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Joshua und Noah Weinmann wollen sich bei Deutscher Meisterschaft im Seitenwagen-Motocross einen Namen machen

Beim Sidecarcross geht es auf der Strecke nicht nur schnell vorwärts, sondern auch hoch hinaus. Joshua und Noah Weinmann aus Weißbach setzen auf dem Motorrad-Gespann eine Familientradition fort.

Nils Buchmann
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Lesezeit 3 Min
Joshua und Noah Weinmann wollen sich bei der Deutschen Meisterschaft im Seitenwagen-Motocross selbst einen Namen machen
Fahrer Joshua Weinmann (links) und sein jüngerer Bruder und Beifahrer Noah auf ihrem Gespann im heimischen Garten.  Foto: Nils Buchmann

Der Nachname ist durchaus noch bekannt, an die Gesichter muss man sich an den Strecken der Republik noch ein wenig gewöhnen. Doch Joshua und Noah Weinmann arbeiten daran, dass sich das bald ändert.

Das Brüderpaar aus Weißbach-Crispenhofen startet in diesem Jahr erstmals bei der Deutschen Seitenwagen-Motocross-Meisterschaft und setzt damit eine Familientradition fort. Denn Vater Thomas und Onkel Klaus Weinmann waren in den 1990er und frühen 2000er Jahren mehrfach Deutscher Meister und Vize-Weltmeister auf dem Motocross-Gespann. Nun geht die nächste Generation an den Start.

Eine Stunde fahren, drei Stunden schrauben

Beim Sidecarcross, wie die Disziplin international genannt wird, pilotieren Fahrer Joshua - durch Gas und Bremse - und Beifahrer Noah - durch Gewichtsverlagerung am Start und in den Kurven - ein speziell angefertigtes, dreirädriges Motorrad-Gespann über eine mal mehr, mal weniger befestigte Strecke. Je nach Witterung variiert der Schwierigkeitsgrad auf den Sand- oder Lehmböden. Zum DM-Auftakt in Schnaitheim waren die Weinmanns direkt im Schneegestöber unterwegs.

Das erste Mal ging das Duo 2019 bei einem Rennen an den Start. Nach einer pandemiebedingten Pause und der Teilnahme an einigen freien Rennen, entschied sich das Paar dann dazu, in diesem Jahr den nächsten Schritt zu machen. "Ab einem bestimmten Punkt muss man den Sport ambitionierter betreiben. Ansonsten würde das den Aufwand nicht rechtfertigen", sagt Joshua Weinmann. Jede Woche sitzen und stehen die beiden auf dem Motorrad, dazu kommen Wartungs-, Pflege- und Reparaturarbeiten. "Auf eine Stunde fahren kommen drei Stunden schrauben", schätzt der 20-Jährige. Dazu gesellt sich Ausdauer- und Krafttraining.

Saisonziel: Zurechtfinden und Fahrpraxis sammeln

Fast selbstredend, dass die Familie das sportliche Treiben der beiden unterstützt. An den Rennwochenenden ist man meist im Wohnmobil von Freitag bis Sonntag unterwegs; inklusive Anhänger mit Motorrad, Ersatzteilen und Werkzeug. Vater Thomas gibt seine Erfahrungen weiter, reist auch selbst mit zu den Rennen und hilft auch mal als Mechaniker aus.

"Die Erwartungen sind dadurch vielleicht ein bisschen höher", gibt Joshua zu, "aber das ist uns egal. Wir wollen uns erst einmal zurechtfinden und alle Rennen fahren." Zehn DM-Läufe mit jeweils zwei Rennen sind in diesem Jahr angesetzt. Nach drei Wochenenden liegt das Duo Weinmann/Weinmann auf Rang 12 von 24 im Gesamtklassement. Zwischen Platz neun und 13 kamen die Weißbacher bislang ins Ziel.

Weinmann-Duo als Exot im Fahrerfeld

Joshua und Noah Weinmann wollen sich bei der Deutschen Meisterschaft im Seitenwagen-Motocross selbst einen Namen machen
Platz neun beim Debüt im Schneegestöber des Int. 47. Schnaitheimer Motocross: Anfang April traten Joshua und Noah Weinmann erstmals bei einem Lauf zur Deutschen Meisterschaft an.  Foto: Karlheinz Schlienz

Vorrangig geht es den Brüdern in diesem Jahr darum, die Strecken mit all ihren Tücken und Sprüngen kennenzulernen. Viel Zeit bleibt dafür nicht. Das Freie Training am Sonntag ist meist nach 45 Minuten zu Ende. In dieser Zeit müssen die Brüder sich selbst und ihr rund 200 Kilogramm schweres Mefo-Husqvarna-Gefährt mit Vier-Takt-Motor und 530 ccm Hubraum an die Gegebenheiten gewöhnt haben.

Denn danach wird es meist eng: Bis zu 30 Gespanne gehen bei einem Lauf aus zwei Startreihen ins Rennen. Niederländer und Belgier, früher auch Schweizer, dominieren die Szene. Und doch fallen die Weinmann-Brüder auf: Denn sie sind - wie Vater und Onkel - Linksfahrer und damit eine Ausnahme. Es gebe derzeit nur zwei weitere Linksfahrer im Feld, erzählt Noah. Das bedeutet: Die Brüder können in Spuren fahren, die andere Starter noch nicht genutzt haben oder nicht nutzen können. Ohnehin sei Gespann-Fahren etwas Spezielles. "Selbst wenn du ein guter Motorrradfahrer bist, kann es sein, dass du mit einem Gespann nicht mal geradeaus fahren kannst", sagt Noah und schmunzelt.

Arbeitsteilung auf und neben der Strecke

Die Rollenverteilung zwischen ihm und seinem Bruder war schnell klar: "Mir liegt das Fahren nicht so", hat der 17-jährige Noah festgestellt. Auch jenseits der Strecke herrscht Arbeitsteilung: Joshua kümmert sich etwa um Technik und Service-Intervalle, Noah ist unter anderem für Anmeldungen und Nenngelder verantwortlich. "Man muss sich aufeinander verlassen können", sagt Joshua Weinmann - "auf und neben der Strecke".

In den nächsten Monaten wollen die beiden den Start und ihre Rundenzeiten weiter verbessern, 2023 soll auch ein neues Motorrad angeschafft werden. Mittelfristig, da ist sich das Brüderpaar einig, wäre eine WM-Teilnahme toll. Spätestens dann wären bei der Konkurrenz wohl auch die neuen Gesichter zum Namen Weinmann präsent.

Termine zu den Läufen der Deutschen Meisterschaft

An diesem Wochenende startet das Duo Weinmann/Weinmann im thüringischen Geisleden. Die kürzeste Anreise haben die Brüder nach Schopfheim (29. Mai), Bessenbach (30. Juli) und Gerstetten (14. August). Weitere DM-Termine: DMV Kinzigtal Motocross (17. Juli), 39. Motocross MSC Hennweiler (11. September) und zum Saisonabschluss der 53. Dreetzer ADAC Motocross am 2. Oktober.

 
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