. "In entscheidenden Momenten ist man gegen die Nummer eins eines Turniers noch fokussierter." Was für die Nummer eins bedeute, sich davon nicht ablenken zu lassen und bestmöglich seinen Job zu machen.

Es war ein guter deutscher Dienstag beim Neckar-Cup, auch wenn Max Rehberg und Nicola Kuhn ausgeschieden sind: Mit Daniel Altmaier zogen auch Henri Squire und Rudolf Molleker ins Achtelfinale ein - sowie der unter libanesischer Flagge startende "Koblenzer Jung" Benjamin Hassan. Molleker trifft heute auf Bernabé Zapata Miralles. Es ist das Match des Tages. Das Rudi Molleker auch schon am Montag gespielt hatte, schließlich war es gegen Nicola Kuhn ein deutsches Duell. Das der 21-Jährige nach einem 6:4, 4:6, 6:4 mit seinem typischen "Jaaaaa"-Brüller beschloss. Molleker war als Wildcard-Starter 2018 Turniersieger geworden, Bernabé Zapata Miralles 2021 bei seinem Triumphzug ebenfalls ungesetzt.

Schon jetzt besser als Kyrgios, Rublev und Shapovalov

Nummer eins, Segen und Fluch
Hat fast drei Stunden für den Drei-Satz-Sieg gekämpft: Henri Squire.  Foto: Berger, Mario

"Das war super intensiv", sagt der 21-jährige Henri Squire nach dem fast dreistündigen Match gegen den Belgier Zizou Bergs, "meine Geduld ist belohnt worden". 7:6 (7:4), 4:6, 6:4 waren die Kennzahlen des Glücks von Squire, dessen Vater australische Wurzeln hat. Er bekommt es nun mit dem hochveranlagten knapp zehn Monate jüngeren Taiwanesen Chun-hsin Tseng zu tun. Man kennt sich, Squire sagt: "Als ich bei den Junioren-Grand-Slams gespielt habe, hat er alle gewonnen." 2018 Paris und Wimbledon, um genau zu sein; Tseng beendete das Jahr damals als Nummer eins der Junioren. Egal, ob es Chun-hsin Tseng auch bei den Herren ganz weit nach oben schafft, schon jetzt kann er sagen: Ich bin besser als Kyrgios, Rublev und Shapovalov - weil ich beim Neckar-Cup weitergekommen bin als sie.


Die fünf Gefrusteten

Auf die Nummer eins der Setzliste, den in der Weltrangliste am besten platzierten Tennisspielern, wird immer besonders geschaut. Entsprechend war die Enttäuschung bei diesen fünf gestandenen Profis auch besonders groß, als sie nach nur einer Runde beim Neckar-Cup ausgeschieden waren: Damir Dzumhur (Bosnien-Herzegowina/2015), Ricardas Berankis (Litauen/2016), Nicolas Kicker (Argentinien/2017), John Millman (Australien 2018, Jiri Vesely (Tschechien/2021). Aber verlieren gehört im Sport nun mal zum Geschäft. 

 
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