Neckarsulmer Rugby-Verantwortliche auf internationaler Talentsuche
Zweitligist Sport-Union Neckarsulm möchte mehr Spieler aus dem Ausland verpflichten. Der Verein bietet Sportlern eine langfristige Perspektive.

Das Neckarsulmer Zweitliga-Team ist eine internationale und sehr offene Truppe. Ständig ist der Verein auf der Suche nach fähigen Spielern aus aller Welt, um den eigenen Kader auf dem Weg in zurück in die erste Bundesliga zu verstärken. Die Rugby-Abteilung setzt jedoch nicht unbedingt auf Spielerverpflichtungen für nur eine Saison, vielmehr möchte man den talentierten jungen Menschen eine Lebensperspektive bieten und ihnen dabei helfen, in der Region eine dauerhafte und erfolgreiche Existenz aufzubauen. Ein umfassender Integrationsprozess mit Hilfe des Sports sozusagen.
Neckarsulm verfolgt den integrativen Ansatz
"Wir haben in den letzten zehn Jahren festgestellt, dass es für uns immer schwieriger wird, Nachwuchsspieler zu finden. Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesliga-Vereinen fehlen uns die finanziellen Mittel, vier oder fünf Spieler als Vollzeit-Profis einzustellen. Deshalb verfolgen wir einen eher integrativen Ansatz", erklärt Rugby-Finanzwart Dominik Hoffmann. Die Sport-Union Neckarsulm unterstützt junge Talente aus dem Ausland, die laut Abteilungsleiter Sven Neubert über Goethe-Institute auf der ganzen Welt, über Schulen und andere Einrichtungen oder auch online über eine internationale Rugby-Plattform angefragt werden.
So hilft der Verein zum Beispiel bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen und geht sogar oft in Vorleistung, um den Spielern einen Deutschkurs zu ermöglichen. Nachwuchskräfte sollen sich so besser und schneller in der Region integrieren, um dann längerfristig aktive Sport-Union-Spieler zu werden. Gleichzeitig wird es motivierten jungen Menschen aus weniger privilegierten Regionen der Welt ermöglicht, in Deutschland durch einen passenden Job, eine Ausbildung oder ein Studium Fuß zu fassen. "Auf diesem Weg konnten wir vielen Spielern einen Neuanfang ermöglichen, von denen manche schon seit über zehn Jahren bei uns sind. Inzwischen sind sie nicht nur als Spieler, sondern auch in der Verwaltung oder als Trainer aktiv. Diese Menschen haben in Deutschland nun einen Job, Frau und Kinder", sagt Hoffmann stolz.
Südafrikaner Daniel Ludik ist ein Beispiel für gelungene Integration
Ein Paradebeispiel für diese gelungene Strategie der Sport-Union ist der Südafrikaner Daniel Ludik, der mittlerweile Cheftrainer des Neckarsulmer Rugby-Teams ist. Über die damalige Fernbeziehung zu seiner heutigen deutschen Ehefrau kam Ludik in Kontakt mit der Sport-Union und wurde prompt nach Deutschland geholt. "Die Sport-Union half mir beim Visum und vielen anderen Dingen. Im Training konnte ich zunächst Englisch sprechen, habe aber dann schnell Deutsch gelernt und hier Freunde fürs Leben gefunden. Deswegen bin ich auch bis heute in der Region und bei der Sport-Union geblieben. Ohne die Hilfe aus dem Verein hätte ich das alles nicht geschafft", meint der 36-Jährige. Ludik unterrichtet mittlerweile an der Josef-Schwarz-Schule Heilbronn und möchte anderen Mut machen. "Im Rugby sind wir international, viele bei der Sport-Union haben einen ausländischen Hintergrund. Ich bin sozusagen ein Beispiel für gelungene Integration."
Eine Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium sind von Vorteil
Bis zur Erfolgsgeschichte der handverlesenen Talente ist es jedoch meist ein langer Weg. "Sobald wir einen geeigneten Bewerber haben, beginnen die zahlreichen Gespräche, wobei neben der sportlichen Qualifikation auch eine Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium für uns von Vorteil sind", sagt Abteilungsleiter Sven Neubert. Momentan steht zum Beispiel ein junger Namibier, der im Managementbereich studiert und einen dualen Studienplatz oder einen passenden Job sucht, auf der Wunschliste der Sport-Union. Ebenso wie ein 27-jähriger Kenianer, der in Deutschland gerne im Erziehungsbereich arbeiten möchte, wenn die deutschen Behörden grünes Licht geben.
"Wir suchen für unsere ausländischen Spieler immer Jobs in der Region, bei denen ihre Bilingualität geschätzt wird. Dafür bekommen die Arbeitgeber hochmotivierte junge Menschen, die hier etwas erreichen möchten", ergänzt Hoffmann.
Sport-Union erhofft sich mehr Hilfe von den Behörden
"Heidelberg ist nun mal eine anerkannte Rugby-Hochburg. Dahin wandern leider immer wieder Spieler ab", bedauert Neckarsulms Abteilungsleiter Sven Neubert. Umso größer sei dann die Bestätigung, wenn sie wieder zurückkehrten, weil sie sich hier heimisch fühlten. Für die Zukunft wünscht sich das Leitungsteam der Rugby-Abteilung eine noch intensivere Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden, um den bürokratischen Aufwand bis zur Spielerverpflichtung zu mindern, denn der sei gerade bei Spielern aus Nicht-EU-Ländern enorm, wie Finanzwart Dominik Hoffmann feststellt.
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