Reitsport
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Nicht nur die Hitze treibt den Reitern in Weinsberg den Schweiß auf die Stirn

Coronamüdigkeit, überall steigende Kosten: Warum Starterfelder bei Reit-Turnieren wie in Weinsberg kleiner werden.

Lars Müller-Appenzeller
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Lesezeit 2 Min
Nicht nur die Hitze treibt den Reitern in Weinsberg den Schweiß auf die Stirn
Bei großer Hitze mit Coolio ganz cool geblieben: Jan Köberle vom RFV Buchen hat am Sonntagnachmittag das wichtigste Springen in Weinsberg gewonnen. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Lauter Trubel und leiser Turniersport lagen am Sonntagnachmittag in Weinsberg nur wenige Meter auseinander. "Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich jetzt auch drüben im Freibad liegen", sagt Jan Köberle. Der Springreiter vom RFV Buchen ist eine ehrliche Haut. Aber eben Sportler. Erfolgreicher Sportler. Mit Coolio gelangen ihm bei brütender Hitze als einzigem Reiter zwei fehlerfreie Runden in der wichtigsten Prüfung, einem M*-Springen. Das Teilnehmerfeld passte zur Zuschauerkulisse, lediglich acht Paare hatten sich den Aufgaben gestellt. Klar, die Hitze - aber nicht nur.

"Fünf Grad kühler wäre für alle besser", sagt Jens Aichinger. Der Abteilungsleiter betont, dass man nach zwei Corona-Turnieren diesmal mit den drei Tagen zufrieden sei. Aber es dauere wohl einfach, bis die Coronamüdigkeit abgeschüttelt sei. Klar ist: "Es hätten mehr Zuschauer sein dürfen." Wobei der Besuch am Freitag und an den Vormittagen gut war. Und zur gerade begonnenen finalen Prüfung sagt Jens Aichinger: "Natürlich träumt man von 25 Startern aufwärts."

Viele Reiter haben sich am Samstagabend und Sonntagmorgen abgemeldet

Turnierleiterin Silvia Marmein zuckt die Schultern und sagt: "Bei der Hitze wollen nicht alle ihr Pferd in den Anhänger stellen und hierher fahren. Viele haben sich am Samstagabend und am Sonntagmorgen bei uns abgemeldet." Jan Müller hat keinen Rückzieher gemacht.

"Die Hitze ist bestimmt anstrengend", sagt der ambitionierte Amateur vom RV Ilsfeld mit schweißnassen Haaren. "Ich denke aber nicht, dass wir deshalb nicht reiten können." Jan Müller deutet auf den Turnier- und den Abreiteplatz, der auf der einen Seite von Bäumen gesäumt wird und sagt: "Man muss das einfach mit Köpfchen machen, das Pferd eine Weile im Schatten stehen lassen und es erst dann abspritzen." Jedes Pferd vertrage Hitze anders, wer seine Tiere kenne, der wisse, was er ihnen zumuten kann. "Ich reite oft, wenn es besonders heiß ist - um die Pferde an die Hitze zu gewöhnen."

Ein tolles Pferd, das in schlechten Händen war

Sein achtjähriger Wallach Cash Flow grast ruhig im Schatten. Minuten zuvor war er im Parcours wild geworden. "Es ist ein tolles Pferd, das in schlechten Händen war", erklärt Jan Müller nach der Aufgabe. Das Turnier in Weinsberg sei für seine jungen Pferde interessant gewesen. Warum nicht mehr Kolleginnen und Kollegen gekommen sind - insgesamt waren es an den drei Tagen 325 Teilnehmer mit 448 Pferden?

"Es liegt nicht nur an der Hitze", sagt Jan Müller, der seine zwei jüngeren und vier älteren Pferde auf dem Reiterhof Faller in Güglingen stehen hat. "Es gibt nicht mehr so viele Pferde und Reiter. Auch im großen Sport gibt es kaum noch Leute, die drei, vier S-Pferde im Stall haben. Für mich ist die Entwicklung nicht schlimm, ich lebe nicht davon." Aber das Hobby des Audianers hat sich massiv verteuert. Jan Müller zählt auf: "Das Einstallen, das Futter, die Mistentsorgung, Wasser, Strom, der Sprit, die Startgebühren - alles ist teurer geworden, so dass sich viele, die auf Turnieren erfolgreich sind, aber trotzdem drauflegen, fragen: wieso?"

Jan Müller möchte ein Mal den Großen Preis von Ilsfeld gewinnen

Auch Jan Müller schaut aufs Geld, die Prämien. Vor einer Woche hat er mit Ciricu in Ladenburg ein S**-Springen gewonnen. "Für den Sieg gab es 1250 Euro - das hat sich gelohnt." Das soll auch kommendes Wochenende gerne wieder so sein: Jan Müllers Heimturnier steht an. Der Große Preis von Ilsfeld am Sonntag ist ebenfalls mit insgesamt 5000 Euro Prämien ausgeschrieben. "Mein Ziel ist es immer noch", sagt Jan Müller, "ein Mal den Großen Preis zu gewinnen." Egal wie heiß, laut oder leise es dabei werden könnte.

So geht es weiter

Die heißen Reitsport-Tage in der Region gehen weiter, von Freitag bis Sonntag steht das größte Turnier im PSK Franken an, das 70. Ilsfelder Reit- und Springturnier. Parallel finden dann das Voltigier-Turnier beim RV Schwaigern (16./17. Juli) und das Dressur-Turnier des RV Bad Friedrichshall (15. bis 17. Juli) statt. Beim RFV Öhringen in Cappel wird von 5. bis 7. August geritten. lm

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