Neckar-Cup
Lesezeichen setzen Merken

Heimspiel Neckar-Cup

Liam Gavrielides und Elmar Ejupovic haben eine besondere Nähe zu Heilbronn. Beide scheiden am Sonntag in Runde eins der Qualifikation aus.

Lars Müller-Appenzeller
  |    | 
Lesezeit 3 Min
Heimspiel Neckar-Cup
"Für die Zuschauer, die extra meinetwegen gekommen sind, tut es mir ein bisschen leid": Elmar Ejupovic aus Lauffen hat eine Zwei-Satz-Niederlage kassiert.  Foto: Berger, Mario

Selten war Liam Gavrielides so glücklich nach dem Aufwachen. Der 18-Jährige aus Möglingen bei Ludwigsburg hatte vor seinem ersten Match bei einem Challenger-Turnier gut geschlafen, aber einen Albtraum: "Ich habe geträumt, dass ich so Rückenprobleme habe, dass ich im Rollstuhl sitze. Deshalb habe ich mich einfach gefreut, als ich aufgewacht bin und gemerkt habe, dass es nur ein Traum war."

Der Abiturient sitzt beim 8. Heilbronner Neckar-Cup entspannt abseits des Trubels und meistert die Fragen der Reporter noch gekonnter als zuvor die Aufgaben seines Gegners. Auch wenn Liam Gavrielides gegen den Spanier Nikolas Sanchez Izquierdo mit 6:7 (4:7), 3:6 verloren hat, sieht sich Zeljko Alviz vom Auftritt seines ehemaligen Schützlings bestätigt: "Ich bin schon immer der Meinung, dass Liam der nächste Davis-Cup-Spieler aus Baden-Württemberg wird."

Für den Abiturienten ist alles neu, alles groß, alles so professionell

Schon seit neun, zehn Jahren habe er regelmäßig mit Zeljko Alviz, dem Trainer des TC Oberstenfeld, zu tun, erzählt Laim Gavrielides, spielte dort ein Jahr in der Württembergliga. Er sei einmal bei einem U 10-Turnier in der Talheimer Halle dabei gewesen, dort, wo bis 2014 die Heilbronn Open ausgetragen wurden. "Da habe ich gedacht, dass das cool wäre, mal dort zu spielen", erinnert sich das Talent, das nach seiner Challenger-Premiere beim Neckar-Cup am Trappensee "fast bei mir zu Hause" überwältigt ist.

Heimspiel Neckar-Cup
Alte Bekannte: Der Belgier Ruben Bemelmans (links) und Rudolf Molleker.  Foto: Berger, Mario

"Alles ist neu, alles ist so groß, so professionell." Das passt: Nur noch wenige Tage wird der deutsche U 16-Meister von 2020 an der Schule in Mannheim verbringen, denn schon seit Beginn der Pandemie trainiert er an der Tennis-Base in Oberhaching bei Michael Kohlmann, dem Head of Men"s Tennis beim Deutschen Tennis Bund und Bundestrainer.

Unter Druck trifft Liam Gavrielides ein paar falsche Entscheidungen

Klar, seinem Trainer hat Liam Gavrielides seine Wildcard zu verdanken. Kohlmann habe gesagt, "ich soll mein Spiel spielen, Spaß haben - was gar nicht so einfach ist, wenn die Fehler kommen", sagt der junge Mann mit dem Stirnband. "Liam ist beim zweiten Aufschlag technisch besser als der Spanier, hat grundsätzlich die schnellere Hand ", lautet Alviz" Analyse des knapp verlorenen ersten Satzes, als Gavrielides zwei Satzbälle nicht nutzen konnte.

"Liam hat unter Druck ein paar falsche Entscheidungen getroffen." Der weiß: "Solche Spieler sind einfach noch konsequenter. Das wird im Kopf entschieden. Das muss ich noch lernen. Und deshalb war es vielleicht gar nicht so schlecht, den Satz 6:7 zu verlieren."

Heimspiel Neckar-Cup
Alte Bekannte: Der Belgier Ruben Bemelmans (links) und Rudolf Molleker.  Foto: Berger, Mario

In der Kabine zeigt sich: Auch die Stars der Szene sind nur Menschen

Im Januar durfte Liam Gavrielides, dessen Vater zypriotische Wurzeln hat, erstmals bei den Australian Open starten. Bei den Junioren. Seine Erkenntnis: "Man sieht in der Umkleide, dass ein Rafael Nadal oder Andy Murray auch nur Menschen sind." Da ist einer auf dem Weg - der fast zu Hause einen Meilenstein bekommen hat.

Heilbronn ist auch für Rudolf Molleker ein zweites zu Hause, ein Wohlfühlort. Hier gewann der 21-jährige Oranienburger 2018. Und hat gestern in der ersten Runde der Qualifikation Ruben Bemelmans in drei Sätzen geschlagen - der 34-jährige Belgier ist am Neckar übrigens auch heimisch, stand 2012 in Talheim im Finale der Heilbronn Open.

Elmar Ejupovic vermeidet als Heimschläfer Ärger mit seiner Freundin

Für keinen Profi ist der Neckar-Cup mehr Heimspiel als für Elmar Ejupovic. Der 29-jährige Pforzheimer lebt der Liebe wegen seit ein paar Jahren in Lauffen, hatte 2021 auf eine Wildcard für die Quali gehofft - vergebens. "Ich habe zu Turnierdirektor Metehan Cebeci gesagt, dass ich wiederkommen und dann keine Wildcard brauchen werde", erzählt Ejupovic. Er hat Wort gehalten, gestern ein großes Heimspiel auf dem Center Court gehabt. Nach der 4:6, 1:6-Niederlage gegen den Deutsch-Libanesen Benjamin Hassan sagt er: "Für die Zuschauer, die extra meinetwegen gekommen sind, tut es mir ein bisschen leid." Zu Hause zu glänzen, ist nicht leicht.

Elmar Ejupovic hat zuletzt fünf Challenger in Kolumbien und Mexiko gespielt, erst seit ein paar Tagen ist er zurück. Deshalb hat er auch nicht wie sein Trainer, der Italiener Manuel Gasbarri, im Spielerhotel geschlafen, sondern zu Hause: "Sonst hätte ich Ärger mit meiner Freundin bekommen", sagt der 394. der Weltrangliste und lacht. Ein Profi-Turnier als Heimschläfer, das gibt es genauso selten wie einen Albtraum mit Rückenproblemen und Rollstuhl.

Lucky Loser

Des einen Leid, des anderen Freud: Eine Rückenverletzung verhindert den Start von Tim van Rijthoven. Der 25 Jahre alte Niederländer sagte seinen Start beim 8. Heilbronner Neckar-Cup am Sonntagnachmittag ab. Somit werden nicht sechs, sondern sieben Spieler aus der Qualifikation ins Hauptfeld aufrücken - zu den sechs Siegern der heutigen Quali-Finals kommt ein Lucky Loser. Das erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass deutlich mehr als die drei fix im Hauptfeld stehenden deutschen Profis im 32er-Feld dabei sein werden: Acht waren am Sonntag in der Qualifikation gestartet, noch sind Rudolf Molleker, Julian Lenz, Matthias Bachinger, Johannes Härteis und Henri Squire im Rennen um die sieben Plätzen. lm

Heimspiel Neckar-Cup
Alte Bekannte: Der Belgier Ruben Bemelmans (links) und Rudolf Molleker.  Foto: Berger, Mario
Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
Kommentare werden geladen
  Nach oben