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Kompletter Neuanfang für Ilsfelder Reiterin Ann-Kathrin Lindner

Der U 25 entwachsen, hat sich Dressurreiterin Ann-Kathrin Lindner von ihrem Erfolgspferd Sunfire trennen müssen. Eine harte und lehrreiche Zeit, wie die Ilsfelderin verrät.

Lars Müller-Appenzeller
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Lesezeit 3 Min
Kompletter Neuanfang für Ilsfelder Reiterin Ann-Kathrin Lindner
Dass Ann-Kathrin Lindner nicht mehr Sunfire zur Verfügung steht, ist eine Chance für andere Pferde, wie hier für Olympia kürzlich auf dem Mannheimer Maimarkt. Foto: imago images/Stefan Lafrentz  Foto: IMAGO/Stefan Lafrentz

Ann-Kathrin Lindner hat ihr Lachen wiedergefunden. Ja, sie lacht, obwohl es um die harten Zeiten geht, die sie gerade durchmacht. Erneut durchmacht. Vor einem halben Jahr musste sich die 25-jährige Dressurreiterin des RV Ilsfeld von ihrem Erfolgspferd Sunfire verabschieden.

Die beiden haben zusammen jahrelang abgeräumt, unter anderem bei den U 25-Europameisterschaften 2019 bis 2021 sechs Medaillen gewonnen, drei davon mit goldenem Glanz. 2020 triumphierte Lindner auf Fritz, so Sunfires Spitzname, zudem beim Piaff-Förderpreis. Alles deutete auf eine große Zukunft bei den Großen um Isabell Werth und Jessica von Bredow-Werndl hin, zu denen Ann-Kathrin Lindner seit diesem Jahr kraft Alters nun gehört. Doch ohne das beste Pferd im Stall ist der Neuanfang im Aktivenbereich ein totaler Neuanfang.

Den Schritt in die Selbstständigkeit scheut Lindner nicht

Ann-Kathrin Lindner erinnert sich an die Worte ihrer Mutter Ulrike, die nach der Trennung des Traumpaares gesagt hat: "Wenn du nicht mehr glücklich bist, kannst du jederzeit zurück in die Praxis." Ann-Kathrin Lindner hat jahrelang als Physiotherapeutin gearbeitet. Sie lacht auf und sagt: "Ja, es sind harte Zeiten - aber das ist keine Option gewesen." Sie liebt das Reiten, bereut nicht den Schritt in die Selbstständigkeit - seit zweieinhalb Jahren bildet sie mit ihrem Bruder Pascal auf der Anlage von Jürgen Kurz in Leingarten Spring- und Dressurpferde aus. "Es wäre schlimm, wenn ich nur reiten würde, um auf Championate zu gehen."

Der Neuanfang sei Ann-Kathrin Lindner gar nicht so schwer gefallen: "Der Druck ist weg. Es ist angenehm, mehr neuen Mut als Druck zu spüren." Neuanfang kann sie. Schon nach dem Verkauf ihres ersten Erfolgspferds Rubin-Renoir 2016 "musste ich von null anfangen". Was hilft: Die Bundestrainer Monica Theodorescu und Sebastian Heinze (U 25) unterstützen sie. "Frau Theodorescu war auch sehr, sehr traurig, als Fritz den Stall verlassen musste, weil auch sie mit ihm weiter geplant hatte. Aber sie sagte: "Du musst stark und hart werden in diesem Sport."" Ja, die Ilsfelderin ist stärker und härter geworden.

Bei den deutschen Meisterschaften wäre sie gerne dabei gewesen

"Ich bin in den vergangenen Monaten mehr gereift", sagt Ann-Kathrin Lindner, die nun mit Sicherheit weiß: "Man verliert das Wissen nicht." Das Können. Auch wenn gerade kein Spitzenpferd im Stall steht. Wobei: Lord of Dance war auch schon auf S***-Niveau siegreich, L"ansamur überzeugt und Dr. Mops stellte sie kürzlich erfolgreich bei der ersten Qualifikation für den iWest-Cup vor - während parallel die deutschen Meisterschaften in Balve liefen. "Da wäre ich gerne dabei gewesen", sagt die deutsche U 25-Meisterin von 2021, "aber ich nehme mir die Zeit, um etwas aufzubauen."

Erfolg benötigt Geduld - die es im absoluten Spitzensport kaum gibt. Doch auch ohne absolutes Spitzenpferd genießt Ann-Kathrin Lindner den Rückhalt von Monica Theodorescu und Sebastian Heinze, hat sich über die Startmöglichkeiten kürzlich in Mannheim auf dem Maimarkt und beim Derby in Hamburg extrem gefreut: "Mannheim war schon toll. Aber vor so vielen Menschen wie in Hamburg bin ich noch nie geritten!" Mit Lord of Dance wurde sie in der Grand-Prix-Kür mit 70,795 Prozent Fünfte.

Für jedes Pferd gibt es andere Ziele

Weiter geht es für Ann-Kathrin Lindner an diesem Wochenende zu Hause, beim Heimturnier in Ilsfeld, wo sie vor vier Jahren das Goldene Reitabzeichen überreicht bekam. Die weiteren Ziele? "Für jedes Pferd gibt es andere Ziele", sagt die bald 26-Jährige über die neuen Machtverhältnisse im Stall: "Früher waren 90 Prozent des Ablaufs auf Fritz ausgelegt."

Und früher war nicht alles besser: "Ich hatte zuletzt keinen eigenen Weg mehr, kein eigenes Gefühl." Nach vielen Jahren arbeitet sie nicht mehr mit dem Mosbacher Karl-Heinz Streng zusammen, der kürzlich vom Landessportverband für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden ist. "Ohne Kalli wäre ich nicht dort gewesen, wo ich war. Aber die Zeit ohne Trainer hat mir geholfen, den eigenen Reitweg zu finden", sagt Ann-Kathrin Lindner - und lacht.


Drei Tage Ilsfeld

Es ist der Höhepunkt im Turnierkalender der Region: Von Freitag bis Sonntag werden beim 70. Ilsfelder Reitturnier in 29 Dressur- beziehungsweise Springprüfungen die Sieger gesucht - in jeweils vier S-Prüfungen. Höhepunkte sind am Sonntag der Kurz-Grand-Prix (S***/14.30 Uhr) und der Große Preis mit Jackpot (S**/16 Uhr). lnsgesamt geht es um 22.400 Euro Preisgeld: um 15.200 in den 17 Springprüfungen sowie um 7200 in den zwölf Dressurprüfungen. 

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